
Dalio schlägt Alarm: Kehren China und Japan den US-Schulden den Rücken?

Ray Dalio warnt eindringlich vor einer Schwachstelle im Fundament der Weltfinanzen. In einem Interview mit Bloomberg Television in Singapur sagte der Gründer des Hedgefonds-Giganten Bridgewater Associates am Dienstag, der US-Anleihemarkt sei verwundbar, falls China und Japan weniger amerikanische Staatsanleihen kaufen. Für einen Markt, der in diesem Jahr ohnehin heftig geschwankt hat, ist das keine Kleinigkeit.
Ein Drittel auf Pump im Ausland
Die Rechnung ist schnell erklärt. Laut Dalio finanzieren die USA rund ein Drittel ihrer Schulden mit ausländischem Kapital. Ein großer Teil davon stamme aus Tokio und Peking.
Und genau hier liege das Problem. China wolle aus geopolitischen Gründen keine weiteren US-Schulden mehr anhäufen, erklärte der Milliardär. Japan wiederum habe den Amerikanern viel Geld geliehen und wolle dieses nun zurückholen. Die beiden wichtigsten Geldgeber Washingtons ziehen sich also womöglich gleichzeitig zurück. Wer soll die Lücke dann füllen?
Zur Einordnung: Die Staatsverschuldung der USA liegt bei mehr als 38 Billionen Dollar. Japan gehört seit Jahren zu den größten ausländischen Gläubigern, China ebenfalls. Steigt die Nachfrage nicht mit, müssen die Zinsen steigen, um neue Käufer anzulocken. Das macht jede neue Schuldenrunde für Washington teurer.
Peking zieht schon die Bremse
Dalios Warnung kommt nicht aus heiterem Himmel. Bereits im Februar hatte Bloomberg berichtet, chinesische Aufseher hätten heimischen Finanzinstituten nahegelegt, ihre Bestände an US-Staatsanleihen zu begrenzen. Banken mit hohem Engagement sollten Positionen abbauen, hieß es unter Berufung auf Insider. Offiziell sei das mit Konzentrationsrisiken und Marktschwankungen begründet worden, die staatlichen Reserven seien von der Vorgabe nicht betroffen.
Beobachter lasen darin dennoch ein Signal. Trumps sprunghafte Handels- und Zollpolitik, seine Angriffe auf die Notenbank Fed und die kräftig steigenden Staatsausgaben haben Medienberichten zufolge bei vielen Investoren Zweifel geweckt, ob US-Anleihen noch der unangefochtene „sichere Hafen" sind.
Der Mahner vom Dienst – mit Trefferquote
Dalio warnt seit Jahren vor einem großen Schuldenzyklus, an dessen Ende Weltmächte ihre Vormachtstellung einbüßen. In seinen Büchern über die sich wandelnde Weltordnung und über den Bankrott von Staaten beschreibt er genau dieses Muster. Ausufernde Defizite, schwindendes Vertrauen der Gläubiger, am Ende die Notenpresse. Man muss nicht jede seiner Prognosen teilen. Aber ignorieren sollte man sie auch nicht.
Was das für deutsche Sparer bedeutet
Wer glaubt, das sei ein rein amerikanisches Problem, irrt. Gerät der Markt für US-Staatsanleihen ins Rutschen, beben weltweit die Finanzmärkte – von Pensionsfonds bis zu Lebensversicherungen, in denen auch das Geld deutscher Familien steckt. Und auch hierzulande türmt die Bundesregierung mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen neue Schulden auf. Die Lehre aus Washington gilt auch für Berlin: Wer dauerhaft auf Pump lebt, macht sich von der Laune seiner Gläubiger abhängig.
Bemerkenswert ist, wohin das Geld der vorsichtigen Großanleger fließt. Notenbanken weltweit, darunter die chinesische, stocken seit Jahren ihre Goldreserven auf. Gold ist niemandes Schuldschein. Es kann nicht per Federstrich entwertet und von keinem Gläubiger zurückgefordert werden. Für Privatanleger kann physisches Gold und Silber deshalb eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sein – als Versicherung gegen genau die Risiken, vor denen Dalio jetzt warnt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.












