
Davos im Zeichen der Konfrontation: Europa rüstet sich für Trumps Machtdemonstration

Das beschauliche Schweizer Bergstädtchen Davos verwandelt sich einmal mehr in die Bühne weltpolitischer Machtspiele. Während das Weltwirtschaftsforum unter dem geradezu zynisch anmutenden Motto „Im Geiste des Dialogs" firmiert, brodelt es hinter den Kulissen gewaltig. Die Europäer versuchen verzweifelt, sich vor der morgigen Rede des US-Präsidenten Donald Trump in Position zu bringen – ein Unterfangen, das angesichts der jüngsten Drohgebärden aus Washington einem diplomatischen Drahtseilakt gleicht.
Trumps Grönland-Offensive versetzt Europa in Alarmbereitschaft
Die Nervosität ist mit Händen zu greifen. Trump hat unmissverständlich klargemacht, was er von europäischer Widerborstigkeit hält: Neue Zölle von zwanzig Prozent auf EU-Importe zum 1. Februar, sollten die Europäer seiner Vision einer amerikanischen Übernahme Grönlands weiterhin im Wege stehen. Eine Drohung, die sitzt – und die den DAX bereits am Morgen deutlich ins Minus beförderte.
Der US-Präsident selbst zeigte sich auf seiner Plattform Truth Social zu einem Treffen über die Grönland-Frage bereit. Nach einem Telefonat mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte habe er einem Zusammentreffen der verschiedenen Parteien in Davos zugestimmt, verkündete Trump. Seine Begründung für den territorialen Appetit bleibt dabei so simpel wie beharrlich: Grönland sei „unabdingbar" für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Europas zaghafte Gegenwehr
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sollen heute die europäische Antwort formulieren. Ob diese mehr als diplomatisches Säbelrasseln sein wird, darf bezweifelt werden. Immerhin wagte der Generalsekretär des Europarats, Alain Berset, im Gespräch mit der dpa einen bemerkenswert klaren Ton:
„Möglicherweise müsse man auch mal dagegenhalten und sagen: Nein, so geht es nicht. Man müsse auf Augenhöhe sprechen können und dürfe nicht einfach alles akzeptieren."
Eine erfrischend deutliche Ansage, die man sich von deutschen Politikern häufiger wünschen würde. In einem Gastbeitrag für die „New York Times" wurde Berset noch grundsätzlicher: Das Völkerrecht sei entweder universell oder bedeutungslos – Grönland werde zeigen, wofür sich die Welt entscheide.
US-Finanzminister warnt vor Vergeltungsmaßnahmen
Derweil ist US-Finanzminister Scott Bessent bereits in der Schweiz eingetroffen und warnte die EU unverhohlen vor Vergeltungsmaßnahmen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Washington erwartet Gefolgschaft, keine Gegenwehr. Dass Bessent sich ausgerechnet den Fragen einer Reporterin des „Fox Business Network" stellen soll, unterstreicht die propagandistische Dimension dieser Inszenierung.
Trumps „Friedensrat" – eine Alternative zur UNO?
Besonders brisant erscheint Trumps Vorschlag eines neuen internationalen Gremiums, das er als „Friedensrat" bezeichnet. Pikant dabei: Neben anderen Staats- und Regierungschefs hat er auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin eingeladen. Ein Affront gegenüber der bestehenden internationalen Ordnung, der die Vereinten Nationen marginalisieren könnte. UN-Generalsekretär António Guterres sagte seine Teilnahme in Davos wegen einer „schweren Erkältung" ab – ob diplomatisch oder medizinisch bedingt, bleibt Spekulation.
Wirtschaftselite im Pessimismus gefangen
Die globalen Verwerfungen schlagen sich auch in der Stimmung der Wirtschaftsführer nieder. Laut einer PwC-Umfrage unter rund 4.450 Unternehmenschefs ist das Vertrauen in die eigenen Umsatzaussichten auf ein Fünfjahres-Tief gesunken. Nur noch drei von zehn Vorstandschefs zeigen sich zuversichtlich – vor vier Jahren war es noch mehr als die Hälfte.
Der Chef der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman brachte die Lage auf den Punkt: Unternehmen müssten Entscheidungen treffen, ohne zu wissen, ob neue Handelshemmnisse dauerhaft Bestand hätten. Anpassungen seien unvermeidlich, neue Märkte und Lieferketten müssten erschlossen werden – ein Unterfangen, das er als „phänomenal schwierig" bezeichnete.
Merz erwartet Treffen mit Trump
Bundeskanzler Friedrich Merz wird am Donnerstag in Davos erwartet und soll dort eine Rede halten. Ein Treffen mit Trump am Mittwoch steht im Raum. Man darf gespannt sein, ob der Kanzler die Gelegenheit nutzt, deutsche Interessen mit der nötigen Entschlossenheit zu vertreten – oder ob er sich in die Reihe jener einreiht, die vor amerikanischem Druck einknicken.
In Zürich demonstrierten derweil rund 2.000 Menschen gegen Trump und das WEF. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Wasserwerfer einsetzte. Ein Zeichen dafür, dass die Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Weltordnung längst nicht nur in den Konferenzsälen der Mächtigen diskutiert wird.
Die kommenden Tage in Davos werden zeigen, ob Europa den Mut aufbringt, amerikanischen Machtansprüchen entgegenzutreten – oder ob das Motto „Im Geiste des Dialogs" letztlich nur ein Euphemismus für Unterwerfung ist.












