
Der Golf brennt – und Europas Energieträume mit ihm: Warum die Straße von Hormus nicht zurückkommt

Es gibt Illusionen, an denen unsere Politiker mit geradezu religiöser Inbrunst festhalten. Eine davon lautet: Nach jedem Krieg kehre irgendwann wieder Normalität ein. Doch der Konflikt am Persischen Golf, der im Februar 2026 mit amerikanischen und israelischen Schlägen gegen den Iran begann, entlarvt diesen Trugschluss auf brutale Weise. Der wichtigste Energiekorridor der Welt liegt in Trümmern – und niemand sollte darauf wetten, dass er so bald wieder aufersteht.
Ein Nadelöhr der Weltwirtschaft ist verstopft
Die Zahlen sind so nüchtern wie erschreckend. Vor dem Ausbruch der Kämpfe passierten täglich rund 20 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte die Straße von Hormus – etwa ein Fünftel der globalen Ölverschiffung, dazu ein erheblicher Teil des weltweiten Flüssiggases. Seit dem 28. Februar 2026 ist dieser Verkehr regelrecht kollabiert. Zeitweise wurde nur noch ein Zehntel des normalen Durchsatzes verzeichnet.
Die Internationale Energieagentur, sonst nicht für dramatische Formulierungen bekannt, spricht von der größten Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes. Eine Erholung nennenswerter Produktionsmengen könne zwei Jahre in Anspruch nehmen – und das gelte, so wird betont, als optimistisches Szenario. Man stelle sich vor, was das pessimistische bedeuten würde.
Zerstörung, die sich nicht wegreparieren lässt
Besonders verheerend ist der Schaden an der physischen Infrastruktur. Iranische Angriffe auf den katarischen Ras-Laffan-Komplex sollen rund 17 Prozent der LNG-Kapazität des Emirats für drei bis fünf Jahre außer Gefecht gesetzt haben. Der jährliche Umsatzverlust wird auf 20 Milliarden Dollar taxiert, die Wiederaufbaukosten auf gigantische 26 Milliarden. Ein späterer Explosionsunfall bei den Versuchen, die Anlagen wieder hochzufahren, habe die Situation weiter verschärft.
Der Persische Golf wird nie wieder so sein wie früher – und genau das scheint das Ziel gewesen zu sein.
Entsalzungsanlagen, Stromnetze, Gasverarbeitungsstätten – all das wurde getroffen oder steht unter Bedrohung. Und hier zeigt sich das eigentliche Drama: In einer Wüste, in der das Thermometer auf 40 bis 50 Grad klettert, ist Wiederaufbau ohne funktionierende Kühlung und Wasserversorgung kein technisches, sondern ein zivilisatorisches Problem. Wer soll unter solchen Bedingungen bauen?
Wenn der Dünger ausbleibt, hungert der Westen
Die Folgen dieser Katastrophe reichen weit über die Zapfsäule hinaus. Der Ausfall von Erdgas trifft die Haber-Bosch-Produktion von Stickstoffdünger – jenes chemische Fundament, auf dem die moderne Ernährung von Milliarden Menschen ruht. Dieselknappheit und zerrissene Transportketten legen sich wie ein bleierner Mantel über die Landwirtschaft. Die kumulierten Ölverluste der Region belaufen sich bereits auf über eine Milliarde Barrel.
Europas hausgemachte Doppelkrise
Und wo steht Europa in diesem Szenario? Erschreckend blank. Man muss sich die tragische Ironie auf der Zunge zergehen lassen: Während sich Brüssel in einem geradezu masochistischen Eifer von russischem Gas und Öl losgesagt hat und ein Sanktionspaket nach dem anderen verhandelt, bricht nun die zweite, womöglich dauerhaftere Versorgungssäule weg. Die selbstverordnete Energie-Askese trifft auf eine reale Zerstörung – und das Ergebnis ist eine Rechnung, die der deutsche Bürger an der Heizung, an der Tankstelle und im Supermarkt bezahlen wird.
Die Hoffnung auf billige Energie aus dem Golf ist Geschichte. Wer glaubt, nach dem nächsten Waffenstillstand kehre alles zurück wie im Jahr 2025, der verkennt die schiere Dimension der Verwüstung. Während man in europäischen Amtsstuben weiter über Preisdeckel und moralische Rhetorik philosophiert, zerfällt die physische Basis der globalen Energieversorgung Stück für Stück.
Ein Fels in der Brandung: Werte, die Bestand haben
In Zeiten, in denen ganze Energiekorridore in wenigen Wochen zusammenbrechen und Papierwerte im Rhythmus geopolitischer Schockwellen taumeln, zeigt sich einmal mehr, worauf Verlass ist. Gold und Silber kennen keine gesprengten Pipelines, keine blockierten Meerengen und keine ideologisch verirrte Sanktionspolitik. Physische Edelmetalle haben über Jahrtausende bewiesen, dass sie ihren Wert bewahren, wenn die Fundamente der Weltwirtschaft ins Wanken geraten. Als solider Baustein eines breit gestreuten Vermögens bieten sie genau jene Stabilität, die Politik und Märkte derzeit vermissen lassen.
Hinweis: Die in diesem Beitrag geäußerten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion wieder und stellen keine Anlageberatung dar. Wir empfehlen ausdrücklich keine konkreten Anlageprodukte oder Unternehmen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst. Investitionen in jegliche Anlageklassen sind mit Risiken verbunden.

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