
Deutsche Firmen fordern harte EU-Linie gegen China – trotz Eigenrisiko

Es ist ein bemerkenswerter Stimmungsumschwung: Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen wünscht sich schärfere Handelsmaßnahmen der EU gegenüber China – selbst wenn sie dafür höhere Preise, Zölle oder Vergeltung aus Peking in Kauf nehmen müssten. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter rund 1.300 Firmen hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.
Wenn Unternehmer bereit sind, sich selbst weh zu tun
Der Befund wiegt schwer. Denn viele der befragten Betriebe räumen zugleich ein, dass sie von chinesischen Lieferketten und Produktionsstandorten abhängen – und dass genau diese Verflechtung ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit stützt.
Selbst dort, wo die Abhängigkeit am größten ist, kippt die Stimmung: Unter Firmen mit eigenen Standorten in China sprachen sich laut der Erhebung 49 Prozent für ein härteres Vorgehen aus, 46 Prozent waren dagegen. Wer sein eigenes Geschäftsmodell aufs Spiel setzt, muss den Druck als existenziell empfinden.
Maschinenbau und Autoindustrie im Zangengriff
Zwei Drittel aller Befragten berichten von wachsender Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber. Am härtesten trifft es das industrielle Herzstück der Republik: Im Bereich Maschinenbau und Automobil meldeten 83 Prozent zunehmenden Wettbewerbsdruck, die Hälfte davon beschrieb ihn als stark oder sehr stark.
Ein Blick auf die nackten Zahlen erklärt, warum. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war China auch 2025 wieder wichtigster Handelspartner Deutschlands – Importe im Wert von 170,6 Milliarden Euro, ein Plus von 8,8 Prozent. Die Außenwirtschaftsagentur GTAI rechnete für dasselbe Jahr mit einem deutschen Handelsdefizit gegenüber China von knapp 87 Milliarden Euro. Auf EU-Ebene lag das Warendefizit laut Rat der Europäischen Union bereits 2024 bei über 300 Milliarden Euro.
Berlin entdeckt die Handelspolitik – reichlich spät
Die Umfrage fällt in eine heikle Phase. Brüssel und Peking steuern auf eine Frist im Oktober zu, bis zu der greifbare Fortschritte in den Wirtschaftsstreitigkeiten erzielt werden sollen. Gelingt das nicht, droht die Eskalation.
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte vergangene Woche, die deutsche Industrie habe ihre Haltung zu globalen Ungleichgewichten "offenbar geändert", und beauftragte sein Kabinett mit Vorschlägen gegen das Handelsungleichgewicht. Beobachter fragen sich allerdings, warum diese Erkenntnis erst jetzt kommt – jahrelang wurde die wachsende Abhängigkeit von Peking in Berlin eher verwaltet als bearbeitet.
DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier mahnte zugleich zur Differenzierung:
Europa müsse Wettbewerbsverzerrungen entschieden angehen und ihnen entgegentreten – dürfe sich aber nicht mit pauschalen Maßnahmen selbst schaden.
Was das für Sparer bedeutet
Handelskonflikte sind längst kein Randthema mehr für Exportmanager. Sie treiben Preise, verteuern Vorprodukte und belasten Lieferketten – mit direkten Folgen für Inflation und Kaufkraft. Wer Zölle sät, erntet oft Teuerung.
In solchen Phasen erinnern sich viele Anleger an das, was keine Regierung per Beschluss entwerten kann: physische Edelmetalle. Gold und Silber sind kein Allheilmittel, aber als krisenerprobte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen haben sie sich über Jahrzehnte bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst gründlich informieren.
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