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Kettner Edelmetalle
10.08.2026
08:48 Uhr
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„Deutschland plant sich zu Tode“: Tunnelbauer holt zum Rundumschlag aus

„Deutschland plant sich zu Tode“: Tunnelbauer holt zum Rundumschlag aus
Symbolbild: KI-generiert

Martin Herrenknecht, Gründer und Vorstandschef des weltweit führenden Tunnelbohrmaschinenherstellers Herrenknecht AG, hat der deutschen Infrastrukturpolitik ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ spricht der Unternehmer von blamablen Zuständen, endlosen Planungsverfahren und fehlendem Umsetzungswillen. Sein Urteil: „Wir träumen in unserer Bananenrepublik.“

Der Brenner-Tunnel wird fertig – die deutschen Zufahrten nicht

Besonders scharf kritisiert Herrenknecht laut dem Bericht die deutschen Zulaufstrecken zum Brenner-Basistunnel. Zwischen Österreich und Italien soll in diesem Jahr der letzte Durchbruch erfolgen – bei der längsten unterirdischen Bahnverbindung der Welt.

Auf deutscher Seite dagegen: Baustellenstille. Deutschland halte Staatsverträge zu den großen europäischen Bahntrassen nicht ein, wird Herrenknecht zitiert. Das sei „blamabel, wirtschaftslähmend und inakzeptabel für unsere Nachbarn“.

Und weiter: „Deutschland plant sich noch zu Tode.“ Ein Satz, der für viele Bürger nach Jahren stockender Großprojekte kaum noch überraschend klingt.

Vier Milliarden Euro – für vier Minuten

Als Musterbeispiel für ausuferndes Planungsdenken nennt der Unternehmer die seit über einem Jahrzehnt diskutierten Bahntunnel bei Offenburg. Selbst bei einem Baustart „morgen“ wäre man erst in den 2040ern fertig – ein „Trauerspiel“, so Herrenknecht.

Noch deutlicher wird er bei der geplanten Erhöhung der Streckengeschwindigkeit von 200 auf 250 Stundenkilometer. Dafür müssten Gleise um 70 Zentimeter auseinandergelegt und Brücken erhöht werden.

„Das kostet vier Milliarden Euro für vier Minuten Fahrzeitverkürzung. Das ist verrückt. Da stehen Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis.“

Er wolle diese Planung bekämpfen, solange es noch möglich sei. Nach den Ursachen gefragt, antwortet der Unternehmer knapp: „Selbstüberschätzung deutscher Ingenieure und Planer.“

Frankreich baut, Deutschland debattiert

Das Lob geht ins Nachbarland. Frankreich habe die Erweiterung des Pariser Metronetzes selbst während der Corona-Pandemie weitgehend durchgezogen – das Projekt „Grand Paris Express“ mit vier vollautomatischen Linien, rund 200 Kilometern Strecke und 68 Stationen. „Wenn die Franzosen etwas wollen, dann ziehen sie es durch“, sagt Herrenknecht.

Zudem achte Frankreich bei Ausschreibungen stärker auf technische Innovation, Deutschland vor allem auf den Preis. Die Folge: Aufträge landeten mitunter bei chinesischen Anbietern. „Nur billig zahlt sich bei Infrastruktur nicht aus.“

Seine Rezepte: mehr privat mitfinanzierte Projekte und beschleunigte Genehmigungen nach dem Vorbild der LNG-Terminals, die während der Energiekrise in Rekordzeit entstanden. Der Beweis also, dass Deutschland schnell kann – wenn der politische Wille da ist.

„Kaum noch deutsche Autos“ in Paris

Auch die wirtschaftliche Gesamtlage kommentiert Herrenknecht ungeschminkt. Früher hätten sich Nachbarn über einen Mercedes oder BMW gefreut, heute sehe man in Paris kaum noch deutsche Fahrzeuge.

Investitionen in Infrastruktur seien „die einzige Chance, schnell aus dem Tal zu kommen“ – mit Vorrang für die Bahn. Bei der habe es 20 Jahre lang zu oft Stillstand gegeben. Die Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder halte er für richtig: Es sei zu wenig passiert, obwohl das Geld für Projekte vorhanden gewesen sei.

Aus Sicht unserer Redaktion trifft der Weltmarktführer damit den Kern eines strukturellen Problems: Milliarden werden per Sondervermögen und Schuldenaufnahme mobilisiert – doch Beton wird davon nicht automatisch gegossen. Wer Bürokratie nicht abräumt, verwaltet nur teurer.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren. Physische Edelmetalle können in einem breit gestreuten Vermögen als langfristige Beimischung zur Werterhaltung dienen.

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