
Die KI-Blase wackelt: OpenAI-Börsengang vor der Verschiebung – SoftBank-Aktie stürzt ab
Es ist das Lieblingsspielzeug der Wall Street, der heilige Gral der Technologiebranche, das Wundermittel gegen jede wirtschaftliche Schwerkraft: Künstliche Intelligenz. Doch nun bekommt die grenzenlose Euphorie rund um ChatGPT und Konsorten einen empfindlichen Dämpfer. Der Börsengang des ChatGPT-Betreibers OpenAI, der eigentlich noch in diesem Jahr über die Bühne gehen sollte, könnte sich nun bis ins kommende Jahr verschieben. Die Folge: An den Märkten kehrt jäh Ernüchterung ein.
Wenn die Begeisterung der Realität weicht
Nach dem fulminanten Börsengang von SpaceX, der dem Raumfahrtunternehmen satte 85 Milliarden Dollar in die Kassen spülte, war die Stimmung bestens. Die Hoffnung: Die Börse könne auch noch zwei weitere Schwergewichte – OpenAI und Anthropic – verkraften, in die zusammen weit über 100 Milliarden Dollar Eigenkapital fließen sollten. Doch wer glaubt, an den Märkten gebe es Bäume, die in den Himmel wachsen, irrt gewaltig.
Berater von OpenAI sollen laut einem Bericht von Bloomberg, der sich wiederum auf die New York Times beruft, davor gewarnt haben, dass die ausgeprägte Volatilität bei Technologieaktien die Begeisterung für einen Börsengang erheblich abkühlen könnte. Erst vor zwei Wochen hatte das von Sam Altman geführte Unternehmen entsprechende Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Im Mai war noch von einem möglichen Börsengang im Herbst die Rede – gemeinsam mit den Großbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley.
SoftBank im freien Fall
Besonders schmerzhaft trifft die Verzögerung den japanischen Großinvestor SoftBank. Die Aktie des Konzerns brach in Tokio um bis zu 13 Prozent ein – ein dramatischer Absturz für ein Unternehmen, dessen Börsenwert zuletzt sogar jenen von Toyota Motor übertraf. Allein die Aussicht auf einen profitablen OpenAI-Börsengang hatte die SoftBank-Aktie zuvor auf Rekordhochs getrieben.
Bis Oktober sollen die Investitionen von SoftBank in den ChatGPT-Entwickler nach derzeitiger Planung rund 65 Milliarden Dollar erreichen – eine gewaltige Wette auf eine einzige Karte. Hiroki Takei, Stratege bei Resona Holdings, erklärte, ein Börsengang von OpenAI würde für einen großen Teil der SoftBank-Beteiligungen endlich eine transparente Marktbewertung schaffen.
Eine größere Transparenz könnte den hohen Konglomeratsabschlag beziehungsweise die Risikoprämie auf die SoftBank-Aktie verringern.
Im Klartext: Solange OpenAI nicht an der Börse notiert ist, tappen Investoren bei der Bewertung des riesigen Portfolios aus Hunderten nicht börsennotierter Startups weitgehend im Dunkeln. Und genau diese Ungewissheit rächt sich nun bitterlich.
Die ewige Frage: Wer zahlt am Ende die Zeche?
Man muss kein Pessimist sein, um zu erkennen, dass hier ein grundlegendes Muster der Finanzmärkte sichtbar wird. Wieder einmal werden astronomische Bewertungen auf Versprechungen und Zukunftsfantasien gebaut, während die handfeste Realität – die schwankenden Tech-Aktien, die zögernden Banker – ignoriert wird, solange die Party läuft. Doch jede Party hat ein Ende. Und wenn die Musik verstummt, suchen die Anleger nach Stühlen, die plötzlich nicht mehr da sind.
Die Episode rund um OpenAI und SoftBank führt einmal mehr vor Augen, wie volatil und stimmungsgetrieben moderne Finanzmärkte geworden sind. Wer sein Vermögen ausschließlich auf das nächste große Technologie-Versprechen setzt, baut auf Sand. In Zeiten, in denen ein einziger Zeitungsbericht ausreicht, um Milliardenwerte in Minuten zu vernichten, gewinnt die Frage nach echter, krisenfester Wertsicherung wieder an Bedeutung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrtausende bewiesen, dass sie keine Quartalsberichte, keine Börsengänge und keine Bankenwarnungen benötigen, um ihren Wert zu behaupten. Als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bieten sie genau jene Stabilität, die der KI-Hype schmerzlich vermissen lässt.
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