
Diesel-Schock auf hoher See: Berlin verlängert Rettungsring für Fischer

Die deutschen Fischer an Nord- und Ostsee bekommen länger Geld vom Staat. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat am Montag die Betriebsbeihilfen wegen der weiter extrem hohen Dieselpreise bis zum 31. Dezember 2026 verlängert. Ursprünglich sollte die Hilfe nur den Zeitraum vom 1. März bis 23. Juli abdecken.
Die überarbeitete Förderrichtlinie steht inzwischen im Bundesanzeiger. Umsetzen soll sie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Für die Betriebe zählt jetzt jeder Tag.
Hormus dicht, Kutter im Hafen
Ausgelöst hat die Misere der Irankrieg. Nach Angaben der BLE ist die Straße von Hormus seit Februar 2026 de facto geschlossen. Durch dieses Nadelöhr fließt ein großer Teil des weltweit gehandelten Öls. Seitdem schießen die Weltmarktpreise für Öl und Gas in die Höhe. Laut der EU-Generaldirektorin für Handel und wirtschaftliche Sicherheit sind die Energiekosten der EU seit Kriegsbeginn um 22 Milliarden Euro gestiegen.
Für einen Fischkutter heißt das: Ein Fangtag kostet plötzlich deutlich mehr. Kaum eine Branche hängt so direkt am Dieselpreis. Wer aufs Meer fährt, verbrennt Treibstoff, ob die Netze voll oder leer zurückkommen.
Die Steuerfalle
Ausgerechnet die Fischer gingen bei der vorübergehenden Senkung der Energiesteuer durch die Bundesregierung leer aus. Auf Schiffsdiesel wird gar keine Energiesteuer erhoben, also gab es dort auch nichts zu senken. Die Entlastung an der Zapfsäule kam bei den Kuttern nie an. Die Beihilfe soll diese Lücke schließen.
Was die Fischer konkret bekommen
Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) erklärte, die stark gestiegenen Energiepreise stellten die Fischer weiterhin vor Herausforderungen. Er versprach:
"Mit der Verlängerung der Beihilfe sorgen wir auch in dieser Phase für schnelle Unterstützung sowie Planbarkeit und Verlässlichkeit."
Zugleich dankte Rainer der EU-Kommission dafür, dass sie die Verlängerung ermöglicht habe. Ohne Brüssel geht es also nicht einmal bei der Rettung einer Handvoll Kutter. Grundlage ist ein befristeter EU-Beihilferahmen zur Krise im Nahen Osten. Die wichtigsten Eckdaten laut Ministerium und BLE:
- Bis zu 50.000 Euro je Fischereiunternehmen
- Pauschalen je Fahrzeug, rechnerisch ursprünglich 0,21 Euro pro Liter Diesel; die Pauschalen wurden mit der Verlängerung angehoben
- Berechtigt sind Haupterwerbsbetriebe der Seefischerei und der Meeresaquakultur
- Antragsfrist bei der BLE: 31. Oktober 2026
Zum Start im September standen laut Ministerium bis zu 4,5 Millionen Euro zur Verfügung. Ein Rechtsanspruch besteht nicht, die Zahlung steht ausdrücklich unter Haushaltsvorbehalt.
Windkraft-Millionen für die Fischer: Ironie mit Ansage
Bezahlt wird die Hilfe aus Einnahmen nach dem Windenergie-auf-See-Gesetz. Das hat eine eigene Pointe. Die Offshore-Windparks, deren Erlöse jetzt die Fischer stützen, beanspruchen genau die Meeresflächen, auf denen früher gefischt wurde. Der Staat gibt damit einem Berufsstand einen Teil dessen zurück, was ihm die Energiewende auf See an Platz genommen hat.
Ohnehin steckt die deutsche Küstenfischerei seit Jahren in der Krise. Drastisch gekürzte Fangquoten für Dorsch und Hering in der Ostsee, Bürokratie und Nachwuchsmangel haben die Flotte ausgedünnt. Jetzt kommt der Energiepreis-Schock dazu.
Pflaster statt Therapie?
Kurzfristig dürfte die Verlängerung manchem Familienbetrieb tatsächlich die Existenz sichern. Kritiker dürften aber fragen, warum ein Sektor, der zur Versorgung mit heimischen Lebensmitteln beiträgt, immer wieder auf befristete Zuschüsse angewiesen ist, die aus Brüssel genehmigt werden müssen. Verlässlichkeit, wie der Minister sie verspricht, wäre eine Politik, die Energie dauerhaft bezahlbar macht. Die Beihilfe verschafft den Fischern Zeit bis Silvester. Was danach kommt, hängt an Hormus und nicht an Berlin.
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