
Durov schlägt zurück: Schwere Zensur-Vorwürfe gegen Paris

Telegram-Gründer Pavel Durov hat am Montag auf der Plattform X massive Vorwürfe gegen staatliche Stellen erhoben. In mehreren Ländern werde sein Messenger im Stillen zu „politischen Gefallen" gedrängt – konkret zu „illegaler Zensur oder Überwachung". Wer sich weigere, werde öffentlich zum Kriminellen-Sumpf erklärt, so der Unternehmer.
„Ein Muster in mehreren Ländern"
Durov schreibt, seit zwei Jahren zeichne sich ein wiederkehrendes Schema ab. Lehne Telegram entsprechende Wünsche ab, starteten lokale Medien und regierungsnahe Organisationen orchestrierte Kampagnen, die den Dienst als Brutstätte von Verbrechen darstellten – von Kinderpornografie bis Terrorismus.
„Plötzlich beginnen Beamte, sich um Kriminalität und den Schutz von Kindern zu kümmern – aber nur auf Plattformen, die ihre geheimen politischen Forderungen ablehnen."
Die Moderation bei Telegram sei nicht schlechter als bei anderen großen Netzwerken, argumentiert Durov. Doch wer sich auf Deals einlasse, komme mit fast allem davon. Ein harter Vorwurf – und einer, den bislang niemand unabhängig überprüft hat.
Vier Tage Haft, ein Verfahren ohne Ende
Hintergrund ist die Festnahme Durovs in Frankreich im August 2024. Der gebürtige Russe, der auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, saß vier Tage in Gewahrsam und kam anschließend gegen Kaution frei. Die Pariser Justiz wirft ihm Medienberichten zufolge vor, durch mangelnde Moderation Beihilfe zu Straftaten auf seiner Plattform geleistet zu haben. Eine Anklage in der Sache steht bis heute aus – das Ermittlungsverfahren läuft weiter.
Bereits im Frühjahr 2025 hatte Durov öffentlich behauptet, ein hochrangiger französischer Geheimdienstvertreter habe ihn gebeten, konservative Kanäle im Umfeld der rumänischen Präsidentschaftswahl zu sperren. Der Dienst wies dies zurück; die Gespräche hätten Terrorabwehr und Kinderschutz betroffen. Beweise legte keine Seite öffentlich vor.
Rückschlag für Macron
Durovs Timing ist kein Zufall. Frankreichs Verfassungsrat kippte am 14. August 2026 das im Juli vom Parlament beschlossene Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige. Die Richter befanden laut Mitteilung, die Regelung greife unverhältnismäßig in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit ein und lasse die Bedingungen der geplanten Altersverifikation offen. Präsident Emmanuel Macron ließ seinen Premier umgehend an einer Neufassung arbeiten.
Für Durov ein Beleg, dass „Macrons Krieg gegen die freie Meinungsäußerung" auf Widerstand stoße. Sein Fazit: Am Ende würden Freiheit und Wahrheit siegen.
Auch Berlin liebäugelte mit dem Abschalten
Wer glaubt, das sei ein rein französisches Problem, irrt. Telegram, 2014 mit dem Versprechen von Zensurfreiheit und Schutz vor staatlicher Überwachung gestartet, wurde schnell zum Werkzeug von Oppositionsbewegungen weltweit – und damit zur Zielscheibe. Der Iran verbot die App, Russland scheiterte 2018 am Versuch, sie abzuschalten.
Und in Deutschland? Die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser brachte eine Abschaltung ins Gespräch, das Bundesamt für Justiz verhängte 2022 ein Millionenbußgeld gegen den Betreiber. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall ein Grundproblem europäischer Netzpolitik: Der Kinderschutz liefert die Überschrift, die Kontrolle über den digitalen Diskurs liefert das Motiv. Wer hier abwinkt, sollte sich fragen, wer künftig entscheidet, was gesagt werden darf.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.
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