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Ein Schlag, ein Toter, ein Jahr Haft: Urteil schockiert Skandinavien

Ein Schlag, ein Toter, ein Jahr Haft: Urteil schockiert Skandinavien
Symbolbild: KI-generiert

Ein schwedischer Polizist will bei einer Fußball-Übertragung in Kopenhagen einen Streit schlichten und stirbt drei Tage spĂ€ter. Am Mittwoch hat das Stadtgericht Kopenhagen den 31-jĂ€hrigen TĂ€ter zu nur einem Jahr Haft verurteilt. Laut Medienberichten soll der Mann schon wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes im GefĂ€ngnis gesessen haben.

Ein Sommerabend am Hafen, der tödlich endet

Es geschah am 30. Juni an der Islands Brygge, einer beliebten Hafenpromenade in der dĂ€nischen Hauptstadt. Auf einer Großleinwand lief das WM-Spiel Norwegen gegen die ElfenbeinkĂŒste. Tausende Menschen feierten. Unter ihnen war Christian Zedig, ein 32-jĂ€hriger Polizist aus Schweden.

Als ein Streit eskalierte, ging Zedig dazwischen. Er bekam einen Faustschlag ab. Zeugen zufolge sollen danach noch andere auf ihn eingetreten haben, als er schon am Boden lag. Drei Tage spÀter war er tot. Nach den Ermittlungen hat der Faustschlag den Tod verursacht.

Warum das Gericht nur „einfache Gewalt“ sah

Im Prozess rĂ€umte der 31-JĂ€hrige nach Berichten dĂ€nischer Medien ein, Gewalt angewendet zu haben. Die Staatsanwaltschaft klagte aber nur wegen simpel vold an, also einfacher Körperverletzung. Schwere Körperverletzung oder ein Tötungsdelikt warf sie ihm nicht vor. DafĂŒr sieht das dĂ€nische Gesetz höchstens ein Jahr GefĂ€ngnis vor. Das Gericht folgte der Anklage und verhĂ€ngte genau diese Höchststrafe.

Laut Berichten begrĂŒndete der zustĂ€ndige Staatsanwalt SĂžren Harbo das so: Man prĂŒfe, wie gefĂ€hrlich ein Angriff typischerweise sei. Ein Faustschlag sei in der Regel nicht gefĂ€hrlich. Dass das Ergebnis diesmal tödlich war, Ă€ndert an dieser juristischen Logik offenbar nichts. Nach dem Urteil soll sich Harbo nicht zufrieden geĂ€ußert haben. Ein bemerkenswertes Schweigen.

Ein Vorstrafenregister, das sprachlos macht

Besonders bitter wird der Fall durch die Vorgeschichte. Medienberichten zufolge wurde der Mann 2014 zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, weil er seine damalige Freundin mehrfach vergewaltigt haben soll. 2016 soll er einem Mann ein Messer in die Brust gestochen haben. DafĂŒr bekam er 2017 eine siebenjĂ€hrige Haftstrafe wegen versuchten Mordes.

Diese Vorstrafen hat das Gericht strafverschĂ€rfend berĂŒcksichtigt. Weil das Strafmaß aber auf ein Jahr gedeckelt ist, war es damit auch schon ausgeschöpft. Der Verurteilte stammt aus dem Kongo, kam schon mit vier Monaten nach DĂ€nemark und hat die dĂ€nische StaatsbĂŒrgerschaft.

Die Familie fordert EntschÀdigung

Die Angehörigen von Zedig haben Berichten zufolge rund 2,8 Millionen schwedische Kronen Schadenersatz verlangt. Kein Geld bringt einen Sohn, Partner oder Kollegen zurĂŒck. Ein Urteil, das man als gerecht empfinden kann, hĂ€tte den Hinterbliebenen aber vielleicht einen Rest von Trost gegeben.

Was ist ein Menschenleben dem Rechtsstaat wert?

In den sozialen Netzwerken ist die Empörung groß. Und sie ist verstĂ€ndlich. Wenn ein mehrfach vorbestrafter GewalttĂ€ter fĂŒr einen tödlichen Schlag ein Jahr bekommt, verstehen viele BĂŒrger die Welt nicht mehr. Wer bewertet hier eigentlich das Ergebnis? Am Ende zĂ€hlt offenbar nur, wie gefĂ€hrlich der Schlag „normalerweise“ ist.

Zum Vergleich: In Deutschland kennt das Strafgesetzbuch mit § 227 die Körperverletzung mit Todesfolge. Die Mindeststrafe betrÀgt drei Jahre, in minder schweren FÀllen ein Jahr. Aber auch hierzulande hört man nach milden Urteilen gegen WiederholungstÀter immer wieder dieselbe Frage.

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall ein Problem, das ganz Europa betrifft. Der Staat schĂŒtzt seine BĂŒrger nicht konsequent genug vor Menschen, die schon mehrfach schwere Gewalt ausgeĂŒbt haben. DĂ€nemark gilt in der Migrationspolitik oft als strenges Vorbild. Doch gerade dieses Urteil zeigt, dass harte Worte an der Grenze nichts nĂŒtzen, wenn die Justiz bei WiederholungstĂ€tern an ihre Grenzen stĂ¶ĂŸt. Christian Zedig wollte Frieden stiften. DafĂŒr hat er mit seinem Leben bezahlt.

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