
Energie-Alarm: Weltenergierat warnt vor Kälte und Dunkelheit

Deutschlands Energieversorgung steht auf wackligen Beinen – und die Risse werden größer. Der Verein Weltenergierat Deutschland warnt in seiner neuen Jahresstudie „Energie für Deutschland. Fakten, Perspektiven und Positionen im globalen Kontext 2026" vor einer massiv unsicheren Versorgungslage. Der Grund: wachsende militärische Konflikte, brüchige Lieferketten und ein Weltmarkt, der immer weniger Alternativen bietet.
„Ausdruck geoökonomischer Macht"
Geschäftsführer und Herausgeber Carsten Rolle, zugleich Bereichsleiter Energie, Mobilität und Umwelt beim Industrieverband BDI, bringt die Kernaussage der Untersuchung auf den Punkt:
„Die sichere Lieferung von Energie ist aufgrund wachsender militärischer Konflikte massiv gefährdet. Energieversorgung ist nicht mehr nur ein industrieller Faktor, sondern ein Ausdruck geoökonomischer und sicherheitspolitischer Macht. Die Verwundbarkeit aufgrund der Volatilität von Preisen, Investitionen und Lieferketten steigt."
Die Blockade der Straße von Hormus sei dabei nur ein Vorgeschmack. Seit Ende Februar ist die Meerenge am Persischen Golf Medienberichten zufolge durch iranisches Militär faktisch gesperrt – mit spürbaren Folgen für den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport. Deutschland kam dabei laut einer Auswertung europäischer Forschungsinstitute vergleichsweise glimpflich davon, Italien, Belgien und Großbritannien traf es härter.
Fünf Nadelöhre, an denen die Weltwirtschaft hängt
Doch Hormus ist nur eines von mehreren Nadelöhren. Die Studie verweist ebenso auf die Straße von Malakka zwischen Indischem Ozean und Südchinesischem Meer, auf den Suez- und den Panamakanal sowie auf die Meerenge Bab al-Mandab vor Jemen, die inzwischen von den Huthi-Rebellen kontrolliert wird.
Drei Szenarien haben die Autoren entworfen: eine noch integrierte, aber instabile Weltwirtschaft; eine Zunahme von Großraumkonflikten mit unsteter, nationalisierter Versorgung; und schließlich ein „fragmentierter, aber funktionsfähiger Multilateralismus". Gefordert werden „resiliente, diversifizierte und redundante Energie- und Rohstoffsysteme" – Energie, Handel, Finanzen, Forschung und Sicherheit müssten endlich zusammengedacht werden.
79 Prozent fossil – und trotzdem Klimaneutralität?
Eine Zahl aus der Studie dürfte in Berlin für lange Gesichter sorgen: Rund 79 Prozent der deutschen Primärenergie stammten 2025 aus fossilen Quellen. Erneuerbare kommen zusammen mit Wasserkraft und Bioenergie auf 21 Prozent. Wer von schneller Klimaneutralität spricht, redet also über ein Ziel, das nach Einschätzung vieler Fachleute in weiter Ferne liegt.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte im März 2026 auf der „CERAWeek" in Houston für US-Gas, Kernkraft und einen bezahlbaren Strommix geworben und erklärt, der Ausstieg aus der Kernkraft sei ein Fehler gewesen. Die Deutsche Umwelthilfe und die NGO „Frag den Staat" kritisierten diesen Auftritt scharf. Kanzler Friedrich Merz wiederum hatte bereits im April 2025 in der ARD-Sendung „Miosga" gesagt: „Wenn uns der Umweltschutz, der Klimaschutz etwas wert ist, dann wird es teurer."
Autarkie? Für Deutschland unmöglich
Der Cornell-Ökonom Iwan Jaya Azis warnt, kaum ein Staat sei heute noch zu völliger energiepolitischer Autarkie fähig – Deutschland ganz sicher nicht. Gleichzeitig verlören WTO, IWF und G20 an Bedeutung. Seine Frage klingt wie ein Weckruf: Was bleibe einer Mittelmacht, die nicht eines Tages allein in Kälte und Dunkelheit stehen wolle?
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt die Studie vor allem eines: Versorgungssicherheit ist keine ideologische Frage, sondern eine der industriellen Überlebensfähigkeit. Wer Kraftwerke abreißt, bevor der Ersatz steht, macht sich erpressbar. In solchen Phasen suchen viele Anleger Stabilität – physische Edelmetalle gelten traditionell als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung der Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik





















