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Kettner Edelmetalle
21.08.2026
05:41 Uhr
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Epstein-Akten: Deutsche vermisst – und die Behörden schauten weg

Epstein-Akten: Deutsche vermisst – und die Behörden schauten weg
Symbolbild: KI-generiert

Seit September 2015 fehlt von einer jungen Deutschen jede Spur. Michele, damals 22, verließ mit einem Koffer die Wohnung ihrer Mutter – und verschwand. Elf Jahre später taucht ihr Name in den sogenannten Epstein-Files auf, jener Aktenflut aus dem US-Verfahren gegen den 2019 in Haft gestorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.

Ein Rechercheteam von ZDF, SPIEGEL und dem Netzwerk paper trail media hat den Fall neu aufgerollt. Was dabei zutage trat, ist mehr als ein tragischer Vermisstenfall – es ist das Sittenbild eines internationalen Anwerbesystems.

Eine E-Mail aus 2014 – und ein Flugticket

Den Recherchen zufolge finden sich in den Akten E-Mails aus dem Jahr 2014, in denen der französisch-schwedische Modelagent Daniel Siad mit Epstein über eine junge Deutsche kommuniziert. Er habe Fotos geschickt und um ein Flugticket für sie gebeten. Epstein werde sie „lieben“, soll es in der Nachricht geheißen haben.

Ob es je zu einem Treffen kam, lässt sich aus den bislang bekannten Dokumenten nicht belegen. Die ZDF-Dokumentation „Die Spur“ lässt diese Frage ausdrücklich offen. Nach Angaben der Familie kannte Michele den Modelagenten bereits seit 2012 aus Dubai.

Fast 2.000 Treffer in den Akten

Siads Name taucht nach übereinstimmenden Medienberichten hunderte bis fast zweitausend Mal in den freigegebenen Unterlagen auf – in Mails, Anrufprotokollen, Nachrichten. In einem Dokument des US-Justizministeriums soll er von Epstein-Vertrautem Jean-Luc Brunel als Scout für junge Frauen bezeichnet worden sein.

Die französische Justiz ermittelte zuletzt gegen ihn wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Vergewaltigung; mindestens fünf Frauen sollen Anzeige erstattet haben. Verurteilt wurde er nie – es galt die Unschuldsvermutung.

Im Juli 2026 wurde Siad, 69 Jahre alt, wenige Tage vor einer geplanten polizeilichen Befragung tot in seinem Haus im Pariser Vorort Colombes gefunden. Die Staatsanwaltschaft Nanterre ordnete eine Obduktion an; Medienberichten zufolge ergaben sich keine Hinweise auf Gewalteinwirkung, als Ursache komme ein Herzinfarkt in Betracht. Mit seinem Tod endeten die Ermittlungen – und damit jede Chance auf seine Aussage.

Elf Jahre Aktenzeichen ohne Priorität

Besonders bitter ist der Umgang der deutschen Stellen mit dem Fall. Die Eltern meldeten ihre Tochter im Oktober 2015 als vermisst. Man habe geprüft, ob sie andernorts aufgegriffen worden sei – ohne Ergebnis. Eine aktive Fahndung sei mangels konkreter Hinweise auf ein Verbrechen nicht möglich gewesen, hieß es.

Selbst als sich 2026 die Rechercheure meldeten, sei eine öffentliche Fahndung Berichten zufolge weiterhin nicht geplant gewesen. Die Staatsanwaltschaft habe später mitgeteilt, es fehle die Grundlage für ein Ermittlungsverfahren.

Elf Jahre lang blieb eine junge Frau, deren Name in einem der größten Missbrauchskomplexe der jüngeren Geschichte auftaucht, für die Behörden offenbar eine Karteikarte ohne Dringlichkeit.

Wo bleibt der Ermittlungseifer?

Aus Sicht unserer Redaktion drängt sich eine unbequeme Frage auf: Warum mobilisiert der deutsche Staat bei Beleidigungsdelikten im Netz mitunter Hausdurchsuchungen im Morgengrauen – während der Fall einer verschwundenen jungen Frau über ein Jahrzehnt liegen bleibt? Prioritäten sind politische Entscheidungen. Und sie werden hier für viele Bürger schmerzhaft sichtbar.

Auf Wunsch der Familie werden Nachname und Wohnort nicht veröffentlicht. Geblieben ist den Eltern bislang nur ein elf Jahre altes Foto – und die Ungewissheit.

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