
Epstein-Skandal: Bill Clinton will von nichts gewusst haben – 27 Flüge sprechen eine andere Sprache

Es ist eine jener Geschichten, die das Vertrauen in die politische Elite Amerikas bis ins Mark erschüttern. Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat sich am Freitag den Fragen eines Kongressausschusses zum Epstein-Skandal gestellt – und dabei genau das getan, was man von einem erfahrenen Berufspolitiker erwarten durfte: Er bestritt alles. Jede Verwicklung, jedes Wissen, jede Ahnung. „Ich hatte keine Ahnung", so die Kernbotschaft des 79-Jährigen. Man möchte fast applaudieren ob dieser Chuzpe.
27 Flüge im Privatjet eines Sexualstraftäters – alles nur dienstlich?
Die nackten Fakten zeichnen freilich ein Bild, das sich mit Clintons Unschuldsbeteuerungen nur schwer in Einklang bringen lässt. Mindestens 27 Mal soll der Ex-Präsident im Privatjet von Jeffrey Epstein geflogen sein – jenem Flugzeug, das in den Medien den bezeichnenden Spitznamen „Lolita Express" erhielt. Über einen Sprecher ließ Clinton verlauten, sämtliche Reisen in den Jahren 2002 und 2003 seien dienstlicher Natur gewesen, im Auftrag der Clinton Foundation. Die Insel Epsteins habe er nie betreten.
Doch der Ausschussvorsitzende James Comer hielt dagegen: Epstein habe unter Clintons Präsidentschaft 17 Mal das Weiße Haus besucht. Siebzehn Mal. Man fragt sich unwillkürlich, welche Art von „begrenztem Kontakt" derart viele Besuche im mächtigsten Gebäude der Welt rechtfertigt.
Fotos, E-Mails und unbequeme Zeugenaussagen
Das US-Justizministerium hatte im Januar eine Fülle von Akten zu Epstein freigegeben. Darunter befanden sich E-Mails, interne Dokumente – und Fotografien. Einige dieser Bilder zeigen Clinton gemeinsam mit Epstein. Mindestens drei weitere Aufnahmen zeigen den Ex-Präsidenten in Gesellschaft nicht identifizierter Frauen. Wer diese Frauen sind und unter welchen Umständen die Fotos entstanden, bleibt bis heute ungeklärt.
Besonders brisant: Einem FBI-Dokument zufolge berichtete eine Person – deren Name geschwärzt wurde –, sie sei zu einer Orgie mit Clinton eingeladen worden, habe jedoch nicht teilgenommen. Darüber hinaus gab ein Epstein-Opfer an, den Sexualstraftäter über ein anderes Opfer kennengelernt zu haben, das gemeinsam mit Epstein und Clinton nach Afrika gereist sei. Das sind keine vagen Gerüchte aus den Untiefen des Internets, sondern Aussagen, die in offiziellen Ermittlungsakten dokumentiert sind.
Das Clinton-Ehepaar: Gemeinsam im Kreuzfeuer
Bereits am Vortag hatte sich Hillary Clinton, die frühere Außenministerin und gescheiterte Präsidentschaftskandidatin, stundenlang den Fragen des Ausschusses gestellt. Auch sie beteuerte, von Epsteins Machenschaften nichts gewusst und den Mann nie persönlich getroffen zu haben. Ihr Mann Bill musste sich einer ähnlich langen Befragung unterziehen – trat danach allerdings, anders als Hillary, nicht vor die Presse. Ein Schweigen, das lauter spricht als manches Wort.
Jeffrey Epstein hatte sich 2008 der Anwerbung einer Minderjährigen zur Prostitution schuldig bekannt. 2019 wurde er erneut angeklagt – diesmal wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Noch im selben Jahr starb er in seiner Gefängniszelle, offiziell durch Suizid. Die Umstände seines Todes werfen bis heute Fragen auf, die wohl nie vollständig beantwortet werden.
Ein System des Schweigens
Was der Epstein-Skandal offenbart, geht weit über die Person eines einzelnen Sexualstraftäters hinaus. Er legt die Verflechtungen einer globalen Elite bloß, die sich offenbar jahrzehntelang gegenseitig deckte. Dass ein verurteilter Straftäter ungehindert Zugang zum Weißen Haus erhielt, dass ein ehemaliger Präsident dutzende Male in dessen Privatjet stieg und dass all dies erst Jahre später durch parlamentarische Untersuchungen ans Licht kommt – das ist ein Armutszeugnis für die westlichen Demokratien und ihre Kontrollmechanismen.
Man darf gespannt sein, ob die Aufklärung unter der aktuellen Trump-Administration tatsächlich vorangetrieben wird oder ob auch dieser Skandal irgendwann im Sumpf politischer Taktik versickert. Die Opfer Epsteins verdienen Gerechtigkeit. Und die Öffentlichkeit verdient die Wahrheit – so unbequem sie für die Mächtigen dieser Welt auch sein mag.
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