
Epsteins Davos-Netzwerk: Wie ein Sexualstraftäter die globale Elite als Spielball nutzte
Es ist eine Geschichte, die man sich kaum ausdenken könnte – und die doch so bezeichnend ist für die moralische Verkommenheit gewisser Machtzirkel. Der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos offenbar jahrelang als seine persönliche Kontaktbörse missbraucht. Als selbsternannter „Davos Concierge" öffnete er Türen zu Milliardären, Regierungsvertretern und den mächtigsten Strippenziehern des Planeten. Die Grundlage dieser Enthüllungen bilden E-Mails aus Akten des US-Justizministeriums, die Bloomberg ausgewertet hat.
Der „Concierge" der Mächtigen
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein Mann, der wegen Sexualdelikten an Minderjährigen verurteilt wurde, bot seinen Freunden und Geschäftspartnern ganz ungeniert an, ihnen den Zugang zum exklusivsten Treffen der Weltwirtschaft zu verschaffen. Hotelzimmer in Davos? Kein Problem. Ein Dinner mit einem Milliardär? Wird arrangiert. Ein Gespräch mit einem Regierungsvertreter? Epstein regelt das. Und das Erschreckendste daran: Es funktionierte. Offenbar über Jahre hinweg, sowohl vor als auch nach seiner Verurteilung im Jahr 2008.
Wie häufig Epstein selbst tatsächlich am WEF teilnahm, sei unklar. Das Weltwirtschaftsforum selbst hüllte sich in vielsagendes Schweigen und lehnte eine Stellungnahme gegenüber Bloomberg ab. Eine Reaktion, die Bände spricht.
Prominente Namen, betretenes Schweigen
Die Liste der Persönlichkeiten, die in Epsteins Davos-Korrespondenz auftauchen, liest sich wie ein Who's Who der globalen Machtelite. Der heutige WEF-Präsident Borge Brende, einst norwegischer Außenminister, tauschte E-Mails mit dem Sexualstraftäter aus. Brende behauptete, er sei sich Epsteins krimineller Vergangenheit nicht bewusst gewesen, und bedauerte, keine gründlichere Prüfung vorgenommen zu haben. WEF-Gründer Klaus Schwab – jener Mann, der mit seinem „Great Reset" die Zukunft der Menschheit gestalten möchte – ließ über einen Sprecher mitteilen, er sei sicher, Epstein nie persönlich getroffen zu haben. Sicher. Nicht absolut sicher, wohlgemerkt. Nur sicher.
Darüber hinaus soll Epstein Kontakte zwischen dem emiratischen Unternehmer Sultan Ahmed bin Sulayem und dem früheren EU-Kommissar Peter Mandelson angebahnt haben. Der ehemalige US-Finanzminister Larry Summers war demnach an Treffen im Umfeld des Forums beteiligt. Auch der damalige JP-Morgan-Manager Jes Staley sowie der verstorbene britische Finanzminister Alistair Darling werden in den Dokumenten erwähnt.
Die Verbindung zu Bill Gates
Besonders brisant erscheint die Rolle des Immunologen Boris Nikolic, der Epstein bei der Auswahl möglicher Gesprächspartner in Davos unterstützt haben soll und später als Berater von Bill Gates fungierte. Ob Gates selbst an Treffen mit Epstein in Davos beteiligt war, bleibe laut Bloomberg unklar. Gates hat inzwischen erklärt, er bereue den Kontakt zu Epstein. Eine Reue, die reichlich spät kommt – und die Frage aufwirft, wie viele weitere prominente Figuren noch in den Akten schlummern.
Ein System der Vertuschung
Jeffrey Epstein wurde im Juli 2019 erneut wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt und starb kurz darauf in einem New Yorker Gefängnis. Sein Tod wurde offiziell als Suizid eingestuft – eine Darstellung, an der bis heute erhebliche Zweifel bestehen. Zu viele Ungereimtheiten, zu viele offene Fragen, zu viele mächtige Menschen, die ein Interesse daran gehabt haben dürften, dass Epstein niemals vor Gericht aussagt.
Anfang dieses Jahres leitete das Weltwirtschaftsforum eine sogenannte unabhängige Untersuchung zu möglichen Verbindungen zwischen Epstein und der Organisation ein. Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt – oder besser gesagt: was dabei nicht herauskommt. Denn wenn die Geschichte eines lehrt, dann dies: Die globale Elite versteht es meisterhaft, ihre schmutzige Wäsche unter Verschluss zu halten.
Der Fall Epstein ist weit mehr als eine Kriminalgeschichte. Er ist ein Spiegel jener Parallelgesellschaft der Superreichen und Supermächtigen, in der andere Regeln gelten als für den gewöhnlichen Bürger. Während normale Menschen für weit geringere Vergehen jahrelang hinter Gitter wandern, konnte ein verurteilter Sexualstraftäter ungehindert in den höchsten Kreisen der Weltpolitik und Weltwirtschaft verkehren. Wer angesichts solcher Enthüllungen noch an die Integrität internationaler Institutionen wie des WEF glaubt, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Die Fassade bröckelt – und was dahinter zum Vorschein kommt, sollte jeden aufrechten Bürger zutiefst beunruhigen.
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