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Kettner Edelmetalle
24.08.2026
11:40 Uhr
KI-generiert

Fake-Denkfabrik entlarvt: Wer Ihrem KI-Chatbot die Antworten diktiert

Fake-Denkfabrik entlarvt: Wer Ihrem KI-Chatbot die Antworten diktiert
Symbolbild: KI-generiert

Ein seriös wirkendes Forschungsinstitut, über 100 Studien in gut einer Woche – und dahinter offenbar eine staatlich bezahlte PR-Agentur. Das „Hanover Institute for Public Policy" sieht aus wie ein klassischer amerikanischer Thinktank, ist laut einer Untersuchung des US-Portals Responsible Statecraft vom 17. August aber ein Konstrukt, das im Auftrag der israelischen Regierungs-Werbeagentur entstanden sein soll. Ziel: die Antworten von KI-Chatbots.

Rot-weiß-blau, Fußnoten, Inhaltsverzeichnis – und keine Autoren

Die Fassade sitzt. Berichte mit Fußnoten, Quellenverzeichnissen, nüchternem Ton – nur Verfassernamen sucht man vergeblich. Erst ein kleiner Hinweis am Seitenende verrät dem Bericht zufolge, dass die Organisation von der Firma Piro, Inc. für die israelische Regierungs-Werbeagentur geschaffen wurde. Mitgegründet wurde Piro demnach von Daniel Rosenberg, Produzent von Spike Lees Film „Inside Man".

Eine Analystin des Desinformations-Trackers NewsGuard beschrieb das Ergebnis gegenüber Responsible Statecraft als perfekte Nachahmung eines glaubwürdigen US-Thinktanks – bis hin zum generischen Namen, dem Seitenlayout und den Farben Rot, Weiß und Blau.

Die Fragen sind kein Zufall

Die Titel der Berichte lesen sich wie Suchanfragen: „Was verursachte die Vertreibung der Palästinenser 1948?" oder „Wie ist die aktuelle Lage im Gazastreifen?" Genau so tippen Millionen Nutzer ihre Fragen in ChatGPT, Gemini oder Copilot.

Große Sprachmodelle bevorzugen konkrete Statistiken, Daten und starke Quellenangaben – exakt das liefern diese Texte, so die NewsGuard-Analystin. Piro selbst wirbt laut dem Bericht damit, Inhalte zu verfassen, die auf die Glaubwürdigkeitsprüfung von Sprachmodellen zugeschnitten seien. Die Firma nennt das „AI Story Optimization". In der Branche kursiert ein weniger schmeichelhafter Begriff: „LLM Poisoning".

900.000 Dollar – und eine Spur nach Paris

Piro soll für die Arbeit 900.000 Dollar von israelischer Seite erhalten haben, abgewickelt über den französischen PR-Konzern Havas Media. Seit dem 6. August seien über 100 Berichte erschienen. Eine Stichprobe von zwölf Texten mit der Erkennungssoftware GPTZero stufte elf davon mit „hoher Sicherheit" als KI-geschrieben ein.

Rosenberg erklärte gegenüber Politico, die Arbeit seiner Firma bestehe darin, belegte Fakten in den öffentlichen Raum zu bringen und Falschinformationen über Israel entgegenzutreten. Auf LinkedIn habe er allerdings offensiv beworben, was Piro könne:

„Wenn jemand ChatGPT, Gemini oder Perplexity nach Ihrer Kategorie fragt, kommt eine Antwort in einem selbstbewussten Absatz zurück. Die meisten Marken haben keine Ahnung, wie dieser Absatz zustande kommt. Also haben wir Monate damit verbracht, ihn zurückzuentwickeln..."

Warum das jeden hier betrifft

Israel ist nicht allein: Auch der frühere Trump-Wahlkampfmanager Brad Parscale soll im Rahmen eines Vertrags über 46,5 Millionen Dollar Webseiten aufgebaut haben, die auf Chatbots zugeschnitten sind. Eine Recherche von Drop Site kam dem Bericht zufolge zu dem Schluss, dass mehrere Chatbots diese Inhalte übernommen hätten – teils ohne Kennzeichnung.

Aus Sicht unserer Redaktion ist das der eigentliche Skandal. Nicht die Frage, wer hier wirbt – sondern wie billig sich die neue Autoritätsinstanz der westlichen Öffentlichkeit füttern lässt. Wer Regierungen, Behörden oder Algorithmen blind vertraut, gibt sein Urteilsvermögen ab. Prüfen, gegenlesen, misstrauisch bleiben: Das gilt für Politik genauso wie für Geld.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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