
Fed in der Zerreißprobe: Zinssenkungen auf Eis – und Erhöhungen plötzlich wieder denkbar
Was sich hinter den verschlossenen Türen der mächtigsten Notenbank der Welt abspielt, liest sich derzeit wie ein Thriller mit offenem Ausgang. Die am Mittwoch veröffentlichten Protokolle der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) vom 27. und 28. Januar 2026 offenbaren eine tief gespaltene Federal Reserve, deren Mitglieder sich nicht einmal mehr auf die grundsätzliche Richtung der Geldpolitik einigen können. Willkommen in einer Welt, in der selbst die Hüter des Dollars nicht mehr wissen, wohin die Reise geht.
Pause statt Kurs: Die Fed tritt auf die Bremse
Die Entscheidung, den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent unverändert zu belassen, fand zwar breite Zustimmung. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Während einige Teilnehmer weitere Zinssenkungen für angemessen hielten – vorausgesetzt, die Inflation entwickle sich wie erwartet –, forderten andere, den Leitzins auf unbestimmte Zeit einzufrieren. Und dann gab es da noch jene Stimmen, die das bislang Undenkbare ins Spiel brachten: Zinserhöhungen.
Ja, Sie haben richtig gelesen. Nachdem die Fed zwischen September und Dezember 2025 den Leitzins in drei aufeinanderfolgenden Schritten um insgesamt 0,75 Prozentpunkte gesenkt hatte, stehen nun plötzlich wieder Erhöhungen zur Debatte. Einige Mitglieder drängten sogar darauf, die offizielle Erklärung nach der Sitzung so umzuformulieren, dass sie eine „zweiseitige Beschreibung" künftiger Zinsentscheidungen widerspiegle – also sowohl Senkungen als auch Erhöhungen als mögliche Optionen offenhalte.
Inflation gegen Arbeitsmarkt: Ein Kampf ohne klaren Sieger
Der Kern des Konflikts ist so alt wie die Geldpolitik selbst, und doch selten war er so brisant wie heute. Auf der einen Seite steht die hartnäckige Inflation, die sich beim wichtigsten Fed-Indikator – dem PCE-Preisindex – bei rund drei Prozent festgebissen hat. Auf der anderen Seite ein Arbeitsmarkt, der zunehmend Risse zeigt. Die Schaffung neuer Stellen im privaten Sektor verlangsamt sich spürbar, und das ohnehin magere Wachstum konzentriert sich fast ausschließlich auf den Gesundheitssektor. Dass die Arbeitslosenquote im Januar auf 4,3 Prozent sank, ist bestenfalls ein Trostpflaster.
Die „große Mehrheit" der Teilnehmer – eine Formulierung, die in Fed-Protokollen selten vorkommt und daher besondere Aufmerksamkeit verdient – warnte davor, dass der Fortschritt in Richtung des Zwei-Prozent-Inflationsziels langsamer und ungleichmäßiger ausfallen könnte als allgemein erwartet. Das Risiko einer dauerhaft über dem Zielwert liegenden Inflation sei „bedeutsam".
Zölle als Preistreiber – ein politisches Erbe mit Folgen
Besonders bemerkenswert ist der Hinweis der Fed-Mitglieder auf die Auswirkungen der Zollpolitik auf das Preisniveau. Die unter Präsident Trump eingeführten massiven Zollerhöhungen – 20 Prozent auf EU-Importe, 34 Prozent auf chinesische Waren – schlagen sich unweigerlich in den Verbraucherpreisen nieder. Zwar erwarteten die Teilnehmer, dass dieser Effekt im Jahresverlauf nachlassen werde, doch wer an solche optimistischen Prognosen glaubt, der glaubt vermutlich auch, dass Politiker ihre Wahlversprechen halten.
Machtkampf an der Spitze: Warsh als neuer Fed-Chef?
Als wäre die ideologische Spaltung nicht schon tief genug, droht sie sich mit dem bevorstehenden Führungswechsel noch weiter zu vertiefen. Die Amtszeit von Jerome Powell endet im Mai 2026, und als sein wahrscheinlicher Nachfolger gilt der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh. Dieser hat sich öffentlich für niedrigere Zinsen ausgesprochen – eine Position, die auch von den aktuellen Gouverneuren Stephen Miran und Christopher Waller geteilt wird. Beide stimmten bei der Januar-Sitzung gegen die Entscheidung und plädierten stattdessen für eine weitere Zinssenkung um einen Viertelpunkt.
Dem gegenüber stehen die Regionalpräsidentinnen Lorie Logan aus Dallas und Beth Hammack aus Cleveland, die sich öffentlich für ein unbefristetes Stillhalten ausgesprochen haben. Beide sehen die Inflation als anhaltende Bedrohung und fordern, dass sie im Mittelpunkt der Geldpolitik stehen müsse. Von den 19 Gouverneuren und Regionalpräsidenten, die an den Sitzungen teilnehmen, haben nur zwölf Stimmrecht – ein Umstand, der die Machtverhältnisse bei jeder Rotation neu durcheinanderwürfeln kann.
Was bedeutet das für Anleger und Sparer?
Die Terminmärkte preisen derzeit die nächste Zinssenkung für Juni ein, eine weitere könnte im September oder Oktober folgen. Doch angesichts der beispiellosen Uneinigkeit innerhalb der Fed gleicht jede Prognose einem Blick in die Kristallkugel. Immerhin: Der jüngste Verbraucherpreisindex ohne Nahrungsmittel und Energie erreichte den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren – ein Lichtblick, der allerdings von der Gesamtinflation überschattet wird.
Für den deutschen Beobachter ist dieses Schauspiel jenseits des Atlantiks von unmittelbarer Relevanz. Die Zinspolitik der Fed beeinflusst nicht nur den Dollar-Kurs und damit die Exportchancen der deutschen Wirtschaft, sondern auch die globalen Kapitalströme. In Zeiten, in denen auch die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Schuldenspirale weiter antreibt und die Inflation hierzulande keineswegs gebändigt ist, sollte sich jeder Bürger fragen, wie er sein Erspartes schützen kann.
Gerade in solchen Phasen geldpolitischer Unsicherheit – wenn Notenbanker selbst nicht wissen, ob sie senken, halten oder erhöhen sollen – erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber als das, was sie seit Jahrtausenden sind: ein verlässlicher Anker in stürmischen Zeiten. Während Papierwährungen von den Launen der Geldpolitik abhängen, behält das Edelmetall seinen inneren Wert. Eine Beimischung physischer Edelmetalle in ein breit gestreutes Portfolio erscheint angesichts der aktuellen Lage nicht nur sinnvoll, sondern geradezu geboten.
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