
Fraktionsausschluss bei der AfD: Jan Wenzel Schmidt muss gehen
Die AfD-Bundestagsfraktion hat am Dienstag einen schmerzhaften, aber wohl unvermeidlichen Schnitt vollzogen. Mit großer Mehrheit stimmten die Abgeordneten für den Ausschluss ihres Kollegen Jan Wenzel Schmidt aus der Fraktion. Was auf den ersten Blick wie ein innerparteilicher Machtkampf wirkt, offenbart bei genauerem Hinsehen ein tieferliegendes Problem – eines, das die Partei seit Jahren begleitet und das sie nur durch konsequentes Handeln in den Griff bekommen kann.
Ein Interview als Auslöser – doch die Wurzeln reichen tiefer
Der unmittelbare Anlass für den Rauswurf war ein über einstündiges Interview, das Schmidt dem Online-Magazin Nius in seinem Bundestagsbüro gegeben hatte. Darin äußerte er sich kritisch zu sogenannten Überkreuz-Anstellungen von Familienmitgliedern bei AfD-Abgeordneten und verwendete dabei den brisanten Begriff der „Beutegemeinschaft". Ein Wort, das sitzt. Und eines, das die Fraktionsführung um Alice Weidel und Tino Chrupalla offenkundig nicht hinnehmen wollte.
In einem Schreiben der Rechtsabteilung der Fraktion an Schmidt, das der Jungen Freiheit vorliegen soll, werde die Veröffentlichung und Verbreitung vertraulicher interner Informationen als Verstoß gegen die Geheimhaltungspflicht gewertet. Das Interview sei „mindestens rufschädigend" gewesen. Man muss kein Jurist sein, um zu verstehen: Wer aus dem Nähkästchen plaudert, muss mit Konsequenzen rechnen.
Schmidts Verteidigung verhallte ungehört
Der Abgeordnete aus Sachsen-Anhalt versuchte sich mit einer umfangreichen persönlichen Erklärung zu wehren. Er beklagte, dass ihm nicht einmal die konkreten Aussagen vorgelegt worden seien, die als fraktionsschädigend eingestuft wurden. Das Interview habe ausschließlich der Einordnung der gegen ihn selbst erhobenen Vorwürfe gedient. Bemerkenswert ist sein Argument, er habe bewusst nicht mit den „etablierten Leitmedien" wie ARD, ZDF oder Spiegel gesprochen, sondern ein alternatives Format gewählt – als ob das den Vertrauensbruch weniger schwer wiegen ließe.
Schmidt bot sogar an, künftig keine Interviews zu fraktionsinternen Vorgängen mehr zu führen und seine Mitgliedschaft bis zur Sommerpause ruhen zu lassen. Ein Kompromissangebot, das die Fraktion schlicht ignorierte. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer die Wagenburg von innen beschießt, fliegt raus.
Ein schwelender Konflikt in Sachsen-Anhalt
Der Fraktionsausschluss ist dabei nur die Spitze eines Eisbergs, der bereits seit Monaten durch die sachsen-anhaltinische AfD treibt. Schon Ende Dezember war ein lange schwelender Konflikt zwischen dem geschassten Generalsekretär Schmidt und Teilen des dortigen Landesvorstands eskaliert. Schmidt, gegen den selbst Vorwürfe der Vetternwirtschaft im Raum stehen, hatte seinerseits angekündigt, Belege vorzulegen, wonach AfD-Landtagsabgeordnete Ehefrauen, Kinder oder Geschwister von Landesvorstandsmitgliedern beschäftigten. Der Landesvorstand leitete daraufhin ein Parteiausschlussverfahren ein, dem sich mittlerweile auch der Bundesvorstand angeschlossen hat.
Die AfD zwischen Selbstreinigung und Substanzverlust
Mit dem Ausschluss Schmidts zählt die AfD-Bundestagsfraktion nur noch 149 von ursprünglich 151 gewählten Abgeordneten. Bereits im Mai 2025 war der Abgeordnete Sieghard Knodel ausgetreten, nachdem der Bundesverfassungsschutz die Partei als „gesichert rechtsextremistisch" eingestuft hatte – eine Einstufung, gegen die sich die AfD in einem Eilverfahren erfolgreich zur Wehr setzte.
Man mag den Vorgang unterschiedlich bewerten. Kritiker werden sagen, die AfD verliere in jeder Legislaturperiode Abgeordnete in einem Ausmaß, das bei anderen Parteien undenkbar wäre. Befürworter hingegen werden argumentieren, dass genau diese Konsequenz notwendig sei, um die Partei von innen heraus zu stärken und jene auszusortieren, die dem gemeinsamen Projekt mehr schaden als nützen.
Eines steht fest: Eine Partei, die als einzige echte Oppositionskraft im Bundestag agiert und Millionen von Bürgern vertritt, die sich von der etablierten Politik im Stich gelassen fühlen, kann sich interne Grabenkämpfe schlicht nicht leisten. Die Vetternwirtschafts-Vorwürfe – egal gegen wen sie sich richten – müssen restlos aufgeklärt werden. Denn nichts untergräbt das Vertrauen der Wähler schneller als der Eindruck, dass auch die vermeintliche Alternative am Ende nur dasselbe Spiel spielt wie alle anderen. Die AfD steht vor der Herausforderung, ihre internen Strukturen so sauber zu halten, wie sie es von den anderen Parteien stets einfordert. Alles andere wäre Heuchelei – und die Wähler haben ein feines Gespür dafür.
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