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28.08.2026
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Frankreich kapituliert: Defizitziel für 2027 stillschweigend beerdigt

Frankreich kapituliert: Defizitziel für 2027 stillschweigend beerdigt
Symbolbild: KI-generiert

Paris rudert zurück. Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Roland Lescure erklärte am Donnerstag vor Spitzenvertretern der Wirtschaft, Ziel für den Haushalt 2027 sei ein „stabiles Staatsdefizit" – von der ursprünglich angepeilten Absenkung ist keine Rede mehr. Der Auftritt fand beim Sommertreffen des Arbeitgeberverbands Medef statt.

Ursprünglich wollte die Regierung das Defizit im kommenden Jahr unter fünf Prozent der Wirtschaftsleistung drücken, kolportiert wurde eine Marke von 4,9 Prozent. Diese Zahl ist nun offenbar Makulatur.

Wenn „Stabilität" nur ein anderes Wort für Stillstand ist

Lescure versprach den Unternehmern Stabilität: keine Steuererhöhungen, dafür ein engerer Gürtel für die Verwaltung. Zugleich bestätigte er, dass eine teilweise Einfrierung der Renten geprüft werde – ein politisch hochexplosives Vorhaben im Land der Streiktradition.

Übersetzt heißt „stabiles Defizit" schlicht: Frankreich macht 2027 ungefähr genauso viele neue Schulden wie 2026. Die selbst gesetzte Verpflichtung, bis 2029 unter die europäische Drei-Prozent-Marke zurückzukehren, rückt damit in weite Ferne.

3.536 Milliarden Euro – und die Uhr tickt weiter

Die Dimensionen sind gewaltig. Nach Angaben des Statistikamts Insee lag die französische Staatsverschuldung zum Ende des ersten Quartals 2026 bei rund 3.536 Milliarden Euro oder 117,5 Prozent der Wirtschaftsleistung – ein Rekord. Allein in drei Monaten kamen demnach über 75 Milliarden Euro hinzu.

Zum Vergleich: Beim Amtsantritt von Emmanuel Macron im Frühjahr 2017 waren es rund 2.232 Milliarden Euro und 99,2 Prozent. Damit gehört Frankreich Berichten zufolge inzwischen zu den am höchsten verschuldeten Staaten der EU – hinter Griechenland und Italien, die ihre Kurven immerhin abflachen konnten.

Der Preis dafür steht in den Zinszeilen des Haushalts. Die Zinslast des Staates soll Berechnungen zufolge 2026 bei rund 64 Milliarden Euro liegen und könnte bei anhaltend hohen Zinsen mittelfristig die Hundert-Milliarden-Schwelle erreichen.

Wahlkampf schlägt Sparkurs

Der politische Kalender macht alles noch schwieriger. Frankreich wählt im kommenden Frühjahr einen neuen Präsidenten, die Regierung von Premierminister Sébastien Lecornu verfügt über keine eigene Mehrheit. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon hat bereits angekündigt, seine Partei bereite ein Misstrauensvotum über den Haushalt vor.

Lecornu wiederum warb dafür, das Budget noch vor der Wahl zu verabschieden, und stellte für Anfang Oktober größere Sparmaßnahmen in Aussicht. Die staatliche Finanzinspektion warnte Medienberichten zufolge, ein Scheitern vor der Wahl könne das Defizit zusätzlich um mindestens einen halben Prozentpunkt aufblähen.

Warum das auch deutsche Sparer angeht

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone verschleppt ihre Konsolidierung – und der Rest der Währungsunion haftet indirekt mit. Investoren haben französische Staatsanleihen über den Sommer bereits neu bepreist. Ein dauerhaft schuldenfinanzierter Staat ist kein französisches Problem, sondern ein Euro-Problem.

Deutschland hat wenig Anlass zur Schadenfreude: Auch hier wurden mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen neue Schuldenschleusen geöffnet. Wer Vermögen über Jahrzehnte sichern will, kommt aus Sicht unserer Redaktion an der Frage nicht vorbei, wie viel Kaufkraft Papierversprechen in einem solchen Umfeld noch tragen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio ein sinnvoller Gegenpol sein.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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