
FĂĽnf Sekunden Stille: MDR inszeniert Protest gegen AfD-Wahlsieg

Es war ein ungewöhnlicher Moment im Morgenprogramm: Am Montag sendete MDR Sachsen-Anhalt nach den Nachrichten fünf Sekunden lang schlicht – nichts. Kein Jingle, keine Musik, keine Stimme. Der öffentlich-rechtliche Sender will damit vor den Folgen einer möglichen AfD-Regierung im Land warnen.
„Wie Sie hören, hören Sie nichts“
Nach der Sendepause meldete sich die Nachrichtensprecherin mit einem Satz zurĂĽck, der als Weckruf gedacht war:
„Wie Sie hören, hören Sie nichts. Keinen MDR mehr in Sachsen-Anhalt? Und damit auch kein MDR Sachsen-Anhalt, mein Radio, mein Zuhause? Das könnte passieren“
Parallel ersetzte der Sender auf seinem Instagram-Kanal einzelne Bilder in Regionalbeiträgen durch schwarze Kacheln. Auf der Unternehmensseite erklärt der MDR die Aktion ausführlich – viele Menschen hätten die entsprechende Wahlkampfankündigung der AfD gar nicht mitbekommen, das hätten Zuschriften an den Sender gezeigt.
Worum es juristisch wirklich geht
Der Hintergrund: Die AfD hat angekündigt, den MDR-Staatsvertrag zu kündigen, sollte sie in Sachsen-Anhalt die Regierung stellen. Der Mitteldeutsche Rundfunk ist für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig – jedes dieser Länder kann den Vertrag zum Jahresende mit zwei Jahren Frist aufkündigen. Zugleich müsste ein neues Modell für einen öffentlichen Rundfunk vorgelegt werden.
Ein sofortiges Sendeende wäre das also nicht. Selbst bei einer Kündigung noch in diesem Jahr würde der Sender erst zum 1. Januar 2029 verschwinden. Der MDR betont zudem, die Bürger müssten weiterhin 18,36 Euro Rundfunkbeitrag pro Monat zahlen – dieser Betrag wurde vom Bundesverfassungsgericht vorläufig in Kraft gesetzt, nachdem sich die Länder 2021 nicht auf eine neue Höhe hatten einigen können. Erst eine zusätzliche Kündigung des Rundfunkbeitragsstaatsvertrags würde daran etwas ändern.
Wenn der GebĂĽhrenzahler zum Adressaten der Kampagne wird
Als Verlustliste führt der Sender unter anderem beliebte Formate wie den MDR Musiksommer oder „Unser Dorf hat Wochenende“ an. Leidtragende wären laut MDR die vielen Menschen, die das Angebot gern nutzten.
Aus Sicht unserer Redaktion drängt sich dennoch eine unbequeme Frage auf: Darf eine beitragsfinanzierte Anstalt ihr eigenes Programm nutzen, um im laufenden Wahlkampf vor einer bestimmten Partei zu warnen? Kritiker sehen darin genau jene Vermischung von Information und politischer Kampagne, die das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk seit Jahren erodieren lässt. Befürworter halten dagegen, der Sender informiere lediglich über konkrete Folgen eines angekündigten Regierungshandelns.
Am 6. September wird abgerechnet
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. In Sachsen-Anhalt wird am 6. September 2026 ein neuer Landtag gewählt. In Umfragen liegt die AfD Erhebungen zufolge bei rund 42 Prozent, die regierende CDU bei etwa 23 Prozent – 2021 war die AfD noch auf 20,8 Prozent gekommen.
Die Reaktionen in den Kommentarspalten fielen erwartbar aus: Viele Leser fordern die Abschaffung des Beitrags, andere feiern die Aktion. Ob fünf Sekunden Stille am Ende Wähler überzeugen oder eher mobilisieren, was sie verhindern sollen – darüber entscheidet nicht der Sender, sondern die Wahlurne.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

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