
Gasspeicher auf Rekordtief: Droht Deutschland ein kaltes Erwachen?

Die deutschen Gasspeicher sind so leer wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Während die Bundesregierung beschwichtigt und von stabiler Versorgungssicherheit spricht, warnen Experten vor drastischen Konsequenzen. Ein neuer Plan soll die drohende Krise abwenden – doch reicht das aus?
Die nackte Wahrheit: Historisches Tief bei den Gasreserven
Die Zahlen der Bundesnetzagentur sprechen eine unmissverständliche Sprache. Ende Januar waren die deutschen Gasspeicher nur noch zu mageren 34,41 Prozent gefüllt. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des Vorjahres lag der Füllstand noch bei 57,4 Prozent. Ein Unterschied von über 20 Prozentpunkten, der aufhorchen lässt. Bedenkt man, dass rund 56 Prozent aller deutschen Wohnungen mit Gas beheizt werden, wird die Brisanz dieser Entwicklung schlagartig deutlich.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU gibt sich dennoch gelassen.
„Wir monitoren die Lage täglich – Sorgen sind nicht angebracht", ließ sie während ihrer Reise nach Saudi-Arabien verlauten. Eine Aussage, die angesichts der Faktenlage fast schon zynisch anmutet. Denn während die Ministerin in der Wüste weilt, frieren die Deutschen bei eisigen Temperaturen und blicken besorgt auf ihre Heizkostenabrechnung.
Das Damoklesschwert der Abhängigkeit
Die Bundesregierung verweist gebetsmühlenartig auf die Versorgung über LNG-Terminals als Alternative zu Pipeline-Gas. Was dabei gerne verschwiegen wird: Rund 95 Prozent des Flüssigerdgases stammen aus den Vereinigten Staaten. Eine gefährliche Abhängigkeit von einem Präsidenten Donald Trump, der sich in der Grönland-Krise und im Zollstreit als alles andere als verlässlicher Partner erwiesen hat.
Die Initiative Energien Speichern e.V. warnt eindringlich: Sollten die Temperaturen plötzlich sinken, könnte es bei der Gasversorgung zu erheblichen Problemen kommen. Eine sogenannte „Unterdeckung" würde zwar nicht sofort bedeuten, dass überhaupt kein Gas mehr verfügbar wäre. Doch heftige Preissteigerungen wären die unmittelbare Folge – erste Anzeichen dafür seien bereits jetzt zu beobachten.
Staatliche Gasreserven: Die späte Einsicht
Fachleute fordern nun die Schaffung staatlicher Gasvorräte für Krisenfälle. Im Wirtschaftsministerium sollen entsprechende Überlegungen bereits kursieren. Doch typisch für die deutsche Bürokratie: Man wolle erst auf die Ergebnisse einer Expertenkommission warten, bevor konkrete Maßnahmen ergriffen werden. Während andere europäische Länder längst effiziente Marktregeln definiert haben, die Händlern Anreize bieten, Gas für Extremsituationen vorzuhalten, verharrt Deutschland in der Warteschleife.
Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft, bringt das Dilemma auf den Punkt:
„Der Staat gibt in seiner Verantwortung für Versorgungssicherheit Füllstandsvorgaben vor, wälzt das wirtschaftliche Risiko aber auf die Speicherbetreiber ab."Für Gashändler sei der Vorhalt von Gas, das nur in Ausnahmefällen benötigt werde, schlicht kein sinnvolles Geschäftsmodell. Die Konsequenz: Stilllegungen von Speichern drohen, der Versicherungsschutz schwindet.
Die Herausforderung für den kommenden Sommer
Die Probleme werden sich nicht von selbst lösen. Bereits im vergangenen Jahr mussten 125 Terawattstunden Gas für den Winter eingelagert werden. Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, müssten im kommenden Sommer fast 50 Prozent mehr Gas eingespeichert werden als im Vorjahr. Eine gewaltige logistische und finanzielle Herausforderung, für die der Staat dringend ein klares Konzept vorlegen müsste.
Die Energiepolitik der vergangenen Jahre rächt sich nun bitter. Der überhastete Ausstieg aus bewährten Energieträgern, die ideologisch getriebene Energiewende und die naive Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten haben Deutschland in eine prekäre Lage manövriert. Während die Bürger mit steigenden Heizkosten kämpfen, scheint die Politik noch immer nicht begriffen zu haben, dass Versorgungssicherheit keine Selbstverständlichkeit ist – sondern das Ergebnis vorausschauender Planung und pragmatischer Entscheidungen.












