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26.10.2026
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Geheimer Kanal zum Kreml: Hat Kiew 2023 den Frieden verspielt?

Geheimer Kanal zum Kreml: Hat Kiew 2023 den Frieden verspielt?
Symbolbild: KI-generiert

Lag ein Ende des Ukraine-Kriegs schon Anfang 2023 auf dem Tisch? Laut einem Bericht der Financial Times soll Wladimir Putin damals bereit gewesen sein, seine Truppen weitgehend auf die Linie vom 24. Februar 2022 zurückzuziehen. Präsident Wolodymyr Selenskyj habe abgelehnt – und Washington habe ihn gewähren lassen.

Bestätigt ist das nicht. Trotzdem hat der Bericht Gewicht, denn die Verhandlungen laufen gerade. Und eine Frage lässt sich jetzt kaum noch wegschieben: Wie viele Menschenleben hätte ein anderer Kurs gerettet?

„Die Plattform“: Diplomatie abseits der Ministerien

Laut FT steckte hinter dem Vorstoß eine private Initiative, die intern „die Plattform“ hieß. Dazu gehörten der US-Anwalt Richard Conn und der Investmentbanker Bob Foresman. Beide sollen Russland gut kennen und Kontakte ins Weiße Haus gehabt haben.

Zum Kreml habe Matthias Warnig den Kontakt gehalten, der frühere Chef der Nord Stream 2 AG und ein langjähriger Bekannter Putins. Den Draht nach Kiew habe der Filmproduzent Alexander Rodnjanski gehalten. Conn wiederum habe mit Eric Green gesprochen, dem Russland-Zuständigen im Nationalen Sicherheitsrat der USA.

Was im Entwurf gestanden haben soll

  • Russland zieht aus dem größten Teil der vier 2022 „annektierten“ Regionen ab.
  • Moskau behält die Krim und den Teil des Donbass, den es schon vor der Invasion kontrollierte.
  • Kiew verzichtet auf die Nato, ein EU-Beitritt bleibt möglich.
  • Russland bekommt einen Landkorridor zur Krim, Nato-Staaten sichern den Waffenstillstand ab.

Am 1. Februar 2023 soll Warnig der Gruppe berichtet haben, Putin habe das Papier Zeile für Zeile durchgearbeitet und der Frontlinie zugestimmt. Er zitierte den Kremlchef so:

„Wenn wir uns über die Grenze und über die Nato einigen können, dann können wir über alles andere reden.“

Kiew im Siegesrausch, Washington winkt ab

Nach den Erfolgen bei Charkiw und Cherson fühlte sich Kiew offenbar stark. Laut FT konnte Rodnjanski Selenskyj und dessen damaligen Büroleiter Andrij Jermak nur mit Mühe dazu bringen, sich die Dokumente auf seinem Handy überhaupt anzusehen. Er habe den Eindruck gehabt, die beiden rechneten damit, dass Russlands Armee plötzlich zerfällt, wie Saurons Heer am Ende des „Herrn der Ringe“.

Danach kam die Absage aus Washington. Laut Putins Schilderung habe der damalige US-Sicherheitsberater Jake Sullivan dem Kreml-Berater Juri Uschakow ausgerichtet, die USA unterstützten diesen Kanal nicht. Damit war die Initiative tot. Im Sommer 2023 scheiterte die ukrainische Gegenoffensive, und Moskau stellte wieder höhere Forderungen.

Gontscharenko legt nach – mit Abramowitsch

Der ukrainische Abgeordnete Oleksij Gontscharenko hat den Plan auf X bestätigt. Er schrieb: „Die Schlüsselfigur war Abramowitsch.“ Unabhängig belegt ist das nicht, und die FT erwähnt den Oligarchen nicht.

Laut Gontscharenko wäre Moskau sogar bereit gewesen, das Atomkraftwerk Saporischschja und Melitopol aufzugeben. Mit rund 300 Milliarden an eingefrorenen russischen Geldern hätte man die ganze Ukraine wiederaufbauen sollen. Die Krim hätte Kiew nicht als russisch anerkennen müssen. Es hätte nur festhalten sollen, dass sie derzeit unter russischer Kontrolle steht.

Viele Zweifel, eine unbequeme Frage

Man muss vorsichtig sein. Ehemalige US-Beamte bezweifeln laut FT, dass Putin damals ernsthaft verhandeln wollte. Seine Haltung kennt man nur aus Warnigs Schilderung, und das vollständige Dokument wurde nie veröffentlicht. Öffentlich hielt Kiew an der „Friedensformel“ fest: Alle russischen Truppen sollten abziehen.

Trotzdem wiegt der Verdacht schwer. Deutsche Steuerzahler haben diesen Krieg mit Milliarden mitfinanziert. Aus Sicht unserer Redaktion haben sie ein Recht zu erfahren, ob Berlin und Washington eine mögliche Chance auf Frieden verstreichen ließen. Bestätigt sich der Bericht, wäre das ein schweres Versäumnis. Die Leidtragenden wären vor allem die Ukrainer.

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