
Gold rutscht vom Dreimonatshoch – doch der August bleibt fulminant

Der Goldpreis hat am Mittwoch einen Teil seiner jüngsten Gewinne abgegeben. Auslöser war ein heißer als erwartet ausgefallener US-Inflationswert. Am Freitag folgt der nächste Nervenkitzel: Der neue Fed-Chef Kevin Warsh spricht erstmals in Jackson Hole.
Gold für Dezemberlieferung an der Comex fiel im späten New Yorker Vormittagshandel um rund 1 Prozent auf 4.649,10 Dollar je Unze – nach einem Übernachthoch von 4.730,90 Dollar. Der Spotpreis gab 1,4 Prozent auf 4.592,53 Dollar nach. Trotzdem steht im August ein Plus von rund 14 Prozent zu Buche.
Die Inflation will einfach nicht weichen
Der Grund für den Rücksetzer: Die von der Fed bevorzugte Preiskennziffer PCE legte im Juli um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – ein Zehntel über den Erwartungen. Die Kernrate verharrte bei 3,3 Prozent. Der Konsum wuchs kaum, weil die Amerikaner bei Waren sparten.
Eine hartnäckige Teuerung bei gleichzeitig erlahmender Nachfrage – das ist genau jene Mischung, die Notenbanker fürchten. Höhere Zinsen belasten kurzfristig zinsloses Edelmetall. Doch wer glaubt, dass eine Inflation von fast vier Prozent ein Argument gegen Sachwerte ist, verwechselt Ursache und Wirkung.
Warsh unter Zugzwang
Am Freitag hält Warsh, seit Mai im Amt, seine erste große Rede als Fed-Vorsitzender beim Symposium in Jackson Hole. Berichten zufolge liegt der Leitzins weiter in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent; die letzte Senkung datiert demnach vom Dezember 2025. Kritiker werfen dem neuen Chef vor, er habe seine Sicht auf die Wirtschaft bislang nicht klar genug offengelegt.
Der eigentliche Treiber der dreiwöchigen Rally sitzt allerdings woanders: im US-Finanzministerium. Dessen überraschender Eingriff in den Anleihemarkt – Medienberichten zufolge eine Verdopplung der Rückkäufe langlaufender Papiere – hat den sogenannten Debasement-Trade wiederbelebt. Also den Kauf harter Vermögenswerte als Schutz vor ausufernden Defiziten und einem schwächelnden Dollar.
Silber glänzt, Minenaktien explodieren
Silber verlor an der Comex 1,1 Prozent auf 67,96 Dollar, der Spotpreis 0,8 Prozent auf 68,03 Dollar. Im Monatsvergleich steht ein Plus von 18 Prozent – das Jahresminus schrumpft damit auf unter 5 Prozent. Gold liegt 2026 rund 6 Prozent im Plus.
Auch institutionelles Geld kehrt zurück: Goldgedeckte ETFs sammelten in der Vorwoche über 28 Tonnen ein, so viel wie zuletzt im Januar. Die Minenwerte legten einen Monat für die Geschichtsbücher hin:
- Eldorado Gold: +55 Prozent seit Ende Juli
- Equinox: +53 Prozent, AngloGold: +49 Prozent
- Agnico Eagle, Hecla, Gold Fields: je rund +47 Prozent
- Newmont: +41 Prozent
Am Mittwoch gaben diese Titel im Gleichschritt mit den Metallen nach. Analysten von TD Securities bremsen die Euphorie:
„Wir warnen, dass diese Rally für einen erneuten Anlauf auf die Rekordhochs zu früh kommen könnte."
Was Anleger daraus lernen können
Ein Prozent Rücksetzer nach 14 Prozent Monatsplus – das ist Marktrauschen, kein Trendbruch. Bemerkenswert bleibt: Notenbanken kauften laut World Gold Council im zweiten Quartal 288,9 Tonnen Gold, ein Plus von 62 Prozent zum Vorjahr und der stärkste je gemessene zweite Quartalswert. Sie kauften ausgerechnet in eine fallende Notierung hinein.
Wenn Staaten ihre Schuldenberge notfalls mit Rückkaufprogrammen stützen müssen, sagt das mehr über die Verfassung der Papierwährungen aus als jede Rede in Wyoming. Physische Edelmetalle bleiben aus Sicht unserer Redaktion eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Anleger ist selbst verpflichtet, sich eigenständig zu informieren, und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.

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