
Gold trotzt dem Zins-Schock: Deutsche Bank sieht Kupfer als Joker!

Renditen über fünf Prozent, Öl über 100 Dollar, ein Krieg im Iran, und trotzdem hält Gold seine Stellung. Daniel Ghali, Leiter der Metallanalyse bei der Deutschen Bank, nennt die Lage am Goldmarkt in einem Interview mit BNN Bloomberg eine „wirklich großartige Zeit für Gold“. Beim Silber rechnet er dagegen mit einem Überangebot, und das größte Kurspotenzial sieht er ausgerechnet beim Kupfer.
Ein Fels in der Zinsbrandung
Nach dem Lehrbuch müsste Gold gerade schwer unter Druck stehen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt über fünf Prozent, laut Marktdaten zuletzt sogar bei rund 5,3 Prozent. Das ist ein Mehrjahrzehnthoch. Ein Metall, das keine Zinsen abwirft, sollte in so einem Umfeld eigentlich an Glanz verlieren.
Ghali sieht das anders. Der Rücksetzer sei „unglaublich begrenzt“ geblieben, ein neues Tief seit Juli habe Gold nicht markiert. Für ihn ist das eine bemerkenswert robuste Kursentwicklung. Ende September notierte die Unze laut Marktdaten bei knapp 4.170 Dollar.
„Echos von 2022“
Der Analyst zieht einen Vergleich mit 2022. Die Positionierung der Spekulanten sei so pessimistisch wie zuletzt im Oktober 2021. Den Unterschied zu damals machen aus seiner Sicht drei Faktoren aus:
- Die Käufe der Notenbanken laufen mehr als doppelt so schnell wie damals.
- Der Kreis institutioneller Goldinvestoren sei seit 2021 um etwa 70 Prozent gewachsen.
- Die Reserven, aus denen Notenbanken umschichten können, seien ebenfalls größer geworden.
Viele Investoren hielten sich trotzdem zurück. Ghali führt das darauf zurück, dass die schwache Entwicklung des Goldpreises während des Iran-Kriegs manche Marktteilnehmer schockiert habe. Gold sei überverkauft und unterinvestiert, und genau darin liege die Chance.
Der Anleihe-Crash treibt Profis ins Gold
Ghali beschreibt außerdem einen Zusammenhang, den der Markt aus seiner Sicht übersieht. Pensionsfonds, Stiftungen und Versicherer hätten ihre alternativen Anlagen in den vergangenen 20 Jahren massiv ausgebaut, aber vor allem in zinsabhängige Produkte. Der Bärenmarkt bei US-Staatsanleihen zwinge sie nun zu echter Streuung, und davon profitiere Gold.
Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die vermeintlich sicheren Staatspapiere zum Argument für Gold werden?
Silber: Vom Engpass zur Entspannung
Beim Silber ist der Analyst vorsichtiger. Nach einem Rekordlauf zu Jahresbeginn hat das Metall seit Ausbruch des Iran-Kriegs rund die Hälfte seines Werts verloren. Laut Ghali war der physische Markt im Vorjahr so knapp wie seit fast einem halben Jahrhundert nicht mehr. Damals hatten die texanischen Hunt-Brüder versucht, den Silbermarkt zu kontrollieren, bevor der Preis 1980 dramatisch einbrach.
Inzwischen seien die frei verfügbaren Bestände in London auf den höchsten Stand seit November 2024 gestiegen. Auch an der Comex und in Shanghai habe sich mehr Metall angesammelt. Hinzu komme ein Nachfragerückgang: Chinas Silberbedarf für Solaranlagen dürfte 2026 nach Einschätzung der Bank um ein Drittel sinken. Ghali erwartet deshalb, dass Silber gegenüber Gold schwächer abschneidet und weniger stark schwankt.
Nicht alle Häuser teilen diese Sicht. Morgan Stanley argumentiert Medienberichten zufolge, der Silberlauf auf 120 Dollar sei von mehr als bloßem Hype getragen gewesen. Für langfristig denkende Sparer könnte ein ruhigerer Markt zudem günstigere Einstiegsgelegenheiten bieten.
Kupfer: Die USA und China horten die Bestände
Am stärksten fallen Ghalis Erwartungen beim Kupfer aus. Er spricht von der knappsten Marktlage seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1980er-Jahren. Die USA und China hätten durch jahrelange Lagerhaltung zusammen rund 70 Prozent der weltweit oberirdischen Lagerbestände gebunden.
Laut weiteren Berichten erwartet die Deutsche Bank bis zum zweiten Quartal 2027 einen Anstieg um etwa 50 Prozent auf rund 22.050 Dollar je Tonne. Allein Chinas strategische Reserven sollen etwa 43 Prozent der globalen Bestände ausmachen.
Fazit: Rohstoffe als Machtfaktor
Washington und Peking betreiben inzwischen offen Rohstoffpolitik als Machtpolitik, und Europa schaut weitgehend zu. Für deutsche Sparer ist das ein weiteres Argument, sich nicht allein auf Papierwerte zu verlassen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio zur Vermögenssicherung beitragen, gerade wenn Anleihen ihren Ruf als sicherer Hafen verlieren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die wiedergegebenen Einschätzungen und Prognosen stammen von Dritten. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.

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