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Kettner Edelmetalle
19.02.2026
11:23 Uhr

Grönemeyer hetzt erneut gegen politisch Andersdenkende – und erntet dafür Applaus

Es ist ein Schauspiel, das sich mit ermüdender Regelmäßigkeit wiederholt: Herbert Grönemeyer, der in London lebende Multimillionär, nutzt seine Konzertbühne einmal mehr als politische Kanzel. Bei seinem jüngsten Auftritt in Dortmund entmenschlichte der 69-Jährige Millionen deutscher Bürger, indem er sie als „rechte Ratten" bezeichnete und forderte, man müsse „Schulter an Schulter zusammenstehen", bis diese „wieder in ihren Löchern verschwinden". Man reibt sich die Augen.

Entmenschlichung als „Haltung" verkauft

Wer politische Gegner als Ratten bezeichnet, bedient sich einer Rhetorik, die in der deutschen Geschichte einen äußerst finsteren Klang hat. Ausgerechnet jene, die sich als Verteidiger der Demokratie inszenieren, greifen zu einer Sprache der Dehumanisierung, die sie bei ihren Gegnern zu Recht anprangern würden. Doch wenn Grönemeyer auf der Bühne steht und „haltet die Klappe und geht dahin, wo ihr herkamt" brüllt, dann attestieren ihm wohlmeinende Medien „Rückgrat und Haltung". Die Ironie könnte kaum bitterer sein.

Bereits eine Woche zuvor, bei seinem Konzert in der Berliner Uber Arena, hatte der Sänger ähnliche Töne angeschlagen. Man müsse „die Demokratie verteidigen" und sich gegen „jedes rassistische Gelalle von rechts" stellen, so Grönemeyer. Anschließend spielte er seinen Song „Fall der Fälle" mit der programmatischen Zeile „Kein Millimeter nach rechts". Ein Mann, der seit Jahrzehnten im Ausland lebt, erklärt den Deutschen, wie sie zu denken haben. Bemerkenswert.

Wer bestimmt eigentlich, wer eine „Ratte" ist?

Die entscheidende Frage, die sich bei solchen Auftritten stellt, wird bezeichnenderweise nie gestellt: Wo genau verläuft die Grenze? Ist jeder, der die unkontrollierte Massenmigration kritisiert, bereits eine „rechte Ratte"? Ist der Bürger, der sich um die explodierende Messerkriminalität in deutschen Städten sorgt, ein „Rassist"? Ist die alleinerziehende Mutter, die AfD wählt, weil sie sich in ihrem Viertel nicht mehr sicher fühlt, jemand, der „in seinem Loch verschwinden" soll?

Grönemeyer liefert darauf keine Antworten. Er muss es auch nicht – denn seine Bühne ist kein Ort des Diskurses, sondern der moralischen Selbstvergewisserung. Wer Zehntausende zahlende Fans vor sich hat, die bei jeder politischen Parole jubeln, braucht keine Argumente. Er braucht nur den richtigen Feind.

Der Widerspruch eines „Demokratieverteidigers"

Besonders pikant wird es, wenn man Grönemeyers eigene Worte genauer betrachtet. In einem Interview mit der dpa erklärte er, man müsse „stabil in unseren Werten, in unserem Verständnis von Freiheit" bleiben. Freiheit – das bedeutet in einer funktionierenden Demokratie auch die Freiheit, eine andere politische Meinung zu vertreten, ohne als Ungeziefer diffamiert zu werden. Doch genau diese Freiheit spricht Grönemeyer einem erheblichen Teil der deutschen Bevölkerung ab. Laut aktuellen Umfragen sympathisieren rund 20 Prozent der Deutschen mit der AfD. Sind das alles „Ratten"?

Gemeinsam mit der Band Silbermond nahm Grönemeyer zudem den Song „Mein Osten" auf, in dem er über die gespaltene Gesellschaft singt: „Risse gehen durch Familien und ein Riss geht auch durch mich." Wer solche Risse beklagt und im selben Atemzug Andersdenkende als Ratten bezeichnet, hat offenkundig nicht verstanden, dass er selbst der Keil ist, der diese Risse vertieft.

Die eigentliche Spaltung kommt von oben

Was Grönemeyer und seinesgleichen nicht begreifen wollen – oder nicht begreifen können –, ist eine simple Wahrheit: Die Sorgen der Bürger verschwinden nicht dadurch, dass man sie beschimpft. Die zunehmende Kriminalität, die gescheiterte Integrationspolitik, die galoppierende Inflation, das 500-Milliarden-Schuldenpaket der neuen Bundesregierung, das kommende Generationen erdrücken wird – all das sind reale Probleme, die reale Menschen betreffen. Wer diese Menschen als „Ratten" bezeichnet, delegitimiert nicht deren Anliegen, sondern sich selbst.

Es ist bezeichnend für den Zustand unserer öffentlichen Debatte, dass ein Künstler, der von London aus die deutsche Politik kommentiert, für seine Entgleisungen gefeiert wird, während der einfache Bürger, der auf einer Demonstration ein kritisches Plakat hochhält, vom Verfassungsschutz beobachtet werden kann. Die doppelten Standards sind so offensichtlich, dass man fast schon lachen müsste – wenn die Konsequenzen nicht so ernst wären.

Ein Blick in die Geschichte sollte mahnen

Die Geschichte lehrt uns, wohin es führt, wenn politische Gegner systematisch entmenschlicht werden. Wer andere als Ungeziefer bezeichnet, das „in Löchern verschwinden" soll, bewegt sich auf einem Terrain, das in Deutschland besonders sensibel sein sollte. Dass ausgerechnet jene, die sich als antifaschistische Bollwerke inszenieren, zu exakt jener Sprache greifen, die sie bei anderen als faschistisch brandmarken würden, gehört zu den groteskesten Widersprüchen unserer Zeit.

Herbert Grönemeyer darf selbstverständlich seine Meinung äußern – das ist sein gutes Recht in einer Demokratie. Aber dann muss er sich auch gefallen lassen, dass man ihm entgegenhält: Wer Millionen Mitbürger als Ratten bezeichnet, verteidigt nicht die Demokratie. Er untergräbt sie. Und wer von London aus den Deutschen erklärt, wie sie zu leben und zu denken haben, sollte vielleicht zunächst einmal selbst in das Land zurückkehren, dessen Zukunft er so leidenschaftlich zu gestalten vorgibt.

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Ernst Wolff ist ein renommierter Wirtschaftsjournalist und Autor. Geboren in 1950 in China, in der Stadt Tianjin, zog er schon als Kleinkind mit seiner Familie nach Südkorea und von dort nach Deutsch…
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