
Grupp rechnet mit der CDU ab: „Die Brandmauer war ein Riesen-Eigentor“

Wolfgang Grupp gilt als einer der bekanntesten Familienunternehmer Deutschlands, und er hat sich die eigene Partei vorgenommen. Nach den Wahlschlappen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin fordert der frühere Trigema-Chef die CDU auf, ihren Kurs gegenüber der AfD zu ändern. Kanzler Friedrich Merz müsse „sofort“ reagieren, sagte der 84-Jährige der Bild-Zeitung.
Ein Wahlabend, der die Union erschüttert
Die Zahlen sind hart. In Mecklenburg-Vorpommern kam die CDU laut vorläufigem Ergebnis auf 4,9 Prozent. Damit hat sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Einzug in ein Landesparlament verpasst. Die AfD holte 38,2 Prozent und landete vor der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die auf 35,5 Prozent kam.
In Berlin wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Vor drei Jahren waren es noch 12,2 Prozent. Die Union steht damit zwischen zwei Polen, die beide wachsen. In Schwerin wird schon über ein Bündnis aus SPD, Linken und Grünen gesprochen.
„Eine Brandmauer darf es nicht geben“
Für Grupp liegt ein Teil der Ursache auf der Hand: die strikte Abgrenzung von der AfD. Die Partei müsse endlich klären, warum ihr frühere Stammwähler den Rücken kehren. Dass ein CDU-Vorsitzender Gespräche mit der AfD von vornherein ablehne, halte er für falsch.
„Ich sage schon immer: Eine Brandmauer darf es nicht geben.“
Die Debatte ist alt. Schon 2018 hatte die CDU per Parteitagsbeschluss jede Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Wie heikel das Thema bleibt, zeigte sich im Januar 2025: Damals brachte Merz im Bundestag einen Antrag zur Migrationspolitik mit Stimmen der AfD durch, was einen Sturm der Empörung auslöste. Danach bekannte sich die Parteispitze umso lauter zur Abgrenzung. Genützt hat es an der Wahlurne offenbar wenig.
Die Trigema-Logik: Von der Konkurrenz lernen
Grupp begründet seine Forderung mit seiner Erfahrung als Unternehmer. Wenn die Kunden plötzlich lieber zu Adidas und Puma griffen als zu Trigema, müsse man herausfinden, was die Konkurrenz anders mache. Sein Rezept dafür:
„Dann muss ich das, was die machen, auch tun – nur besser.“
Auf die Politik übertragen heißt das: Die CDU müsse genau untersuchen, warum frühere Anhänger zur AfD oder zur Linken wechseln. Schlechte Ergebnisse schönzureden bringt nach dieser Logik gar nichts. Die Union würde damit so arbeiten wie ein Mittelständler, der seine Lage ehrlich prüfen muss, statt wie ein Apparat, der sich vor allem selbst verwaltet.
Treue zu Merz, aber mit Frist
Einen Bruch mit dem Kanzler will Grupp nicht. „Ich schätze Merz“, sagte der langjährige CDU-Wähler. Der Regierungschef müsse jetzt aber schnell handeln. Grupp sagt dazu, er öffne den Schirm bei den ersten Tropfen und nicht erst, wenn es schütte. Viele Unionsanhänger dürften sich fragen, wie stark es noch regnen muss, bis im Kanzleramt jemand den Schirm aufspannt.
Auch die Wirtschaft kommt bei Grupp nicht gut weg. Wenn sie in Deutschland schwächele, liege das an den Unternehmen, meint er. Statt über die Rahmenbedingungen zu jammern, sollten Unternehmer ihre Probleme selbst lösen. Das klingt unbequem, passt aber zu einem Mann, der seine Firma über Jahrzehnte ohne Bankkredite geführt hat und in Burladingen auf der Schwäbischen Alb produzieren ließ.
Kein Wechsel in die Politik
In die Politik gehen will Grupp nicht. In einer Demokratie müsse man Kompromisse schließen, für die man später nicht geradestehen könne, erklärte er. Dann fügte er lachend hinzu, für ihn komme deshalb „nur eine Diktatur in Frage“. Das war erkennbar ein Scherz. Die Sache dahinter meint er aber ernst: Ein Unternehmer haftet für seine Entscheidungen, ein Politiker oft nicht. Nach diesem Wahlabend hat die CDU-Führung wohl eher mehr Grund, darüber nachzudenken.
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