
Historisches Handelsabkommen: Indien und EU schließen Mega-Deal – Ein Schlag gegen Trumps Zollpolitik

Während die Welt unter den protektionistischen Maßnahmen der Trump-Administration ächzt, setzen Indien und die Europäische Union ein unmissverständliches Zeichen: Am Dienstag unterzeichneten beide Seiten ein wegweisendes Freihandelsabkommen, das nach über zwei Jahrzehnten zäher Verhandlungen endlich Realität wird. Premierminister Narendra Modi sprach von einem Abkommen, das weltweit als "Mutter aller Deals" bezeichnet werde – und tatsächlich dürfte diese Vereinbarung die globalen Handelsströme nachhaltig verändern.
Ein Bollwerk gegen amerikanischen Protektionismus
Die Tragweite dieses Abkommens lässt sich kaum überschätzen. Die EU wird künftig Zölle auf sage und schreibe 99,5 Prozent aller indischen Waren innerhalb von sieben Jahren abbauen. Im Gegenzug reduziert Indien die Abgaben auf 96,6 Prozent der europäischen Exporte. Für europäische Unternehmen bedeutet dies Einsparungen von rund vier Milliarden Euro an Zollgebühren – eine Summe, die in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit Gold wert ist.
Besonders pikant erscheint der Zeitpunkt dieser Einigung. Nachdem Washington unter Präsident Trump Zölle von 50 Prozent auf bestimmte indische Waren verhängt hat und seine Verbündeten mit immer neuen Drohgebärden verunsichert, formiert sich nun eine Gegenbewegung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verkündete nicht ohne Stolz:
"Europa und Indien schreiben heute Geschichte. Dies ist erst der Anfang."
Deutsche Autobauer wittern ihre Chance
Für die deutsche Automobilindustrie öffnet sich mit diesem Abkommen ein Markt von gewaltigen Dimensionen. Indiens notorisch hohe Schutzzölle auf Fahrzeuge – bislang bis zu 110 Prozent – werden schrittweise auf lediglich zehn Prozent gesenkt. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW dürften sich die Hände reiben, denn der indische Markt mit seinen 1,4 Milliarden potenziellen Kunden war bisher weitgehend verschlossen.
Die reduzierten Zölle gelten zunächst für 250.000 Fahrzeuge jährlich mit einem Wert von über 15.000 Euro. Unmittelbar nach Inkrafttreten des Abkommens sinken die Abgaben bereits auf 30 bis 35 Prozent – ein enormer Wettbewerbsvorteil gegenüber amerikanischen Konkurrenten, die weiterhin unter Trumps Handelskrieg leiden.
Auch Spirituosen und Wein profitieren
Nicht nur die Schwerindustrie darf jubeln. Europäische Winzer und Spirituosenhersteller erhalten endlich Zugang zu einem Markt, der ihnen bislang durch astronomische Zölle von 150 Prozent praktisch versperrt war. Diese werden sofort auf 75 Prozent gesenkt und sollen langfristig auf 20 Prozent fallen. Bei Spirituosen liegt das Ziel bei 40 Prozent.
Strategische Neuausrichtung in unsicheren Zeiten
Das Handelsvolumen zwischen Indien und der EU belief sich im Fiskaljahr bis März 2025 auf beachtliche 136,5 Milliarden Dollar – und übertrifft damit sowohl den indisch-amerikanischen Handel mit 132 Milliarden als auch den indisch-chinesischen mit 128 Milliarden Dollar. Die EU rechnet damit, ihre Exporte nach Indien bis 2032 zu verdoppeln.
Kanadas Premierminister Mark Carney hatte erst kürzlich in Davos unter Standing Ovations dazu aufgerufen, dass mittlere Mächte zusammenstehen müssten, um nicht zu Opfern zu werden. Er plant bereits einen Besuch in Indien, um Abkommen über Uran, Energie und Mineralien zu unterzeichnen – nachdem er kürzlich sogar einen Deal mit China abgeschlossen hat.
Landwirtschaft bleibt außen vor
Nicht alle Sektoren profitieren gleichermaßen von der Einigung. Sensible landwirtschaftliche Produkte wie Soja, Rindfleisch, Zucker, Reis und Milchprodukte wurden bewusst ausgeklammert – ein Zugeständnis an die mächtigen Agrarlobbys beider Seiten. Auch beim umstrittenen CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU, dem sogenannten CBAM, gibt es für indische Unternehmen vorerst keine Erleichterung. Immerhin sicherte die EU zu, Indien dieselben Flexibilitäten zu gewähren, die möglicherweise Drittländern eingeräumt werden.
Zusätzlich verpflichtete sich Brüssel, in den kommenden zwei Jahren 500 Millionen Euro bereitzustellen, um Indien bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu unterstützen – ein Zugeständnis, das angesichts der klimapolitischen Ambitionen der EU wenig überrascht.
Der lange Weg zur Ratifizierung
Bis das Abkommen tatsächlich in Kraft tritt, werden noch fünf bis sechs Monate rechtlicher Prüfung vergehen. Die formelle Unterzeichnung steht also noch aus, und wie das Beispiel des EU-Mercosur-Abkommens zeigt, können auch in dieser Phase noch erhebliche Hürden auftauchen. EU-Parlamentarier haben bereits angekündigt, das Mercosur-Abkommen vor dem Europäischen Gerichtshof anzufechten.
Dennoch zeigt sich ein indischer Regierungsvertreter optimistisch: Man erwarte, dass das Abkommen innerhalb eines Jahres umgesetzt werde. Für die europäische Wirtschaft, die unter Trumps Zollpolitik und der allgemeinen Unsicherheit leidet, wäre dies ein dringend benötigter Lichtblick.
Ein Zeichen der Stärke
Dieses Abkommen ist mehr als nur ein Handelsvertrag – es ist eine geopolitische Botschaft. Während die USA unter Trump zunehmend isolationistische Tendenzen zeigen und selbst engste Verbündete vor den Kopf stoßen, schmieden andere Nationen neue Allianzen. Die EU hat in kurzer Folge Abkommen mit Mercosur, Indonesien, Mexiko, der Schweiz und nun Indien abgeschlossen. Indien seinerseits finalisierte Pakte mit Großbritannien, Neuseeland und dem Oman.
Für deutsche Anleger und Unternehmer bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Die Weltwirtschaft ordnet sich neu, und wer klug diversifiziert, kann von diesen Verschiebungen profitieren. In Zeiten solcher Umbrüche erweisen sich übrigens physische Edelmetalle wie Gold und Silber traditionell als verlässliche Anker im Portfolio – sie bieten Schutz vor Währungsturbulenzen und geopolitischen Risiken, die mit derartigen tektonischen Verschiebungen im Welthandel unweigerlich einhergehen.

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