
Hormus bleibt dicht: Tanker-Riese kapituliert vor dem Nadelöhr

Der größte Tankerbetreiber der Welt zieht die Reißleine. Japans Mitsui O.S.K. Lines rechnet nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg damit, dass sich die Schifffahrt durch die Straße von Hormus bis Jahresende nicht normalisiert. Konzernchef Jotaro Tamura habe in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview erklärt, an eine Wiederaufnahme des Betriebs sei derzeit kaum zu denken.
Damit fällt eine der letzten Hoffnungen des Ölmarktes in sich zusammen — und zwar von jener Seite, die es am besten wissen muss: den Reedern selbst.
Vom Fahrplan zur Fehlkalkulation
Noch im Quartalsbericht des Vormonats hatte der Konzern nach eigenen Angaben unterstellt, die Passagen wĂĽrden ab Oktober 2026 schrittweise anlaufen und im Januar 2027 wieder normal flieĂźen. Diese Annahme ist Makulatur.
Grund sei die erneute Eskalation zu Wochenbeginn — der erste offene Schlagabtausch zwischen den USA und dem Iran seit über einem Monat. Das Risiko liege weit jenseits dessen, was man akzeptieren könne, wird Tamura zitiert.
„Angesichts der aktuellen Lage ist es schwer vorstellbar, dass der Betrieb bis Jahresende in irgendeiner Form wieder aufgenommen wird.“
Eine Rückkehr auf die Route plant die Reederei laut dem Bericht vorerst nicht. Man brauche zuerst eine Deeskalation — und belastbare Garantien für dauerhaft sichere Durchfahrten.
Sechs statt fĂĽnfzehn Millionen Barrel
Wie dramatisch die Lage ist, zeigen die Mengen. Nach Daten des Analysehauses Kpler passierten die Meerenge im Jahr 2025 noch rund 15 Millionen Barrel Rohöl täglich. Aktuell sind es Medienberichten zufolge nur noch etwa sechs bis acht Millionen.
Seit der jüngsten Zuspitzung schrumpfte der beobachtbare Verkehr auf eine Handvoll Durchfahrten pro Tag. Ein Teil der Ladungen verlässt den Golf nur noch verdeckt — mit abgeschalteten Transpondern, den sogenannten „dark crossings“.
Die Internationale Energieagentur meldet nach Medienberichten, dass die weltweit erfassten Ölbestände seit Kriegsbeginn um rund 410 Millionen Barrel gefallen seien. Für das dritte Quartal erwartet sie demnach ein globales Angebotsdefizit von 1,8 Millionen Barrel pro Tag.
Japan plant um — und Europa?
Das rohstoffarme Japan zieht Konsequenzen. Tokio arbeite an einem Plan zur Diversifizierung der Energieimporte, der ausdrücklich die Unterstützung von Pipelines im Nahen Osten vorsehe — Leitungen, die Öl an Hormus vorbeischleusen.
Man muss kein Freund japanischer Industriepolitik sein, um den Unterschied zu bemerken: Dort denkt man über physische Ausweichrouten nach. Hierzulande diskutiert man Klimaziele im Grundgesetz. Brent notierte zuletzt oberhalb von 90 Dollar, im Juli waren es zeitweise rund 105 Dollar — jeder dieser Dollar landet am Ende an deutschen Zapfsäulen und auf Stromrechnungen.
Warum Anleger jetzt genau hinsehen
Ein verstopftes Nadelöhr ist kein Börsenthema unter vielen. Es ist ein Inflationstreiber mit Verzögerungszündung: teure Energie verteuert Transport, Produktion, Lebensmittel — und frisst die Kaufkraft der Sparer auf.
Gold notierte zuletzt Marktberichten zufolge um die 4.300 Dollar je Unze. Historisch hat physisches Edelmetall in geopolitischen Krisen seine Funktion als Wertspeicher erfüllt, während Papierwerte schwankten. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen kann das ein nüchterner Baustein der Absicherung sein — kein Wundermittel, aber ein Anker.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.
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