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Kettner Edelmetalle
28.05.2026
09:34 Uhr

Hormus brennt, der Ölpreis explodiert – und Europa zahlt die Zeche für eine verfehlte Energiepolitik

Hormus brennt, der Ölpreis explodiert – und Europa zahlt die Zeche für eine verfehlte Energiepolitik

Drei Monate dauert er nun schon, der Krieg um die Straße von Hormus, und was als militärischer Blitzschlag geplant war, hat sich längst zu einem zähen Abnutzungskonflikt verwandelt, dessen ökonomische Schockwellen mit voller Wucht auf den europäischen Kontinent zurollen. Donald Trump hatte den Feldzug ursprünglich auf "vier bis sechs Wochen" angesetzt – inzwischen geht er ins vierte Monat, und die Märkte taumeln. Ein Waffenstillstand existiert offiziell auf dem Papier, doch das Papier ist keinen Pfifferling wert, solange Drohnen über dem Persischen Golf kreisen und Tanker mit abgeschalteten Transpondern durch eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt geistern.

Eine Meerenge als Hebel der Weltwirtschaft

Vor Beginn der Kampfhandlungen passierten täglich zwischen 125 und 140 Schiffe die Meerenge. Heute sind es nach Angaben der Revolutionsgarden noch ganze 23 Einheiten pro Tag – und das ausschließlich mit ausdrücklicher Genehmigung Teherans. Ein Einbruch um 88 Prozent. Rund 20 Prozent des global gehandelten Öls und ein erheblicher Teil des Flüssigerdgases fließen normalerweise durch dieses Nadelöhr. Wer diese Zahlen liest und immer noch glaubt, der Konflikt sei "weit weg", der hat die Mechanik der globalisierten Energiemärkte nicht im Ansatz verstanden.

Brent-Rohöl schoss nach den jüngsten US-Schlägen um über zwei Prozent auf 96,19 Dollar je Barrel, WTI kletterte auf 90,41 Dollar. Die magische 100-Dollar-Marke ist nur noch einen Steinwurf entfernt. Und das Beunruhigende daran: Diese Sprünge wechseln sich mit ebenso heftigen Abstürzen ab. Allein am Mittwoch fielen die Preise zunächst um mehr als fünf Prozent auf ein Monatstief, weil Spekulanten eine diplomatische Einigung einpreisten – Stunden später schossen sie wieder hoch. Eine Achterbahn, die jedem Disponenten in der Industrie graue Haare wachsen lässt.

Militärisch überlegen, strategisch hilflos

Die militärische Lage ist von paradoxer Klarheit. Die Vereinigten Staaten besitzen die unangefochtene Luft- und Seehoheit. Centcom meldet, in der Nacht zum Donnerstag vier iranische Einweg-Kampfdrohnen über Hormus abgeschossen und eine Bodenkontrollstation im Hafen von Bandar Abbas zerstört zu haben. Rund 15.000 US-Soldaten halten eine Seeblockade vor der iranischen Küste aufrecht, gestützt auf die Basen in Katar, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Und doch: Die Initiative entgleitet Washington. Denn was nützt die größte Kriegsmaschinerie der Welt, wenn ein paar Schnellboote, Seeminen und billige Drohnen ausreichen, um den Welthandel an der empfindlichsten Stelle zu strangulieren? Es ist das alte Lehrbeispiel asymmetrischer Kriegsführung – David gegen Goliath, nur dass diesmal Goliath die Tankstellenpreise in München, Berlin und Hamburg explodieren lässt.

Brüchige Diplomatie nach Trump-Manier

Trumps Iran-Politik folgt einem Muster, das man getrost als "Bomben und Briefe" bezeichnen darf. Am Wochenende sprach der US-Präsident noch von einem "weitgehend ausgehandelten" Deal, am Mittwoch erklärte er, man sei "nicht zufrieden". Die iranische Seite präsentierte im Staatsfernsehen den Entwurf eines Rahmenabkommens: Wiederöffnung der Straße binnen eines Monats unter gemeinsamer Aufsicht von Iran und Oman, Aufhebung der US-Hafenblockade, Abzug der Truppen aus der unmittelbaren Region. Das Weiße Haus nannte das Papier prompt eine "komplette Fälschung". Ebrahim Azizi, Chef des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, beharre indes auf drei roten Linien: Anreicherungsrecht, Hoheit über Hormus, Sanktionsaufhebung.

Und während die Diplomaten sich verbal beharken, wächst die Eskalationsgefahr. In der Nacht zum Donnerstag meldete die kuwaitische Armee, ihre Luftabwehr fange "feindliche Raketen- und Drohnenangriffe" ab. Trump drohte parallel offen dem Oman – jenem Land, das traditionell die Brücke nach Teheran baut – mit den Worten, Maskat werde sich fügen "oder wir müssen sie in die Luft jagen". Diplomatie im Stil eines Boxers, dem die Argumente ausgegangen sind.

Europa zahlt – wieder einmal

Wer trägt nun die Hauptlast dieses Konflikts? Erraten: die europäischen Verbraucher, und allen voran die deutschen. Das katarische Flüssigerdgas, das eigentlich das Rückgrat der südeuropäischen Versorgung bilden soll, kommt kaum noch an. Eine LNG-Knappheit zur Vor-Winter-Saison zeichnet sich ab – und genau hier rächt sich das energiepolitische Harakiri der vergangenen Jahre. Wer zuerst die Atomkraftwerke abschaltet, dann die russischen Gaslieferungen kappt und sich anschließend auf instabile Lieferketten am Persischen Golf verlässt, der darf sich nicht wundern, wenn die Stromrechnung zur Existenzfrage wird.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane räumte am Donnerstag ein, der Energieschock werde "auch bei rascher Lösung des Krieges einen anhaltenden Inflationseffekt" haben. Mit anderen Worten: Selbst wenn morgen Frieden ausbräche, würden die Bürger noch monatelang die Quittung dafür bezahlen. Sein US-Pendant Austan Goolsbee von der Chicagoer Fed warnte, der Erdölschock könne den ohnehin durch den KI-Investitionsboom getriebenen Preisauftrieb weiter befeuern. Die Zinssenkungshoffnungen der Märkte? Vorerst beerdigt.

Schattenflotten, Kriegsprämien und die Rückkehr der 80er

Die Sekundäreffekte sind nicht weniger dramatisch. Die Frachtraten für Tanker im Golf haben sich vervielfacht, die Kriegsrisikoprämien der Versicherer erreichen Niveaus, wie man sie zuletzt während der Ölkrise der 1980er-Jahre erlebt hat. Drei Tanker sollen Hormus in den vergangenen Tagen mit abgeschalteten Transpondern verlassen haben – ein klassischer Hinweis auf Schattenflotten und Sanktionsumgehungen. Die regelbasierte Ordnung, von der westliche Politiker so gerne salbungsvoll sprechen, zeigt einmal mehr ihre praktischen Grenzen.

Was bleibt? Ein Konflikt ohne Sieger

Die Bilanz ist ernüchternd. Die USA können militärisch jederzeit zuschlagen, doch sie können den Golf nicht öffnen, solange der Iran sich verweigert. Der Iran wiederum kann Hormus blockieren, aber wirtschaftlich nicht überleben, solange die Sanktionen greifen. Ein Patt, das niemand militärisch gewinnen kann – aber mit eindeutigen ökonomischen Verlierern: den Verbrauchern in Europa, den Importeuren in Asien und der Glaubwürdigkeit einer Weltordnung, die mit dem Erstschlag vom 28. Februar 2026 bereits schweren Schaden genommen habe.

Für deutsche Sparer und Anleger sollte dieser Konflikt ein letzter Warnschuss sein. Wer sein Vermögen ausschließlich in Papierwerten parkt, deren Wert sich an den Launen geopolitischer Risiken und der Inflationspolitik der Notenbanken bemisst, der lebt gefährlich. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in jeder Krise der vergangenen Jahrhunderte ihre Funktion als Anker stabiler Kaufkraft bewiesen – auch und gerade dann, wenn Öl knapp, Geld inflationär und die Nachrichtenlage explosiv wurde. Eine kluge Beimischung physischer Edelmetalle zum Portfolio ist in Zeiten wie diesen kein Luxus, sondern schlichte Vorsorge.

Haftungsausschluss

Die in diesem Artikel dargestellten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder und stellen ausdrücklich keine Anlageberatung dar. Wir betreiben weder Steuer- noch Rechtsberatung. Jeder Leser ist verpflichtet, eigenverantwortlich zu recherchieren und gegebenenfalls einen unabhängigen Fachberater zu konsultieren, bevor er Anlageentscheidungen trifft. Eine Haftung für etwaige Vermögensentscheidungen auf Grundlage dieses Beitrags ist ausgeschlossen.

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