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Kettner Edelmetalle
24.06.2026
05:46 Uhr

Hormuz als Achillesferse: Wie der Westen die iranische Erpressungswaffe entschärfen will

Hormuz als Achillesferse: Wie der Westen die iranische Erpressungswaffe entschärfen will

Es ist eine der zentralen Lebensadern der Weltwirtschaft – und zugleich ihre größte Schwachstelle. Die Straße von Hormuz, jene schmale Wasserstraße zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls fließt, stand monatelang am Rande der Blockade. Drei bis vier Monate lang sei der Schiffsverkehr gestört oder beinahe stillgelegt worden, so die Berichte. Die Lehre, die die Golfstaaten daraus ziehen, könnte die globalen Energieströme nachhaltig umgestalten.

Ein Konzernchef schlägt Alarm

Patrick Pouyanné, Vorstandschef des französischen Energieriesen TotalEnergies, reiht sich nun in den wachsenden Chor jener ein, die ein radikales Umdenken fordern. Auf einer Energiekonferenz in Paris fand er deutliche Worte. Die Straße von Hormuz stelle eine echte Bedrohung dar, weshalb man handeln müsse, so Pouyanné. Es gebe nur eine Lösung: massive Investitionen in Pipelines, die diese maritime Engstelle umgehen würden. Dies sei eine absolute Priorität.

Der Konzernlenker verwies auf alternative Exportrouten durch die Vereinigten Arabischen Emirate, den Irak und sogar durch Syrien. Wer im Irak das Meer erreichen wolle, könne den Weg über Kuwait und Saudi-Arabien nehmen oder Richtung Syrien beziehungsweise Türkei ausweichen, erläuterte er.

"Wenn unsere Vorgänger es vor 100 Jahren geschafft haben, dann sollten wir auch heute dazu in der Lage sein."

Pouyanné erinnerte dabei an die Ölfunde seines Konzerns im Irak im Jahr 1928, die zum Bau einer Irak-Syrien-Pipeline führten – ein Projekt, das damals sechs Jahre Bauzeit beanspruchte und es ermöglichte, Rohöl im Mittelmeer zu verladen und südfranzösische Raffinerien zu versorgen.

Die Lehre aus der Erpressung Teherans

Was hier verhandelt wird, ist mehr als bloße Logistik. Es geht um geopolitische Macht. Solange ein erheblicher Teil der Ölexporte des Golfs durch die Straße von Hormuz gepresst werden müsse, halte das Regime in Teheran einen gefährlichen Hebel in der Hand. Mit der bloßen Drohung, die Wasserstraße zu sperren, könne der Iran die Weltmärkte in Atem halten und Washington unter Druck setzen.

Doch genau dieser Hebel beginnt offenbar zu bröckeln. Ein Analyst der Eurasia Group brachte es auf den Punkt: Teheran habe zwar verkündet, die Meerenge sei geschlossen – doch tatsächlich schließen konnte das Regime sie nicht. Ohne die glaubwürdige Androhung von Gewalt seien die Möglichkeiten des Iran, diese Wasserstraße zu kontrollieren, begrenzt. Ein Eingeständnis von Schwäche, das man in den Hauptstädten am Golf mit Genugtuung registriert haben dürfte.

Wettlauf um die Umgehungsrouten

Die Reaktion der Golfstaaten fällt entschlossen aus. Der emiratische Außenhandelsminister sprach von einer "Null-Abhängigkeit von Hormuz" als überlebenswichtigem Ziel. Die Vereinigten Arabischen Emirate planen massive Investitionen in Pipelines, Schienen- und Straßenverbindungen, die von den Häfen am Persischen Golf hin zur Küste des Golfs von Oman führen sollen – inklusive mindestens eines neuen Hafens.

Auch Kuwait habe Berichten zufolge mit Saudi-Arabien und den Emiraten über grenzüberschreitende Pipelines verhandelt. Saudi-Arabien selbst fuhr seine Ost-West-Pipeline, die Hormuz umgeht, bereits auf die volle Kapazität von sieben Millionen Barrel täglich hoch und konnte so Ölströme vom Persischen Golf zum Roten Meer umleiten.

Was bedeutet das fĂĽr den Anleger?

Die Ereignisse rund um Hormuz führen einmal mehr schmerzhaft vor Augen, wie fragil das globale Energiesystem in Wahrheit ist. Eine einzige Wasserstraße, ein einziger geopolitischer Konflikt – und die Märkte zittern. Während Aktienkurse, Fonds und Papierwerte bei jeder Eskalation im Nahen Osten ins Wanken geraten, zeigt sich erneut, weshalb krisenfeste Sachwerte ihre Berechtigung haben. Gold und Silber kennen keine Pipeline, die gesprengt, und keine Meerenge, die blockiert werden könnte. Sie sind seit Jahrtausenden bewährte Anker in stürmischen Zeiten und gehören als solide Basis in ein breit gestreutes, durchdachtes Vermögensportfolio.

Während deutsche Politiker sich in Debatten über Klimaneutralität und ideologische Energiewende verlieren, gestaltet der Rest der Welt seine Energieversorgung knallhart nach realpolitischen Maßstäben. Eine Lektion, die man in Berlin gut gebrauchen könnte – wenn man denn bereit wäre, sie zu lernen.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung – sei es in Rohstoffe, Aktien oder Edelmetalle – obliegt der eigenverantwortlichen Prüfung des Lesers. Bitte recherchieren Sie selbst gründlich oder ziehen Sie einen unabhängigen Fachmann zurate. Eine Haftung für etwaige Anlageentscheidungen wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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