
Irans Prätorianergarde greift nach der Macht: Wie die Revolutionsgarde den Gottesstaat umkrempelt
Was sich derzeit im Iran abspielt, ist weit mehr als ein bloßer Personalwechsel an der Staatsspitze. Es ist eine tektonische Verschiebung der Machtverhältnisse, die das gesamte geopolitische Gefüge des Nahen Ostens auf den Kopf stellen könnte – mit Konsequenzen, die bis nach Europa und Deutschland reichen.
Vom Gottesstaat zum Militärstaat
Nach der Ermordung des Obersten Führers Ayatollah Ali Chamenei Ende Februar wurde dessen 56-jähriger Sohn Modschtaba zum neuen Rahbar gewählt. Ein Vorgang, der unter normalen Umständen in Teheran für erheblichen Widerstand gesorgt hätte. Chamenei senior selbst hatte die Erbmonarchie einst mit beißendem Spott bedacht und die Machtübergabe vom Vater auf den Sohn mit der Weitergabe eines Kupfergefäßes für die Waschung im Badezimmer verglichen. Doch der Krieg schreibt seine eigenen Regeln.
Was diese Nachfolge so brisant macht, ist nicht der Name des neuen Führers – es ist das, wofür er steht. Modschtaba Chamenei ist kein Kleriker im klassischen Sinne. Er ist ein Mann der Revolutionsgarde, der IRGC. Er diente im Iran-Irak-Krieg, knüpfte dort enge Verbindungen zum Sicherheitsapparat und beteiligte sich persönlich an der brutalen Niederschlagung der Proteste von 2009, bei denen Dutzende Menschen starben und Tausende verhaftet wurden. Seine Wahl signalisiert unmissverständlich: Die Macht in Teheran ist vom Klerus zu den Sicherheitskräften gewandert.
Die Hardliner übernehmen das Ruder
Neben Modschtaba Chamenei rücken nun Vertreter des radikalsten Flügels der Revolutionsgarde in Schlüsselpositionen. Der neue IRGC-Chef Ahmad Vahidi wird von Interpol wegen der Organisation des Terroranschlags auf das Jüdische Kulturzentrum in Argentinien 1994 gesucht. Der neue Sekretär des iranischen Sicherheitsrates, Mohammad Bagher Zolqadr, unterliegt einem UN-Ausreiseverbot. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein international gesuchter Terrorverdächtiger und ein mit UN-Sanktionen belegter Hardliner bestimmen nun die Geschicke eines 90-Millionen-Volkes.
US-Präsident Donald Trump sprach bereits vor Wochen von einem „Regimewechsel" im Iran. Damit hatte er nicht ganz unrecht – allerdings dürfte das Ergebnis kaum dem entsprechen, was Washington sich unter diesem Begriff ursprünglich vorgestellt hatte. Statt einer Öffnung des Landes erleben wir eine Radikalisierung der Führung.
Die Doktrin der „Vorwärtsverteidigung"
Die neue iranische Führungsriege ist durch und durch geprägt von der Doktrin der „Vorwärtsverteidigung" – auf Persisch „Defa-e Pishrou". Diese Strategie, die unter dem legendären General Qasem Soleimani zur Blüte kam, setzt auf ein Netzwerk loyaler Milizen und Stellvertretergruppen in der gesamten Region: Hisbollah im Libanon, schiitische Milizen im Irak, Huthis im Jemen, Hamas im Gazastreifen. Ein pensionierter General der Revolutionsgarde brachte es auf den Punkt: Ohne diese Kampagnen im Ausland hätten die USA und Israel den Iran längst angegriffen.
Doch diese „Achse des Widerstands" hat in den vergangenen Jahren schwere Schläge erlitten. Die Enthauptung der Hamas- und Hisbollah-Führung, der Sturz des Assad-Regimes in Syrien im Dezember 2024 – all das waren empfindliche Verluste für Teheran. Die neue Führung sieht nun offenbar in der Straße von Hormus ihr wirksamtes Druckmittel. Eine Sperrung dieser lebenswichtigen Wasserstraße, durch die ein Fünftel des weltweiten Öltransports fließt, würde die globale Wirtschaft in eine Krise stürzen.
Das iranische Volk bezahlt die Zeche
Während die Revolutionsgarde ihre Machtposition zementiert, leidet die iranische Bevölkerung unter den Konsequenzen dieser aggressiven Außenpolitik. Die Zahlen sind erschütternd: Laut einem Bericht des UN-Entwicklungsprogramms ist das iranische BIP-Wachstum seit Kriegsbeginn um bis zu 10,4 Prozent eingebrochen. Vier Millionen Menschen sind unter die Armutsgrenze gefallen. Die Lebensmittelpreise stiegen um fast 60 Prozent – bei einer ohnehin schon galoppierenden Inflation. Das Gesundheitssystem ist am Limit.
Der ehemalige Außenminister Mohammad Javad Zarif hatte die Vorwärtsverteidigung einst als „zusätzliche Belastung" für den Iran bezeichnet. Eine diplomatische Untertreibung, die angesichts der aktuellen Lage fast zynisch wirkt. Die Protestbewegung unter dem Motto „Weder Gaza noch Libanon, ich gebe mein Leben nur für den Iran" zeigt, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung die Prioritäten der Führung nicht mehr mitträgt.
Massenproteste und brutale Unterdrückung
Die Bilanz der Repression ist erschreckend. Bei den Protesten unter dem Motto „Frau. Leben. Freiheit" Ende 2022 wurden etwa 500 Menschen getötet. Bei den jüngsten Unruhen im Januar dieses Jahres, ausgelöst durch steigende Preise und Inflation, kamen Zehntausende Bürger ums Leben. Die Revolutionsgarde war an der Niederschlagung maßgeblich beteiligt. Diese Wunden heilen nicht über Nacht.
Die neue Führung wird der Bevölkerung einen neuen Gesellschaftsvertrag vorlegen müssen – und das iranische Volk wird diesem nur zustimmen, wenn er eine spürbare Lockerung der staatlichen Kontrolle über Wirtschaft und Privatleben beinhaltet. Sollte die Revolutionsgarde auf stur schalten, sind neue Massenproteste unvermeidlich.
Was bedeutet das für Europa und Deutschland?
Die Eskalation im Nahen Osten hat direkte Auswirkungen auf die europäische Sicherheitsarchitektur und die globalen Energiemärkte. Eine mögliche Sperrung der Straße von Hormus würde den Ölpreis in die Höhe treiben und die ohnehin fragile wirtschaftliche Lage in Deutschland weiter verschärfen. Die gescheiterten Iran-Gespräche der vergangenen Wochen – 21 Stunden Verhandlung ohne Ergebnis – lassen wenig Hoffnung auf eine diplomatische Lösung.
Für Deutschland, das sich unter der neuen Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD ohnehin mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen und steigender Inflation herumschlagen muss, könnte eine weitere Energiepreiskrise zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt kommen. Umso wichtiger ist es, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz eine klare und realistische Außenpolitik verfolgt – statt sich in ideologischen Wunschvorstellungen zu verlieren, wie es die Vorgängerregierung allzu oft getan hat.
Die Machtübernahme der Revolutionsgarde im Iran ist kein abstraktes geopolitisches Planspiel. Sie ist eine reale Bedrohung für die Stabilität einer Region, von der Europas Energieversorgung und Sicherheit unmittelbar abhängen. Wer das ignoriert, handelt fahrlässig. In Zeiten wie diesen zeigt sich einmal mehr, dass physische Edelmetalle wie Gold und Silber als krisensichere Wertanlage ihre Berechtigung haben – denn geopolitische Verwerfungen dieser Größenordnung haben historisch stets zu erheblichen Verwerfungen an den Finanzmärkten geführt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen und Einschätzungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Jeder Leser ist angehalten, eigene Recherchen durchzuführen und gegebenenfalls professionelle Beratung einzuholen, bevor er Anlageentscheidungen trifft. Für etwaige finanzielle Verluste, die aus Anlageentscheidungen auf Grundlage dieses Artikels resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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