
Italienischer Highspeed gegen deutschen Stillstand: Wenn Ferrari-Flair auf DB-Frust trifft

Es ist ein Sinnbild für den Zustand unseres Landes: Während der bundeseigene Konzern seit Jahren mit Verspätungen, Streiks und maroder Infrastruktur kämpft, kommt die Rettung ausgerechnet aus dem Süden. Die Italiener rollen an – und zwar mit 300 Stundenkilometern, schwarzen Ledersesseln und einem Starlink-WLAN, das schneller funktionieren dürfte als so mancher deutsche Behördenserver.
Der Platzhirsch wehrte sich – vergeblich
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die Deutsche Bahn, die rund 95 Prozent des deutschen Fernverkehrs kontrolliert, hat mit allen Mitteln versucht, den neuen Konkurrenten fernzuhalten. Gewerkschaften, Fahrgastverbände und der Konzern selbst warnten unisono, ein zusätzlicher Wettbewerber könne das ohnehin überlastete Schienennetz noch weiter belasten und den Regionalverkehr ausdünnen.
Ein bemerkenswertes Argument. Als hätte die Bahn in ihrer Monopolstellung in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen, dass sie das Netz vorbildlich zu bewirtschaften wisse. Doch die Bundesnetzagentur hat entschieden – und den Weg für Italo freigemacht. Wettbewerb, dieses in Deutschland fast schon vergessene Wort, hält Einzug auf den Schienen.
Ein Ferrari-Boss ĂĽbernimmt das Ruder
An der Spitze des italienischen Herausforderers steht ein Name, der nach Exzellenz klingt: Luca di Montezemolo, einst legendärer Ferrari-Boss. Er habe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegenüber erklärt, der deutsche Hochgeschwindigkeitsverkehr könne um bis zu 40 Prozent wachsen – so, wie es der Wettbewerb in Italien bereits bewirkt habe.
„Jedes Detail wurde bewusst ausgewählt – die Farben, die Qualität des Leders, die Anordnung des Getränkehalters. Nichts wird dem Zufall überlassen. Das Design wird den italienischen Stil spiegeln.“
Man erinnere sich dagegen an die illustre Riege deutscher Bahnchefs – von Hartmut Mehdorn bis Rüdiger Grube. Ob Ledersessel und Getränkehalter dort jemals eine Rolle spielten, darf bezweifelt werden.
Zahlen, die eine deutliche Sprache sprechen
Seit dem Markteintritt von Italo in Italien im Jahr 2012 habe sich die Taktfrequenz auf den Hauptstrecken verdreifacht, die Passagiernachfrage sei um ĂĽber 100 Prozent gestiegen. FĂĽr Deutschland wurde bereits ein milliardenschwerer Vertrag geschlossen:
- Drei Milliarden Euro fĂĽr 26 HochgeschwindigkeitszĂĽge von Siemens Mobility
- Option auf 14 weitere ZĂĽge
- Ein Instandhaltungsvertrag mit 30-jähriger Laufzeit, gewartet wird im Werk Dortmund
- Start 2028 auf den Korridoren München–Köln–Dortmund sowie München–Berlin–Hamburg
- 18 Städte, 1.300 Kilometer Streckennetz, 50 tägliche Verbindungen
Und immerhin: Ein Teil der Wertschöpfung bleibt im Land, die Züge stammen von Siemens, die Wartung erfolgt in Dortmund. Ein kleiner Lichtblick für den deutschen Industriestandort, der in Zeiten explodierender Energiekosten und ideologiegetriebener Wirtschaftspolitik jede gute Nachricht dringend nötig hat.
PĂĽnktlichkeit als Sehnsuchtsbegriff
Italo-CEO Gianbattista La Rocca habe versprochen, den deutschen Fahrgästen mehr Auswahl, häufigere Verbindungen, faire Preise und – man höre und staune – Pünktlichkeit zu bieten. Vier Klassen soll es geben, von einer günstigen vierten Klasse bis zur luxuriösen „Club Executive“, in der Mahlzeiten am Platz gereicht würden.
Dass ausgerechnet ein ausländischer Wettbewerber dem deutschen Reisenden nun jene Zuverlässigkeit in Aussicht stellt, die im eigenen Land zur Rarität geworden ist, ist eine schallende Ohrfeige für ein Land, das sich einst als Ingenieursnation feierte. Wenn Wettbewerb tatsächlich das bringt, was die Italiener versprechen, dann kann man ihnen nur zurufen: Kommen Sie schnell.
Ein Weckruf fĂĽr Deutschland
Diese Entwicklung ist mehr als eine Randnotiz aus der Verkehrspolitik. Sie zeigt exemplarisch, was ein Land verliert, wenn Monopole gehätschelt und Wettbewerb gescheut werden. Solide Werte, verlässliche Leistung und echter Qualitätsanspruch – all das kommt hierzulande zunehmend abhanden. Vielleicht braucht es tatsächlich einen italienischen Ferrari-Geist, um uns daran zu erinnern, wie es einmal war.
Wer in unsicheren Zeiten auf beständige Werte setzen möchte, tut ohnehin gut daran, sein Vermögen breit zu streuen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als krisensichere Beimischung eines gesunden Portfolios bewährt – ganz unabhängig davon, ob der nächste Zug pünktlich kommt oder nicht.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Meinung unserer Redaktion wieder und dient ausschließlich der allgemeinen Information. Er stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.
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