
Kalter Krieg 2.0: London verdoppelt Truppenpräsenz in der Arktis – und die Nato rüstet auf
Die Arktis wird zum neuen geopolitischen Pulverfass. Während sich die Welt auf Konfliktherde in der Ukraine und im Nahen Osten konzentriert, vollzieht sich im hohen Norden eine militärische Aufrüstung, die an die dunkelsten Tage des Kalten Krieges erinnert. Großbritannien hat nun angekündigt, die Zahl seiner in Norwegen stationierten Soldaten innerhalb von drei Jahren von rund 1.000 auf 2.000 zu verdoppeln. Ein Schritt, der die tektonischen Verschiebungen in der europäischen Sicherheitsarchitektur einmal mehr schonungslos offenlegt.
Moskaus Schatten über dem Polarkreis
Der britische Verteidigungsminister John Healey ließ bei seinem Besuch im sogenannten Camp Viking, einem Militärstützpunkt nördlich des Polarkreises, keinen Zweifel an der Dringlichkeit der Lage. Russland stelle die größte Bedrohung für die Sicherheit in der Arktis dar, die man seit dem Kalten Krieg gesehen habe, so Healey. Moskau errichte in der Region rasch wieder militärische Präsenz und reaktiviere alte Stützpunkte aus sowjetischer Zeit. Wer geglaubt hatte, die Zeiten der Konfrontation im ewigen Eis seien vorbei, wird eines Besseren belehrt.
Besonders alarmierend: Die Zahl russischer U-Boote in britischen Gewässern sei laut dem Verteidigungsministerium in London in den vergangenen zwei Jahren um satte 30 Prozent gestiegen. Damit befinde man sich wieder auf dem Niveau des Kalten Krieges. Unterwasserkabel und Pipelines – das Nervensystem der europäischen Energieversorgung und Kommunikation – gelten als besonders verwundbar.
Arctic Sentry: Die Nato formiert sich neu
Die Truppenverdopplung ist kein isolierter Vorstoß, sondern Teil der ambitionierten Nato-Initiative Arctic Sentry, die von der britischen Außenministerin Yvette Cooper vorgeschlagen wurde. Das Konzept orientiert sich an bestehenden Bündnisformaten wie Baltic Sentry und Eastern Sentry und soll Überwachung sowie Sicherheit in der arktischen Region massiv stärken. Healey werde die Pläne bei einem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel erörtern.
Bereits im März sollen 1.500 Royal Marine Commandos an der Nato-Übung Cold Response in Norwegen, Finnland und Schweden teilnehmen. Im September folgt die Übung Lion Protector unter britischer Führung der Joint Expeditionary Force, bei der Luft-, Land- und Seestreitkräfte mehrerer europäischer Staaten den Schutz kritischer Infrastruktur vor Angriffen und Sabotage trainieren – verteilt über Norwegen, Island und die dänischen Meerengen.
Der Grönland-Faktor
Pikant ist der bündnisinterne Kontext dieser Aufrüstung. US-Präsident Donald Trump hatte bekanntlich die autonome Arktisinsel Grönland, die zum dänischen Königreich gehört, für die USA reklamiert und europäischen Nato-Partnern zeitweise gedroht, andernfalls könnten Russland oder China die Kontrolle übernehmen. Eine Drohkulisse, die innerhalb des Bündnisses für erhebliche Verwerfungen gesorgt hat. Die Arctic-Sentry-Initiative dürfte daher auch als Signal der Europäer zu verstehen sein: Man ist durchaus in der Lage, die eigene Nordflanke selbst zu sichern – auch ohne amerikanische Alleingänge.
London rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht
Die britische Regierung hat darüber hinaus die größte dauerhafte Erhöhung der Verteidigungsausgaben seit dem Ende des Kalten Krieges angekündigt. Ab 2027 sollen diese 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Im Dezember hatten London und Oslo zudem das sogenannte Lunna-House-Abkommen unterzeichnet, das den gemeinsamen Betrieb einer Flotte von U-Boot-Jagdfregatten des Typs 26 sowie die Vorstationierung britischer Militärausrüstung in Norwegen vorsieht.
Während die Briten also ernst machen und ihre Verteidigungsfähigkeit konsequent ausbauen, darf man sich in Berlin die Frage stellen, wo Deutschland in diesem sicherheitspolitischen Wettlauf eigentlich steht. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung klingt auf dem Papier imposant, doch wie viel davon tatsächlich in schlagkräftige Verteidigungsfähigkeit fließt – und wie viel in bürokratische Verwaltungsapparate versickert –, bleibt abzuwarten. Die Bundeswehr, seit Jahren chronisch unterfinanziert und materiell ausgeblutet, hätte jedenfalls allen Grund, neidisch nach London zu blicken.
Eines steht fest: Die Arktis ist längst kein Ort der Stille mehr. Sie ist zum Schachbrett der Großmächte geworden. Und wer in diesem Spiel nicht mitzieht, wird zum Spielball der anderen.

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