
Kapital-Krieg in Zürich: SNB-Chef kontert UBS – Drohung mit Abwanderung verpufft

Die Fronten zwischen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der UBS verhärten sich zunehmend. Martin Schlegel, der neue starke Mann an der Spitze der SNB, hat die lautstarke Kritik der Großbank an den geplanten verschärften Eigenkapitalvorschriften kühl und bestimmt zurückgewiesen. In einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" machte er deutlich, dass er die Jammerarien aus dem UBS-Hauptquartier schlicht nicht nachvollziehen könne.
"Verhältnismäßig, gezielt, effektiv" – Schlegel lässt nicht locker
Die Vorschläge des Schweizer Bundesrats seien weder überzogen noch radikal, sondern schlicht notwendig, so Schlegel. Die UBS verfüge bereits heute – Reserven eingerechnet – über genügend Eigenkapital, um sämtliche angedachten Regeln zu erfüllen. Mit anderen Worten: Das Gezeter der Bank sei weitgehend Theaterdonner. Besonders die vollständige Kapitalunterlegung ausländischer Beteiligungen sei aus Sicht der Notenbank ein nicht verhandelbarer Grundpfeiler, um die Widerstandsfähigkeit systemrelevanter Institute zu sichern.
Der Hintergrund dieser Debatte ist brisant. Nach dem spektakulären Untergang der Credit Suisse im Frühjahr 2023 blieb die UBS als einzige wirklich global bedeutende Schweizer Großbank übrig – ein Koloss mit einer Bilanzsumme, die das schweizerische Bruttoinlandsprodukt weit übertrifft. Schlichtweg "too big to fail" in Reinkultur. Dass die Regierung in Bern nach diesem Desaster die Daumenschrauben anzieht, ist kein Akt der Schikane, sondern gesunder Selbstschutz eines ganzen Landes.
Die Abwanderungsdrohung – ein stumpfes Schwert
Die UBS hatte die Pläne als schlicht inakzeptabel gebrandmarkt und ganz offen mit einer Verlegung des Hauptsitzes ins Ausland gedroht. Eine klassische Einschüchterungsrhetorik, wie man sie aus vielen Branchen kennt, wenn unbequeme Regulierungen drohen. Doch Schlegel ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Kapitalvorschriften seien bei der Standortwahl nur ein Faktor unter vielen, erklärte er gelassen. Er gehe fest davon aus, dass die UBS auch künftig den Löwenanteil ihres Geschäfts in der Schweiz abwickeln werde. Eine bemerkenswert selbstbewusste Haltung, die in deutlichem Kontrast zur üblichen Kuschelpolitik deutscher Politiker gegenüber der eigenen Finanzindustrie steht.
Energiepreise und Stagflationsgespenst
Mit Blick auf das größere ökonomische Bild zeigte sich der SNB-Chef deutlich vorsichtiger. Die geopolitischen Konflikte und die daraus resultierenden hohen Energiepreise seien ein massiver Risikofaktor für die Schweizer Wirtschaft. Die entscheidende Frage sei, wie lange die Eskalationen andauerten und ob sich die Preise dauerhaft auf hohem Niveau einpendelten. Normalisierten sich die Notierungen rasch, blieben die Auswirkungen auf Inflation und Wachstum begrenzt. Hielten die Schocks jedoch an, drohten erhebliche Verwerfungen.
Für Warnungen vor einer handfesten Stagflation – also dem gefährlichen Cocktail aus stagnierendem Wachstum bei gleichzeitig steigenden Preisen – sei es aus Sicht Schlegels noch zu früh. Kritisch werde es allerdings, wenn sich Zweitrundeneffekte einstellten und sich Preissteigerungen breitflächig durch die Wirtschaft fräßen. Dann müssten Zentralbanken zwingend eingreifen.
Eine Lehre für deutsche Verhältnisse
Während die Schweiz ihre Finanzstabilität ernst nimmt und auch Großbanken nicht einfach am Nasenring durch die politische Arena führen lässt, präsentiert sich die deutsche Wirtschaftspolitik erneut als Lehrstück in Beliebigkeit. Die neue Berliner Koalition aus Union und SPD feiert sich für ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das künftige Generationen mit Zinslasten in historischem Ausmaß erdrücken wird – trotz vollmundiger Wahlversprechen von Friedrich Merz, keine neuen Schulden anzuhäufen. Solide Finanzpolitik sieht anders aus.
Genau in solchen Zeiten, in denen Banken um Privilegien feilschen, Regierungen Schulden auftürmen und geopolitische Konflikte die Energiemärkte durchrütteln, rücken bewährte Alternativen in den Fokus. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte hinweg als stabiler Anker bewährt, wenn Papierwerte ins Wanken gerieten. Als Beimischung eines breit gestreuten Portfolios bieten sie das, was kein Bankvorstand und keine Notenbank garantieren können: echte Substanz, die kein Parlament per Federstrich entwerten kann.
Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Einschätzungen stellen ausdrücklich keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst verpflichtet, eigenverantwortlich und mit gebotener Sorgfalt zu recherchieren oder einen qualifizierten Berater zu konsultieren, bevor er Anlageentscheidungen trifft. Für individuelle Entscheidungen und deren Folgen übernimmt unsere Redaktion keinerlei Haftung.

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