
Kapitalflucht nach China: Deutsche Unternehmen kehren der Heimat den Rücken zu
Während die deutsche Wirtschaft unter einer erdrückenden Bürokratielast ächzt und die Energiekosten in schwindelerregende Höhen klettern, stimmen immer mehr Unternehmen mit den Füßen ab. Die neuesten Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln offenbaren ein beunruhigendes Bild: Deutsche Firmen pumpen Milliarden in die Volksrepublik China – und ziehen gleichzeitig Kapital aus der Heimat ab.
Rekordinvestitionen in der Volksrepublik
Mehr als sieben Milliarden Euro an zusätzlichen Direktinvestitionen flossen im vergangenen Jahr nach China. Das ist der höchste Wert seit 2021 und liegt rund fünfzig Prozent über dem Vorjahr. Selbst der langfristige Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2024 von sechs Milliarden Euro wurde damit deutlich übertroffen. Jürgen Matthes, Leiter des Bereichs Internationale Wirtschaftspolitik am IW, bringt es auf den Punkt: Die deutschen Unternehmen bauen ihr Engagement in China mit wieder erhöhtem Tempo aus.
Doch was bedeutet das für den Wirtschaftsstandort Deutschland? Die Antwort ist so ernüchternd wie vorhersehbar: nichts Gutes. Während deutsche Konzerne ihre Gewinne in China reinvestieren – die IW-Studie beziffert diese auf rund zwölf Milliarden Euro –, fließt dieses Kapital eben nicht zurück in die heimische Wirtschaft. Es bleibt in der Volksrepublik, wo es neue Fabriken, Forschungszentren und Produktionsanlagen finanziert.
Die Strategie "China für China" – und ihre fatalen Folgen
Besonders alarmierend ist die zunehmende Verlagerung ganzer Wertschöpfungsketten. Immer mehr deutsche Unternehmen setzen auf die Strategie "China für China" oder gar "China für die Welt". Was das konkret bedeutet? Sie greifen verstärkt auf lokale Zulieferer zurück und verzichten auf Lieferungen aus Deutschland. Die Produktentwicklung geschieht zunehmend vor Ort, teilweise wird sogar neueste Forschung in der Volksrepublik angesiedelt.
"Das alles wird unsere Exportchancen nach China weiter verringern, die ohnehin schon stark unter den chinesischen Wettbewerbsverzerrungen leiden."
Diese Einschätzung des IW-Experten Matthes sollte jeden wirtschaftspolitisch Interessierten aufhorchen lassen. Denn während deutsche Unternehmen dem Druck Pekings nachgeben und ihre Produktion verlagern, verliert Deutschland nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch technologisches Know-how – und das unwiederbringlich.
USA verlieren an Attraktivität – Deutschland noch mehr
Interessanterweise zeigt die IW-Studie auch, dass die Investitionen deutscher Unternehmen in den USA unter der zweiten Amtszeit von Präsident Trump massiv eingebrochen sind. Von Februar bis November 2025 sanken die Direktinvestitionen um satte 45 Prozent auf rund 10,2 Milliarden Euro. Die protektionistische Zollpolitik Washingtons zeigt offenbar Wirkung – allerdings nicht zugunsten des Standorts Deutschland.
Denn statt das Kapital in die Heimat zurückzuholen, wandert es eben nach China. Ein Land, das nachweislich auf massive staatliche Subventionen setzt und dessen Währung gegenüber dem Euro deutlich unterbewertet ist. Beides führt dazu, dass chinesische Produktion künstlich verbilligt wird – zu Lasten der deutschen Industrie.
Hausgemachte Probleme verschärfen die Lage
Man muss kein Wirtschaftsexperte sein, um zu erkennen, dass die Kapitalflucht nach China auch hausgemachte Ursachen hat. Die jahrelange Vernachlässigung der Infrastruktur, eine überbordende Bürokratie, explodierende Energiekosten und eine Steuerlast, die international ihresgleichen sucht – all das macht Deutschland als Investitionsstandort zunehmend unattraktiv.
Die neue Bundesregierung unter Kanzler Merz hat zwar ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen für Infrastruktur angekündigt. Doch ob diese schuldenfinanzierte Maßnahme ausreicht, um den Trend umzukehren, darf bezweifelt werden. Die deutschen Unternehmen haben längst ihre Schlüsse gezogen – und investieren dort, wo die Rahmenbedingungen stimmen. Dass dies ausgerechnet das kommunistische China ist, sollte der Politik mehr als nur zu denken geben.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Deutschland verliert im globalen Standortwettbewerb an Boden. Und solange sich daran nichts ändert, werden weitere Milliarden in Richtung Osten fließen – während hierzulande Arbeitsplätze verschwinden und ganze Industriezweige abwandern.

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