
„Klare Kante“ vom BR: Beitragsgeld für einen Song gegen Israel?

Ein mit Rundfunkbeiträgen finanziertes Musikformat des Bayerischen Rundfunks hat am Mittwoch auf Instagram eine Münchner Band beworben, deren neuer Song Israel indirekt einen „Genozid“ vorwirft. Das berichtet ein Nachrichtenportal unter Berufung auf den Beitrag des BR-Kanals „Puls Startrampe“. Dass sich das Trio selbst dem linken Spektrum zuordnet, blieb dem Bericht zufolge unerwähnt.
Ein Lob, das Fragen aufwirft
Das Format soll Newcomer aus dem deutschsprachigen Raum bekannt machen – ein legitimer Auftrag. Diesmal traf es die Indie-Jazz-Band „Fruchtiger Beigeschmack“ und deren Single „Löschzug“.
Der BR-Post lobte den Titel demnach mit den Worten „inhaltlich klare Kante, musikalisch unwiderstehlich“. Zitiert wurde die Zeile „Sie schicken uns für ihr Geld in den Krieg“. Die unmittelbar folgende Passage, in der es heißt: „Und knüppeln auf uns ein, wenn wir sagen: ‚Genozid‘“, tauchte im Beitrag laut dem Bericht nicht auf.
Was im Song sonst noch steht
Auch weitere Textstellen blieben unerwähnt. In einer davon wird ironisch auf die Israel-Solidarität von Kanzler Friedrich Merz und dessen umstrittene „Stadtbild“-Äußerung angespielt:
„An der Front für den Frieden will ich euch sehen / Doch passt ihr nicht in das Stadtbild, dann müsst ihr gehen.“
Am Ende warnt die Band vor einem angeblich aufsteigenden Faschismus: „So hat's damals angefangen und es wird ähnlich weitergehen.“ Auf Instagram bezeichnen sich die Musiker dem Bericht zufolge selbst als „Zecken“ und „antifaschistisch“. Der BR-Post schloss stattdessen mit dem Aufruf, ein Like für Bands dazulassen, die ihren eigenen Weg gingen.
18,36 Euro im Monat – wofür genau?
Genau hier liegt der wunde Punkt. Der Rundfunkbeitrag von derzeit 18,36 Euro monatlich ist keine freiwillige Spende, sondern eine gesetzlich erzwungene Abgabe – für jeden Haushalt, ob er die Programme nutzt oder nicht. Im Gegenzug verpflichtet der Medienstaatsvertrag die Anstalten zu Ausgewogenheit und Vielfalt.
Aus Sicht unserer Redaktion wirft der Vorgang deshalb eine schlichte Frage auf: Hätte eine Band mit dezidiert konservativen oder gar rechten Slogans dieselbe wohlwollende Bühne bekommen – inklusive Prädikat „klare Kante“?
Der Vorwurf des Völkermords gegen Israel ist international hochumstritten und wird von der Bundesregierung zurückgewiesen. Dass ein beitragsfinanziertes Format ein Lied mit dieser Zuspitzung bewirbt, ohne die politische Verortung der Band einzuordnen, dürfte den Sender in Erklärungsnot bringen.
Vor dem BR war die taz
Interessant ist auch die Reihenfolge: Als erstes größeres Medium hatte die linke Tageszeitung taz die Band gefeiert und den Song laut dem Bericht als „Sommerhit zum Tänzchen gegen Merz“ überschrieben – das Trio bringe „linke Slogans und fluffigen Latinjazz“ zusammen. Der BR folgte kurz darauf.
Für viele Beitragszahler dürfte das ein vertrautes Muster sein. Kritiker des öffentlich-rechtlichen Systems bemängeln seit Jahren eine Schlagseite in Themenwahl und Tonlage. Solange die Zwangsabgabe fließt, bleibt ihnen wenig mehr als Empörung – und die Hoffnung, dass die Rundfunkräte ihrer Kontrollaufgabe endlich nachkommen.
Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.
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