
Korruptionsskandal erschüttert Kiews Machtzentrale: Selenskyjs rechte Hand vor dem Fall?
Die ukrainische Führung steht vor ihrer schwersten innenpolitischen Krise seit Kriegsbeginn. Ausgerechnet jetzt, wo das Land Stärke und Einheit demonstrieren müsste, durchsuchten Ermittler das Büro und die Privatwohnung von Andrij Jermak – dem mächtigsten Mann nach Präsident Wolodymyr Selenskyj. Der Zeitpunkt könnte kaum brisanter sein: Während Washington auf Friedensverhandlungen drängt, zerfällt die ukrainische Führungsriege im Korruptionssumpf.
Der Energoatom-Skandal: 100 Millionen Dollar im Visier der Ermittler
Im Zentrum der Ermittlungen steht die sogenannte "Operation Midas" beim staatlichen Atomkonzern Energoatom. Die Dimensionen des Skandals sprengen alle Vorstellungen: Etwa 100 Millionen Dollar sollen an Bestechungsgeldern geflossen sein. Als mutmaßlicher Drahtzieher gilt Timur Minditsch, ein enger Vertrauter Selenskyjs, der nach Bekanntwerden der Vorwürfe fluchtartig das Land verließ. Laut den Ermittlungsakten habe er seine "freundschaftlichen Beziehungen zum Präsidenten der Ukraine" schamlos ausgenutzt.
Besonders pikant: Nach Informationen ukrainischer Medien war eines der durch Korruptionsgelder finanzierten Luxusanwesen nahe Kiew für niemand anderen als Jermak selbst bestimmt. Die Zeitung Ukrainska Pravda berichtet unter Berufung auf Strafverfolgungskreise, dass Ermittler den Stabschef intern als "Ali Baba" bezeichnen – eine wenig schmeichelhafte Anspielung auf den Anführer der 40 Räuber.
Washingtons langer Arm oder innenpolitisches Machtspiel?
Der Zeitpunkt der Durchsuchungen wirft Fragen auf, die weit über einen gewöhnlichen Korruptionsfall hinausgehen. Sie erfolgten unmittelbar vor dem Besuch des US-Staatssekretärs Daniel Driscoll in Kiew. Nach verbreiteter Einschätzung soll er die ukrainische Führung zu Zugeständnissen beim amerikanischen Friedensplan bewegen – einschließlich eines möglichen Truppenabzugs aus dem Donbass.
Erst am Mittwoch hatte Jermak in einem Interview mit The Atlantic kategorisch erklärt: "Solange Selenskyj Präsident ist, sollte niemand damit rechnen, dass wir Territorium aufgeben." Diese rote Linie könnte Washington verärgert haben. Plötzlich ergibt das Timing der Razzia einen ganz anderen Sinn.
"Der Präsident sollte Jermak auf jeden Fall feuern. Dies wird die Art und Weise verändern, wie Selenskyj das Land führt – aber es sind gute Nachrichten."
So äußerte sich Yaroslav Schelesnjak, Parlamentarier der Oppositionspartei Holos. Die Opposition wittert Morgenluft und fordert personelle Konsequenzen.
Selenskyjs Dilemma: Zwischen Loyalität und politischem Überleben
Trotz massiver Rücktrittsforderungen hielt Selenskyj bisher eisern an seinem Stabschef fest. Noch vergangene Woche ernannte er ihn zum Leiter der ukrainischen Verhandlungsdelegation für die Friedensgespräche – eine Entscheidung, die selbst wohlwollende Beobachter erstaunte. War es ein verzweifelter Versuch, Jermak durch diplomatische Immunität vor strafrechtlicher Verfolgung zu schützen?
Ein Abgeordneter von Selenskyjs eigener Partei "Diener des Volkes" warnte anonym vor den Konsequenzen: Das politische System der Ukraine bewege sich "auf ein Worst-Case-Szenario zu". Ein Rücktritt Jermaks könnte "zum Zusammenbruch der gesamten Machtarchitektur führen, weil alles durch den Leiter des Präsidialamtes zusammengehalten wird".
Die internationale Perspektive: Vertrauensverlust bei den Partnern
Für die europäischen Partner präsentiert sich ein verheerendes Bild. Während sie Milliarden an Hilfsgeldern in die Ukraine pumpen, versickern offenbar erhebliche Summen in den Taschen korrupter Funktionäre. "Selenskyj muss aufräumen", forderte ein hochrangiger europäischer Diplomat gegenüber The Atlantic. "Und er sollte mit Jermak anfangen."
Die Glaubwürdigkeit der ukrainischen Führung steht auf dem Spiel – ausgerechnet in einem Moment, in dem das Land maximale internationale Unterstützung benötigt. Statt Einheit zu demonstrieren, versinkt die politische Elite in einem Sumpf aus Korruption und Machtintrigen.
Was kommt als Nächstes?
Daria Kaleniuk, Direktorin des Anti-Corruption Action Center, prognostiziert: Durchsuchungen erfolgten üblicherweise unmittelbar vor Anklageerhebungen. "Wir können daher heute oder sehr bald mit Anklagen gegen Andrij Jermak rechnen."
Der Energoatom-Skandal hat bereits mehrere Minister zu Fall gebracht, darunter die ehemalige Energieministerin Switlana Hryntschuk. Auch der heutige Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, wurde als Zeuge vorgeladen. Die Ermittlungen ziehen immer weitere Kreise und drohen, die gesamte Führungsriege zu erfassen.
Während die Ukraine um ihr Überleben kämpft, offenbart sich ein erschreckendes Bild: Eine politische Elite, die sich schamlos bereichert, während das Volk leidet. Die Durchsuchungen bei Jermak markieren möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Für Selenskyj wird es immer enger – seine Position erscheint schwächer denn je, ausgerechnet in einem Moment, in dem das Land Führungsstärke bräuchte.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob der ukrainische Präsident den Mut aufbringt, seinen engsten Vertrauten fallen zu lassen – oder ob er mit ihm untergeht. Eines steht fest: Die internationale Gemeinschaft schaut genau hin. Und ihre Geduld ist nicht unendlich.
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