
Krankenkassen planen drastische Kürzungen bei Psychotherapie – Ärzte schlagen Alarm

Die finanzielle Schieflage des deutschen Gesundheitssystems nimmt immer groteskere Züge an. Während die Beitragszahler Jahr für Jahr tiefer in die Tasche greifen müssen, planen die gesetzlichen Krankenkassen nun offenbar einen Kahlschlag ausgerechnet bei der psychotherapeutischen Versorgung. Ein Zehntel der Honorare soll gestrichen werden – und das in einer Zeit, in der die psychische Belastung der Bevölkerung auf Rekordniveau liegt.
Zehn Prozent weniger für Therapeuten – die Rasenmähermethode der Kassen
Nach Informationen des Deutschen Ärzteblattes beabsichtigt der GKV-Spitzenverband, die Vergütungen für psychotherapeutische Leistungen pauschal um satte zehn Prozent zu kürzen. Im offiziellen Beschluss vom Januar ist zwar verschleiernd nur von einer „Überprüfung" die Rede, doch hinter den Kulissen scheint die Sache längst beschlossen. Bereits im März soll der Hammer fallen.
Das Deutsche Psychotherapeuten-Netzwerk bestätigt diese beunruhigenden Informationen. Dem Verband liegt ein Schreiben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen vor, das die Pläne der Kassenseite schwarz auf weiß dokumentiert. Der GKV-Spitzenverband selbst hüllt sich in vielsagendes Schweigen – weder Dementi noch Bestätigung.
Kassenärztliche Bundesvereinigung spricht Klartext
Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, findet deutliche Worte für das Vorgehen der Kassen. Er wirft ihnen eine „Rasenmähermethode" vor und bezeichnet das Gebaren als „Unart", die beim GKV-Spitzenverband „leider Methode geworden" sei. Die Kritik sitzt, denn sie trifft einen wunden Punkt: Hier wird nicht differenziert, hier wird nicht nach Qualität oder Bedarf gefragt – hier wird schlicht und ergreifend gekürzt.
„Wenn zehn Prozent der Einkünfte wegfallen, werden viele Kolleginnen und Kollegen lieber Privatpatienten nehmen."
Diese Warnung von Dieter Adler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Psychotherapeutischen Netzwerks, sollte jeden gesetzlich Versicherten aufhorchen lassen. Die ohnehin schon katastrophalen Wartezeiten auf einen Therapieplatz – nicht selten mehrere Monate – dürften sich weiter verschärfen.
Explodierende Kosten, steigende Beiträge – und nun Leistungskürzungen
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die Ausgaben für psychotherapeutische Versorgung haben sich in den letzten zehn Jahren um 83 Prozent erhöht. Im Jahr 2025 wurden knapp 4,6 Milliarden Euro aufgewandt – etwa zehn Prozent der gesamten Ausgaben für vertragsärztliche Versorgung. Der Bedarf ist also nachweislich gestiegen, und dennoch soll ausgerechnet hier der Rotstift angesetzt werden.
Gleichzeitig mussten Millionen Versicherte zum Jahreswechsel 2026 erneut höhere Beiträge schlucken. 42 von 93 gesetzlichen Krankenkassen haben die Beiträge erhöht, der durchschnittliche Zusatzbeitrag stieg auf 3,36 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens. Die Versicherten zahlen also mehr und bekommen weniger – ein Geschäftsmodell, das in der freien Wirtschaft wohl kaum Bestand hätte.
Regierung Merz: Große Versprechen, magere Ergebnisse
Die Bundesregierung unter Kanzler Merz hatte vollmundig Reformen angekündigt, um den immerwährenden Beitragsanstieg zu bremsen. Ein Sparpaket wurde vor Weihnachten durch den Bundesrat gepeitscht, das vor allem Kosten in Kliniken senken sollte. Doch die Kassen halten das Paket für zu klein – und erhöhen munter weiter die Beiträge. Von einer nachhaltigen Gesundheitspolitik kann hier wohl kaum die Rede sein.
Dieter Adler bringt es auf den Punkt: Es handele sich um einen „vorsätzlichen Sparbeschluss auf dem Rücken psychisch erkrankter Menschen". In einer Zeit, in der die gesellschaftlichen Belastungen durch wirtschaftliche Unsicherheit, Inflation und soziale Spannungen zunehmen, ist diese Politik nicht nur kurzsichtig – sie ist, wie Adler treffend formuliert, „unverantwortlich".
Die Kassen senden damit ein fatales Signal an alle Therapeutinnen und Therapeuten, die unter schwierigen Bedingungen ihr Bestes geben. Und sie senden ein noch fataleres Signal an die Millionen Menschen, die auf psychotherapeutische Hilfe angewiesen sind: Eure Gesundheit ist uns weniger wert als die Bilanzen.

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