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Kettner Edelmetalle
05.08.2026
17:04 Uhr
KI-generiert

Kupfer explodiert auf Rekordhoch: Wenn Zollpoker und Versorgungskollaps aufeinandertreffen

Kupfer explodiert auf Rekordhoch: Wenn Zollpoker und Versorgungskollaps aufeinandertreffen
Symbolbild: KI-generiert

Es gibt Rohstoffe, die keine Schlagzeilen brauchen, um die Welt zu bewegen – und dann gibt es Kupfer. Am Mittwoch kletterte das rote Metall an der Comex in New York auf ein neues Allzeithoch: 6,7045 US-Dollar pro Pfund, umgerechnet rund 14.781 Dollar je Tonne. Das alte Rekordhoch von Mitte Mai ist damit Geschichte. Seit Jahresbeginn hat Kupfer in New York etwa 17 Prozent zugelegt, im Zwölfmonatsvergleich sind es über 50 Prozent. Wer noch glaubt, Inflation sei ein vorübergehendes Phänomen, sollte sich diese Zahlen in Ruhe ansehen.

Zollarbitrage schlägt Fundamentaldaten

Der Treiber ist kein Konjunkturwunder, sondern politische Willkür. Washingtons Entscheidung über Kupferzölle ist mehr als einen Monat überfällig. Die Frist des Handelsministeriums, bis Ende Juni eine Empfehlung zu stufenweisen Abgaben auf raffiniertes Kupfer vorzulegen – 15 Prozent ab Januar 2027, 30 Prozent ein Jahr später – verstrich ohne Ergebnis. Gleichzeitig prüft die Administration, die bestehenden 50-Prozent-Zölle auf Halbfertigwaren auf Rohmetall auszuweiten, und will 14 weitere Produktkategorien unter Section 232 stellen.

Händler warten nicht ab. Über 200.000 Tonnen Kupfer erreichten im Juli US-Häfen – der stärkste Monatszufluss seit Beginn der Erhebungen 2014. Die Comex-Lager schwellen um mehr als 40 Prozent auf Rekordniveau, der gesamte US-Bestand dürfte weit über einer Million Tonnen liegen. In London notiert Kupfer bei 14.050 Dollar, der Markt ist in Backwardation gekippt: Kassaware kostet über 100 Dollar mehr als Dreimonatsmetall.

Die Zollarbitrage regiert – nicht das Nachfragewachstum.

Der eigentliche Skandal liegt in der Lieferkette

Während Politiker Zolltabellen basteln, bricht die Versorgung real weg. Die fünfmonatige Sperrung der Straße von Hormus hat rund die Hälfte der seewärtigen Schwefellieferungen aus dem Golf gekappt. Zusammen mit Chinas Exportverbot fehlt etwa ein Viertel der globalen Schwefelsäure – genau jener Stoff, der im SX-EW-Verfahren mehr als 15 Prozent der Weltkupferproduktion ermöglicht. Der Kongo produziert damit rund 1,5 Millionen Tonnen jährlich, Chile etwa 1,2 Millionen. Manche Betriebe haben nur noch 30 bis 60 Tage Säurevorräte.

Und in Chile stoppte Codelco die Erweiterung Andes Norte im El Teniente, der größten Untertage-Kupfermine der Welt, nach Hinweisen auf ein bislang unbekanntes seismisches Phänomen. Vor einem Jahr starben dort sechs Arbeiter bei einem Gebirgsschlag. Der Aufsichtsratsvorsitzende räumte ein, es gebe „keine Möglichkeit", das Produktionsziel von 1,7 Millionen Tonnen in vier bis fünf Jahren zu erreichen.

Konzerne kassieren, Verbraucher zahlen

Die Gewinner stehen fest: Glencore meldete ein um 86 Prozent auf 10,1 Milliarden Dollar gesprungenes bereinigtes EBITDA – kriegsgetriebene Handelsgewinne inklusive. Anglo American, Antofagasta, BHP, Rio Tinto, Freeport-McMoRan – alle im Plus. Die Zeche zahlen jene, die Kupfer tatsächlich verbauen müssen: Elektroinstallateure, Maschinenbauer, Netzbetreiber. Ausgerechnet in Deutschland, wo die Politik eine Energiewende mit gigantischem Kupferhunger dekretiert hat, ohne je zu fragen, woher das Metall kommen soll. Wer Milliarden in Netzausbau und Elektrifizierung schaufelt, während der Rohstoff sich verdoppelt, betreibt keine Industriepolitik, sondern teures Wunschdenken.

Der Blick auf die harte Währung

Bezeichnend ist, was parallel passiert: Gold notiert bei rund 4.713 Dollar je Unze, Silber sprang um über sieben Prozent auf etwa 75,50 Dollar, Platin steht bei knapp 1.974 Dollar. Die Märkte sprechen eine deutliche Sprache. Wenn Regierungen Handelsströme per Dekret umlenken, Meerengen blockiert werden und Produktionsziele wie Seifenblasen zerplatzen, dann fließt Kapital dorthin, wo kein Politiker nachträglich die Regeln ändern kann. Physische Edelmetalle sind kein Versprechen auf Papier, sondern greifbarer Besitz – ein Gedanke, der in Zeiten von 500-Milliarden-Sondervermögen und grundgesetzlich verankerten Klimazielen an Attraktivität gewinnt.

Ob die Straße von Hormus tatsächlich in Tagen wieder öffnet, wie in Washington angedeutet wurde, bleibt offen. Selbst wenn: Für Teile der Kupfer-Lieferkette käme die Entspannung zu spät. Prognostiker rechnen mit strukturellen Defiziten bis ins nächste Jahrzehnt.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene sorgfältige Recherche und liegt in der ausschließlichen Verantwortung des Anlegers. Kurse und Marktentwicklungen können erheblich schwanken; Verluste sind möglich. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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