
Lebenslang für den Baulöwen – und Chinas Häuserpreise stürzen weiter

Ein Gericht in Shenzhen hat den Gründer des einst größten chinesischen Bauträgers Evergrande, Hui Ka Yan, zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil fiel in der vergangenen Woche, sein gesamtes Privatvermögen wurde eingezogen. Doch der Immobilienmarkt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt kennt trotzdem nur eine Richtung: abwärts.
Sechs Jahre Talfahrt – und kein Boden in Sicht
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, fallen Preise, Verkäufe und Bautätigkeit auch sechs Jahre nach Beginn der Krise weiter. In kleineren Städten im Landesinneren liegen die Preise für Bestandswohnungen demnach knapp ein Viertel unter dem Niveau von 2020. Ein Ende der Abwärtsbewegung sei nicht absehbar.
Ein 38-jähriger Wohnungseigentümer aus der Provinz Shandong schilderte der Agentur, seine 2019 gekaufte Wohnung habe rund 25 Prozent an Wert verloren. Auf der Plattform Weibo sammelte das Thema laut Reuters am Donnerstag mehr als 370 Millionen Aufrufe. Der Frust sitzt tief – und das in einem Land, in dem laut Branchenanalysen rund 70 Prozent des Vermögens städtischer Haushalte in Betongold stecken.
Bilanzen aufgebläht, Schulden verschleiert
Das Mittlere Volksgericht Shenzhen verurteilte den 67-Jährigen unter anderem wegen Veruntreuung und Bestechung. Nach Angaben des Gerichts hatte er sich bereits im April in mehreren Punkten schuldig bekannt – darunter illegale Einlagengeschäfte, Betrug beim Einwerben von Anlegergeldern und Untreue.
Die Richter sprachen laut der staatlichen Zeitung Global Times von Taten mit besonders schwerem gesellschaftlichem Schaden. Zwischen 2016 und 2021 sollen Konzern und Gründer Bilanzen massiv aufgebläht und Verbindlichkeiten verschleiert haben. Evergrande ist Reuters zufolge seit 2021 mit über 300 Milliarden US-Dollar zahlungsunfähig.
Laut der South China Morning Post wurden 56 weitere Personen zu Haftstrafen zwischen 22 Monaten und 18 Jahren verurteilt, darunter zwei Söhne des Verurteilten. Der chinesische Ableger der Prüfgesellschaft PwC war bereits 2024 für sechs Monate gesperrt und mit rund 441 Millionen Yuan – etwa 65,6 Millionen US-Dollar – belegt worden, weil er nach Feststellung der Behörden bei der Verschleierung geholfen habe.
Peking setzt auf Chips statt Beton – Europa zahlt mit
Die chinesische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal nach Reuters-Angaben um 4,3 Prozent – so langsam wie seit über drei Jahren nicht. Weil die Binnennachfrage lahmt, setzt Peking auf Export. Der Handelsüberschuss habe sich seit 2019 mehr als verdoppelt.
Genau das schürt in Brüssel und Washington die Angst vor einem zweiten Chinaschock: billige Ausfuhren, die heimische Industrien verdrängen. Für deutsche Mittelständler, ohnehin gebeutelt von Energiepreisen und Bürokratie, wäre das der nächste Schlag.
Präsident Xi Jinping lenke Kredite und Staatshilfen von der Bauwirtschaft in Robotik und Halbleiter um, so Reuters. Diese Branchen seien aber zu klein, um den Wegfall des Wohnungsbaus aufzufangen. Nach dem Kollaps der meisten privaten Bauträger dominierten inzwischen Staatskonzerne den Markt.
Wie tief geht es noch?
Die Analysten streiten. Sam Radwan von Enhance International erwartet laut Reuters, dass der Abbau unverkaufter Wohnungen rund 18 Monate dauere – und die Preise vom Niveau 2025 nochmals um 40 Prozent fallen müssten. Christopher Beddor von Gavekal Dragonomics rechnet eher mit einer zähen, schleppenden Korrektur.
Die Lehre für Anleger ist unbequem: Auch vermeintlich unerschütterliche Sachwerte können jahrelang schrumpfen, wenn Politik und Kreditblase gemeinsam versagen. Wer Vermögen sichern will, sollte breit streuen – physische Edelmetalle sind dabei seit Jahrhunderten eine bewährte Beimischung ohne Gegenparteirisiko.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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