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Lehrer-Ausbildung auf Abwegen: Minister rechnet mit den Unis ab!

Lehrer-Ausbildung auf Abwegen: Minister rechnet mit den Unis ab!
Symbolbild: KI-generiert

Offener Streit um die Lehrerausbildung: Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel (CDU) wirft den Universitäten des Landes vor, angehende Lehrer mit Fachstoff zu überladen und so massenhaft aus dem Studium zu treiben. Die Universität Halle hält die Vorwürfe für unbegründet. Das Problem ist dabei längst in den Klassenzimmern angekommen.

„Gnadenlos ausgesiebt“

Riedel sparte im Gespräch mit der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung nicht mit deutlichen Worten. Die Lehramtsstudenten würden mit Fachinhalten überfrachtet, sagte der Minister. Wörtlich fügte er hinzu: „Da wird gnadenlos ausgesiebt.“

Die Folge dieser Gewichtung sei nach seiner Darstellung eine „enorme Zahl an Abbrechern“. Junge Menschen also, die eigentlich vor einer Klasse stehen wollten und die das Land dringend bräuchte. Sie scheitern auf halber Strecke, und das nicht an mangelnder Motivation, sondern womöglich an Lehrplänen, die am Berufsalltag vorbeigehen.

Pädagogik bleibt auf der Strecke

Was nach Ansicht des Ministers zu kurz kommt, sind die Werkzeuge, die im Unterricht tatsächlich gebraucht werden. Fachdidaktik, Pädagogik und Psychologie hätten an den Hochschulen einen zu geringen Stellenwert, beklagt Riedel. Seine Zuspitzung lautet:

„Dabei brauchen wir in den Schulen Lehrkräfte, die für den Unterricht brennen und niemanden, der neue Lösungen für mathematische Probleme findet.“

Viele Eltern dürften da nicken. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein brillanter Fachmann vor einer unruhigen achten Klasse kapituliert, ahnt, worauf Riedel hinauswill. Wissen allein macht noch keinen guten Lehrer. Wissen vermitteln zu können, ist eine eigene Kunst.

Die Uni hält dagegen

An der Universität Halle sieht man das völlig anders. Torsten Fritzlar, Direktor des dortigen „Zentrums für Lehrer*innenbildung“, betont, es handle sich um ein wissenschaftliches Studium. Dafür seien fundierte fachwissenschaftliche Kenntnisse unerlässlich.

Außerdem verweist Fritzlar auf die Kultusministerkonferenz. Für den Umfang der Fächer gebe es Vorgaben der KMK, die man einhalten müsse, da die Abschlüsse sonst nicht anerkannt würden. Nach Angaben der Universität machen die eigentlichen Fachinhalte etwa im Fach Mathematik für das Gymnasiallehramt rund ein Drittel des Studiums aus.

Ein Lehrstück deutscher Zuständigkeitswirrnis

Genau hier liegt der Knackpunkt, und der ist typisch deutsch. Das Ministerium schimpft auf die Unis, die Unis zeigen auf die KMK. In der Kultusministerkonferenz sitzen aber wiederum die Minister der Länder. Am Ende ist jeder zuständig und keiner verantwortlich. Den Preis zahlen die Schüler.

Der Mangel ist längst Alltag

Wie dramatisch die Lage ist, zeigen die Zahlen. Medienberichten zufolge versucht das Land derzeit, 338 offene Lehrerstellen zu besetzen. Die Unterrichtsversorgung lag nach Angaben des Ministeriums zuletzt bei 93,7 Prozent. Rein rechnerisch fällt also etwa jede 16. Stunde aus.

Angestrebt waren laut Koalitionsvertrag eigentlich 103 Prozent, damit Krankheitsausfälle aufgefangen werden können. Davon ist Sachsen-Anhalt weit entfernt. Schon jetzt arbeiten viele Lehrkräfte freiwillig Zusatzstunden, damit der Betrieb überhaupt läuft.

Leistung ja, aber die richtige

Niemand will Lehrer, die ihr Fach nur halb beherrschen. Leistung muss sich auch im Lehramtsstudium lohnen. Doch die Frage ist, welche Leistung verlangt wird. Ein künftiger Grundschul- oder Sekundarschullehrer muss Kinder begeistern, Konflikte lösen und Eltern überzeugen können. Abstrakte Beweisführung auf Forscherniveau gehört nicht zwingend dazu.

Riedels Vorstoß ist deshalb mehr als ein Behördenzank. Er legt offen, wie weit sich die akademische Ausbildung von der Realität in den Schulen entfernt hat. Ob den deutlichen Worten auch Reformen folgen, ist offen. Jeder Studienabbrecher, der eigentlich Lehrer werden wollte, ist ein Verlust, den sich das Land nicht leisten kann.

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