
Marathon im Sprinttempo: Kann Europa sich ohne Amerika schützen?

Europas Sicherheitsordnung bekommt immer tiefere Risse. Die Sicherheitsexpertin Jana Puglierin, Leiterin des Berliner Büros der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR), zeichnet in einem aktuellen Interview ein ernüchterndes Bild: Russland lasse sich zwar abschrecken, doch ohne die USA stehe der Kontinent militärisch weiter blank da. Auf Europa kämen Jahre der Dauerbelastung zu.
Applaus in München, Ernüchterung danach
Ausgangspunkt ihrer Analyse ist die Münchner Sicherheitskonferenz vom Februar. Dort habe es stehende Ovationen und viel zur Schau getragene Einigkeit gegeben, berichtet Puglierin. Darunter aber verschiebe sich das transatlantische Verhältnis grundlegend.
Die Rede von US-Außenminister Marco Rubio sei für viele Teilnehmer kein neues strategisches Angebot gewesen. Washington habe lediglich freundlicher verpackt, was es schon vorher gesagt hatte. Medienberichten zufolge beschwor Rubio das gemeinsame Erbe der „westlichen Zivilisation“, warf Europa Fehler bei Freihandel und Massenmigration vor und verlangte von den Verbündeten „Ernsthaftigkeit“. Ein Jahr zuvor hatte Vizepräsident J.D. Vance an gleicher Stelle noch einen offenen Eklat ausgelöst.
Bemerkenswert sei laut Puglierin, was fehlte: Russland sei in den amerikanischen Wortmeldungen kaum vorgekommen, und auch die NATO-Beistandsgarantie sei nicht ausdrücklich betont worden. Die Botschaft an Europa klingt eindeutig: Kümmert euch selbst.
Ukraine: Ermüdung in der entscheidenden Phase
Paradox findet die Politologin die nachlassende Aufmerksamkeit für den Ukraine-Krieg. Ausgerechnet jetzt, da die Front weitgehend stillstehe, die Verluste stiegen und die Zukunft des Landes offen sei, habe die Dringlichkeit spürbar abgenommen.
Ihre Bilanz fällt nüchtern aus. Moskau habe seine Kriegsziele verfehlt und enorme Verluste erlitten, militärisch, wirtschaftlich und demografisch. Kiew wiederum sei es nicht gelungen, die besetzten Gebiete zurückzuerobern. Am Ende, so Puglierin, entscheide die Ausdauer.
Eine Zahl dürfte deutsche Steuerzahler aufhorchen lassen. Die Hilfe für die Ukraine ruhe laut Puglierin auf den Schultern weniger Länder: Deutschland, die nordischen Staaten und die Niederlande trügen einen Großteil der Last, andere Europäer hielten sich deutlich zurück. Wieder einmal zahlt Berlin, während andere zusehen. Von europäischer Solidarität kann da kaum die Rede sein.
Abschreckung statt Wunschdenken
Ist Russland abschreckbar? Puglierin antwortet mit einem klaren Ja. Moskau gehe zwar hohe Risiken ein, habe aber das Bündnisgebiet der NATO bislang nicht direkt angegriffen. Das strategische Ziel des Kremls reiche jedoch weit über die Ukraine hinaus: Es gehe um eine Art Vetorecht über Europas Sicherheitsentscheidungen.
Ein schnelles Ende der Konfrontation erwartet die Expertin deshalb nicht, auch nicht bei eingefrorenen Fronten. Wahrscheinlicher sei eine lange Phase, in der Abschreckung und Risikomanagement den Ton angeben.
Die offene Flanke
Genau hier liegt das Problem. Bei Aufklärung, strategischem Lufttransport, Luftbetankung, nuklearer Abschreckung und der Führung großer Operationen hänge Europa nach Puglierins Analyse weiterhin am Tropf der USA. Diese Lücken ließen sich nicht über Nacht schließen.
Die Expertin rechnet künftig mit flexiblen „Koalitionen der Willigen“ statt großer EU-Lösungen. Das mag manchem Brüsseler Zentralisten missfallen, dürfte aber realistischer sein als jede neue Mammutbehörde.
Was das für Bürger und Sparer bedeutet
Puglierins Fazit ist drastisch. Die nächsten Jahre glichen einem Marathon, der im Sprinttempo gelaufen werden müsse: aufrüsten, die Wirtschaft stabilisieren und gesellschaftliche Spannungen aushalten, und zwar alles gleichzeitig.
Für die Bürger heißt das vor allem eines: Die Rechnung kommt. Steigende Verteidigungsausgaben treffen in Deutschland auf das 500-Milliarden-Sondervermögen und eine ohnehin schwächelnde Wirtschaft. Wer in einer solchen Lage Vermögen schützen will, sollte über Krisenvorsorge nachdenken. Physisches Gold und Silber haben sich in geopolitisch unruhigen Zeiten über Jahrhunderte als stabiler Anker bewährt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie eine sinnvolle Ergänzung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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