
Media Markt streicht Stellen – trotz Rekordkasse und China-Deal

Die Umsätze sprudeln, die Prognose wurde angehoben – und trotzdem sollen bei Media Markt und Saturn Arbeitsplätze verschwinden. Die Elektronikkette mit rund 17.000 Beschäftigten in Deutschland plant nach Informationen der Gewerkschaft Verdi einen Personalabbau, gestaffelt "je nach Marktgröße". Parallel wartet die Düsseldorfer Muttergesellschaft Ceconomy auf grünes Licht aus Brüssel für die Übernahme durch den chinesischen Onlineriesen JD.com.
Gute Zahlen, schlechte Nachrichten für die Belegschaft
Die Rechnung geht für viele Mitarbeiter nicht auf: In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres liefen die Geschäfte gut. Für das Gesamtjahr stellt der Konzern Medienberichten zufolge ein bereinigtes operatives Ergebnis von rund 500 Millionen Euro in Aussicht – etwa doppelt so viel wie im Vorjahr, bei einem Konzernumsatz in der Größenordnung von gut 22 Milliarden Euro.
Das Unternehmen selbst spricht davon, mehr "Kundennähe" schaffen zu wollen, mehr Kapazitäten in Beratung, Verkauf und Service zu stecken. Dafür brauche es "klarere Verantwortlichkeiten und einfachere Strukturen". Übersetzt: Führungs- und Koordinierungsebenen sollen schrumpfen, die Arbeit verteilt sich auf weniger Schultern.
Verdi erhebt schwere Vorwürfe zum Verfahren
Besonders die Methode stößt der Dienstleistungsgewerkschaft sauer auf. Betroffene Angestellte seien laut Verdi "kurzfristig und ohne Vorankündigung" zu Gesprächen über Aufhebungsverträge gebeten worden. In einem Flugblatt heißt es:
Wer nicht schnell unterschreibt, soll finanzielle Nachteile haben.
Verdi warnt Beschäftigte ausdrücklich davor, vorschnell zu unterschreiben. Und die Gewerkschaft stellt einen Zusammenhang zum China-Deal her: Erwarteten Investoren oder neue Eigentümer höhere Renditen, werde erfahrungsgemäß zuerst beim Personal gespart.
Peking, Brüssel, Wien – ein Deal unter Dauerbeobachtung
Ceconomy widerspricht. Durch die Transaktion mit JD.com würden keine Arbeitsplätze abgebaut, teilte der Konzern mit. Ein klares Bekenntnis zur Beschäftigungssicherung klingt anders. Konzernchef Remko Rijnders betont, man lasse sich von JD.com nicht vorschreiben, ob und wo Stellen gestrichen würden. JD.com hatte im Vorjahr laut Verdi zugesagt, das Filialnetz mindestens drei Jahre zu erhalten, Arbeitsplätze zu sichern und die Tarifbindung zu achten.
Der Zeitdruck ist erheblich: Die Frist für das Angebot – geboten werden 4,60 Euro je Aktie, was Ceconomy mit rund 2,2 Milliarden Euro bewertet – läuft am 10. November aus. Fehlen bis dahin die behördlichen Freigaben, sei der Deal nach Rijnders' Worten hinfällig. Die EU-Kommission prüft seit über einem Jahr, ob der Kauf mit chinesischen Staatsgeldern finanziert würde – nach EU-Recht wären das unzulässige, wettbewerbsverzerrende Subventionen. Peking wirft Brüssel vor, "umfangreiche und unnötige Informationen" zu verlangen, und droht mit Gegenmaßnahmen. In Österreich läuft zusätzlich eine Investitionsprüfung mit Blick auf öffentliche Ordnung und nationale Sicherheit.
Was der Fall über den Standort verrät
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Vorgang zweierlei: Deutsche Traditionsmarken werden zu Übernahmezielen, wenn heimisches Kapital fehlt und Bürokratie Wachstum bremst. Und selbst profitable Handelsketten sehen im teuersten Standort Europas den Rotstift beim Personal als erste Stellschraube. Für Beschäftigte heißt das: Sicherheit gibt es nicht auf dem Papier, sondern nur durch eigene Vorsorge.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene Recherche und liegt in der Verantwortung des Anlegers.
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