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Kettner Edelmetalle
06.02.2026
07:34 Uhr

Merz auf LNG-Jagd am Golf: Moralische Doppelmoral oder pragmatische Realpolitik?

Während Deutschland sich noch immer von den Nachwehen der Energiekrise erholt, begibt sich Bundeskanzler Friedrich Merz auf eine Reise, die bei Energieexperten für erhebliches Stirnrunzeln sorgt. Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate – ausgerechnet jene Staaten, deren Menschenrechtsbilanz regelmäßig internationale Kritik auf sich zieht, sollen nun als neue Gaslieferanten herhalten. Die Ironie könnte kaum größer sein.

Vom Regen in die Traufe: Russisches Gas war böse, Golf-Gas ist gut?

Thomas Geisel, ehemaliger Erdgas-Manager und früherer Oberbürgermeister von Düsseldorf, bringt das Dilemma auf den Punkt: Wer russische Gasimporte mit moralischen Argumenten beendet habe, müsse sich fragen lassen, welche Maßstäbe er bei Katar oder Saudi-Arabien anlege. Eine unbequeme Wahrheit, die der Bundeskanzler offenbar geflissentlich ignoriert. Denn während man Moskau wegen des Ukraine-Krieges ächtet, scheinen die Golfstaaten trotz ihrer fragwürdigen Menschenrechtspraktiken, ihres Umgangs mit Opposition und ihrer regionalen Machtpolitik plötzlich akzeptable Partner zu sein.

Die Bundesregierung argumentiert, man wolle die Abhängigkeit von amerikanischem LNG reduzieren. Ein nachvollziehbares Anliegen, bedenkt man die unberechenbaren Zolldrohungen aus Washington und die zunehmenden Spannungen mit der Trump-Administration. Doch die Lösung, die Merz präsentiert, wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

Zahlen, die relativieren – aber nicht beruhigen

Fairerweise muss man einräumen: Die aktuelle Abhängigkeit von US-LNG ist bei weitem nicht so dramatisch wie einst jene von russischem Pipelinegas. Zwar stammten im vergangenen Jahr stolze 96 Prozent der deutschen LNG-Importe aus den Vereinigten Staaten, doch das entspricht lediglich etwa zehn Prozent der gesamten Gasimporte. Im Vergleich dazu bezog Deutschland 2021 noch rund 55 Prozent seines Gases aus Russland über Nord Stream.

Dennoch bleibt die grundsätzliche Frage bestehen: Schafft man nicht einfach nur neue Abhängigkeiten, anstatt die alten zu überwinden? Geisel, der in seiner Zeit bei Ruhrgas stets darauf achtete, dass der Russland-Anteil nie über ein Drittel stieg, mahnt zur Diversifizierung – aber mit Augenmaß und Konsequenz.

Klimaziele versus Langzeitverträge: Ein unlösbarer Widerspruch

Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung warnt vor einem weiteren Problem: LNG-Verträge mit den Golfstaaten werden typischerweise über Laufzeiten von 20 Jahren und mehr abgeschlossen. Deutschland hat sich jedoch verpflichtet, LNG-Importe spätestens ab 2043 zu beenden. Wie passt das zusammen? Gar nicht, könnte man meinen.

Hinzu kommt der Kostenfaktor. LNG ist und bleibt teurer als Pipelinegas. Verflüssigung, Transport über die Weltmeere und Rückvergasung verschlingen enorme Mengen Energie. Die deutschen Verbraucher und die heimische Industrie werden diese Rechnung bezahlen müssen – und zwar dauerhaft.

Warum nicht Kanada oder Australien?

Eine naheliegende Frage drängt sich auf: Wenn es schon um die Reduzierung geopolitischer Risiken geht, warum sucht Merz seine Alternativen ausgerechnet am Golf? Kanada und Australien wären politisch deutlich verlässlichere Partner, mit denen man grundlegende demokratische Werte teilt. Dort ließe sich perspektivisch sogar grüner Wasserstoff beziehen, ohne die moralischen Verrenkungen, die der Golfkurs mit sich bringt.

„Was wir derzeit sehen, ist kein konsistenter Energiepfad, sondern ein politischer Spagat."

Diese Einschätzung Geisels trifft den Nagel auf den Kopf. Der Ausstieg aus russischem Gas hat neue Widersprüche geschaffen, die Merz' Reise in den Golf nicht löst, sondern lediglich verschiebt. Gleichzeitig konterkariert der Bundeskanzler damit die Vereinbarung, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erst im Juli mit Präsident Trump getroffen hatte – nämlich langfristig große Mengen US-LNG abzunehmen.

Ein Kanzler zwischen Profilierung und Prinzipienlosigkeit

Man kann Merz zugutehalten, dass er sich als führungsstarker europäischer Politiker profilieren möchte. In Zeiten, in denen die transatlantischen Beziehungen auf dem Prüfstand stehen und Trump mit seinen Zolldrohungen und Grönland-Fantasien für Unruhe sorgt, ist ein gewisses Maß an Eigenständigkeit durchaus wünschenswert. Doch Führungsstärke zeigt sich nicht darin, moralische Maßstäbe nach Belieben zu verschieben.

Die deutsche Energiepolitik gleicht derzeit einem Flickenteppich aus kurzfristigen Notlösungen und langfristigen Verpflichtungen, die sich gegenseitig widersprechen. Echte Energiesicherheit, so Kemfert, entstehe nicht durch neue Gaslieferanten, sondern durch den schnellen Ausbau erneuerbarer Energien, Effizienz und Speicherkapazitäten im Inland. Eine unbequeme Wahrheit, die in Berlin offenbar noch nicht angekommen ist.

Für den deutschen Bürger bleibt am Ende die ernüchternde Erkenntnis: Die Energiewende wird teuer, die Abhängigkeiten bleiben – nur die Flaggen der Lieferländer wechseln. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, darf bezweifelt werden.

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