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Methan-Rolle rückwärts: Brüssel knickt vor der Gas-Realität ein!

Methan-Rolle rückwärts: Brüssel knickt vor der Gas-Realität ein!
Symbolbild: KI-generiert

Die EU-Kommission zieht die Notbremse. Am 14. Oktober hat Brüssel vorgeschlagen, die strengen Methanauflagen für Öl-, Gas- und Kohleimporte um ein ganzes Jahr zu verschieben: Statt Anfang 2027 sollen sie erst 2028 gelten. Der Grund ist so simpel wie bitter. Europa steuert auf einen teuren Winter zu, und die Folgen des Iran-Krieges schnüren die Versorgung ab.

Bürokratie trifft Weltmarkt

Was steckt hinter dem sperrigen Begriff? Die Methanverordnung gilt seit August 2024. Wer Öl oder Gas in die EU liefert, soll seine Methanemissionen künftig nach EU-Standards überwachen, dokumentieren und prüfen lassen. Gut gemeint, doch die meisten internationalen Produzenten erfüllen diese Vorgaben bislang schlicht nicht.

Für europäische Importeure ist das ein juristisches Minenfeld. Ihnen drohen rechtlicher Ärger und Sanktionen. Im schlimmsten Fall verkaufen die Lieferanten ihre Ladungen einfach dorthin, wo niemand Formulare verlangt, etwa nach Asien. Europa hätte sich dann mit den eigenen Regeln selbst vom Markt ausgesperrt.

Washington warnt, Paris drängt

Am größten ist der Druck beim Flüssigerdgas. Die USA sind inzwischen der wichtigste LNG-Lieferant der EU. Schon im Juni hatte Washington Medienberichten zufolge gewarnt, die Vorschriften könnten Lieferungen stören. Rückendeckung kam vom Ölkonzern ExxonMobil.

Im September schaltete sich dann Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ein. In einem Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll er vor erheblichen Rechtsrisiken für Europas Energieimporteure gewarnt und einen Aufschub verlangt haben. Italien und Tschechien wollen ebenfalls mehr Zeit. Auch aus Deutschland kamen Warnungen, die Regel gefährde Gasimporte und die Versorgung mit Kerosin.

Der neue Fahrplan

  • Die Kontrollpflichten für Importeure greifen ab 2028.
  • Bis zum 31. Mai 2029 müssen Importeure belegen, dass ihre Lieferungen aus 2028 den Standards entsprechen.
  • Die Berichtspflichten zur Methanintensität verschieben sich für Importeure und EU-Produzenten.
  • Die Klimaziele selbst bleiben laut Kommission unangetastet.

Das letzte Wort haben noch das EU-Parlament und die Mitgliedstaaten. Laut Branchenberichten will die EVP-Fraktion der Industrie sogar noch mehr Zeit verschaffen.

Zwölf Monate, und dann?

Der Branche reicht der Aufschub nicht. Der Internationale Verband der Öl- und Gasproduzenten fordert drei Jahre. Die Unternehmen bräuchten mehr Zeit, um Lieferketten und Berichtssysteme umzubauen, heißt es. Andernfalls drohe in einem Jahr dasselbe Theater. Auch Uniper-Chef Michael Lewis hält die Frist Medienberichten zufolge für zu kurz.

Umweltverbände sehen das anders. Sie argumentieren, eine Verschiebung beende weder den Iran-Krieg noch bringe sie zusätzliches Gas nach Europa. Methan ist nach CO₂ der zweitgrößte Treiber der menschengemachten Erderwärmung, so viel ist unstrittig. Bereits im Juli hatte die Kommission empfohlen, bestimmte Verstöße vorerst nicht zu bestrafen.

Das Muster hinter dem Rückzieher

Das Muster kennt man inzwischen. Brüssel beschließt ein ehrgeiziges Regelwerk, feiert es als weltweit erstes seiner Art und rudert zurück, sobald die Wirklichkeit anklopft. Beobachter erinnern an die Entwaldungsverordnung und die Lieferkettenregeln, bei denen es ähnlich lief. Ist das noch Politik oder schon Reparaturbetrieb?

Verbraucher und Industrie bekommen dadurch etwas Luft beim Einkauf. Billigere Energie verspricht die Verschiebung aber nicht, und auch keine Planungssicherheit für Unternehmen, die längst unter hohen Strom- und Gaspreisen leiden. Wer seine Energieversorgung mit Paragrafen absichern will, statt mit verlässlichen Lieferverträgen, muss am Ende eben doch nachgeben. Bezahlen werden das wieder einmal die Bürger.

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