
Milliardenschweres Weltraumprojekt: Airbus will Satelliten-Produktion nach Deutschland holen
Während die politische Klasse in Berlin noch darüber debattiert, wie man das nächste Sondervermögen am geschicktesten am Steuerzahler vorbeimanövriert, bahnt sich im Bereich der Verteidigungstechnologie ein Projekt von historischer Dimension an. Airbus positioniert sich für das größte deutsche Weltraumprojekt aller Zeiten – die Bundeswehr-Satellitenkonstellation SATCOMBw 4, deren Kosten auf bis zu zehn Milliarden Euro geschätzt werden.
Mindestens 100 Satelliten für die Bundeswehr
Der europäische Luft- und Raumfahrtriese hat ein ambitioniertes Angebot auf den Tisch gelegt: Eine komplett neue Endmontagelinie für Satelliten im erdnahen Orbit – sogenannte Leo-Satelliten – soll in Deutschland entstehen. Wolfgang Dürr, der das institutionelle Raumfahrtgeschäft der Rüstungs- und Raumfahrtsparte von Airbus verantwortet, erklärte gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung", sein Unternehmen sei bereit, diese Produktionsstätte hierzulande aufzubauen. Mindestens 100 Satelliten sollen im Rahmen des Programms in den erdnahen Orbit gebracht werden.
Man darf durchaus die Frage stellen, ob es nicht längst überfällig war, dass Deutschland seine Verteidigungsfähigkeit auch im Weltraum ernst nimmt. Jahrzehntelang wurde die Bundeswehr kaputtgespart, während andere Nationen massiv in ihre Raumfahrtkapazitäten investierten. Dass nun ein Projekt dieser Größenordnung überhaupt auf der Agenda steht, ist ein Schritt in die richtige Richtung – wenngleich ein später.
Airbus setzt auf Geschwindigkeit und Erfahrung
Der Konzern verweist auf seine bereits bestehende Expertise in der Serienfertigung von Leo-Satelliten. Die Produktion für die Oneweb-Konstellation des Betreibers Eutelsat dient dabei als Referenz. Eine neue Endmontagelinie für weitere 440 Oneweb-Satelliten soll in Toulouse den Betrieb aufnehmen – ein Beweis dafür, dass Airbus die industriellen Kapazitäten tatsächlich beherrscht.
„Zeit ist ein Faktor, und wir können schnell reagieren", betonte Dürr. Ein Satz, der angesichts der geopolitischen Lage – vom andauernden Ukraine-Krieg bis zur jüngsten Eskalation im Nahen Osten – geradezu als Untertreibung gelten dürfte. Die Fähigkeit zur sicheren militärischen Satellitenkommunikation ist längst keine Luxusoption mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit.
Wertschöpfung soll in Deutschland bleiben
Besonders bemerkenswert ist das Versprechen, den wesentlichen Teil der Wertschöpfung in Deutschland zu belassen. Beim Vorgängerprogramm SATCOMBw 3, für das Airbus vor zwei Jahren den Zuschlag erhielt, seien es mehr als zwei Drittel gewesen. In Zeiten, in denen die deutsche Industrie unter Deindustrialisierung, Energiepreisexplosion und bürokratischer Überregulierung ächzt, wäre ein solches Projekt ein dringend benötigter Lichtblick für den Standort.
Airbus beschäftigt derzeit rund 9.000 Mitarbeiter in der Raumfahrt, davon etwa 3.600 in Deutschland. Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte, die lange Zeit als Sorgenkind galt, habe laut Finanzvorstand Thomas Toepfer „einen echten Turnaround hingelegt". Man könnte zynisch anmerken, dass es offenbar erst einer dramatischen Verschlechterung der globalen Sicherheitslage bedurfte, damit Europas Verteidigungsindustrie wieder auf die Beine kommt.
Harter Wettbewerb um den Milliarden-Auftrag
Airbus ist freilich nicht allein im Rennen. Ein Konsortium aus dem Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall und dem Bremer Satellitenbauer OHB könnte ebenfalls zum Zuge kommen. Die offizielle Angebotsaufforderung für dieses Großprojekt wird in Kürze erwartet – und dürfte einen der spannendsten Vergabewettbewerbe der jüngeren deutschen Rüstungsgeschichte einläuten.
Dass Airbus parallel plant, sein Satellitengeschäft in ein Gemeinschaftsunternehmen mit den Wettbewerbern Thales aus Frankreich und Leonardo aus Italien zu überführen, soll an den nationalen Zusagen nichts ändern. Man werde „nationale Anforderungen bedienen" und „starke nationale Säulen beibehalten", versicherte Dürr. Ob diese Zusicherung in der Praxis Bestand hat, wenn europäische Konsolidierungsinteressen auf nationale Sicherheitsbedürfnisse treffen, bleibt abzuwarten.
Ein überfälliges Signal für die Landesverteidigung
Zehn Milliarden Euro sind eine gewaltige Summe. Doch wer die Zeitenwende, die Bundeskanzler Merz von seinem Vorgänger geerbt hat, ernst nimmt, der kommt an solchen Investitionen nicht vorbei. Die Frage ist nicht, ob Deutschland sich eine souveräne Satellitenkommunikation leisten kann – die Frage ist, ob es sich leisten kann, darauf zu verzichten. In einer Welt, in der hybride Kriegsführung, Cyberangriffe und die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur zur neuen Normalität gehören, wäre ein Verzicht auf eigene Weltraumkapazitäten schlicht fahrlässig.
Bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung bei der Vergabe dieses strategisch bedeutsamen Auftrags nicht wieder in die typisch deutsche Falle tappt: endlose Ausschreibungsverfahren, politische Kompromisse zulasten der Qualität und am Ende ein Ergebnis, das weder zeitlich noch technologisch den Anforderungen genügt. Deutschland hat in der Vergangenheit bei Großprojekten – man denke nur an den BER oder die Gorch Fock – nicht gerade mit Effizienz geglänzt. Diesmal steht allerdings mehr auf dem Spiel als ein verspäteter Flughafen: Es geht um die Sicherheit unseres Landes.
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