
Mordfall Kalifornien: Schob ein Ehemann die Schuld auf ICE?

Ein 28-jähriger Mann aus Sacramento ist wegen Mordes an seiner Ehefrau angeklagt worden. Seine Frau war Ende September verschwunden, und er soll den Ermittlern erzählt haben, die Einwanderungsbehörde ICE habe sie festgenommen. Wenig später wurden ihre verbrannten Überreste in einem Wald identifiziert.
Eine Festnahme, die es nie gegeben hat
Das Opfer war eine 30-jährige Krankenschwester aus Indien und Mutter eines acht Monate alten Sohnes. Zuletzt wurde sie laut US-Medienberichten am 30. September im gemeinsamen Haus des Paares in Sacramento gesehen. Erst am 4. Oktober meldete eine Cousine sie bei der Polizei als vermisst.
Der Ehemann hatte dafür eine scheinbar passende Erklärung. Laut dem Sheriffbüro von Sacramento County sagte er, ICE-Beamte hätten seine Frau mitgenommen, als sie vor dem Haus den Briefkasten leeren wollte.
Die Ermittler fragten bei der Bundesbehörde nach. Die Antwort fiel klar aus: An dieser Adresse habe es keinen Einsatz gegeben. Ein Polizeisprecher erklärte außerdem, man habe in den Aussagen über das Verschwinden der Frau mehrere Widersprüche festgestellt.
Rauch über Pollock Pines
Ein wichtiges Puzzlestück lag zu diesem Zeitpunkt schon vor. Am 1. Oktober, drei Tage vor der Vermisstenanzeige, bemerkten Mitarbeiter eines privaten Forstunternehmens Rauch in einem abgelegenen Waldstück nahe Pollock Pines im benachbarten El Dorado County. Beim Löschen stieß die Feuerwehr auf menschliche Überreste. Sie waren verbrannt und teilweise vergraben.
Der Fundort liegt mehrere Dutzend Meilen vom Wohnhaus des Paares entfernt. Später bestätigten die Ermittler, dass es sich um die vermisste Frau handelte. Bei der Identifizierung half unter anderem Schmuck, der am Fundort lag.
Scheidung und Streit um das Sorgerecht
Die Ermittlungen ergaben außerdem, dass sich das Paar gerade scheiden ließ und um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn stritt. Am 14. Oktober wurde der Ehemann festgenommen, zwei Wohnhäuser mit Bezug zu ihm wurden durchsucht. Ob dabei Beweismittel sichergestellt wurden, haben die Behörden nicht mitgeteilt.
Am 16. Oktober erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Mordes. Der Mann soll seine Frau am oder um den 30. September vorsätzlich getötet haben. Wie sie starb und wie ihre Überreste in den Wald gelangten, ist bisher nicht öffentlich bekannt. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
ICE als Ausrede
Kaum eine Behörde ist in den USA derzeit so umstritten wie ICE. Seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit stehen ihre Einsätze im Zentrum heftiger Debatten, gerade in Kalifornien gibt es immer wieder Proteste. Viele Menschen halten eine plötzliche Festnahme durch die Behörde deshalb für möglich, ohne lange nachzufragen.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätte der Beschuldigte genau dieses Klima ausgenutzt. Er hätte eine Behörde vorgeschoben, die für einen Teil der Öffentlichkeit ohnehin als Feindbild gilt. Dass die Geschichte nicht lange hielt, lag an einer einfachen Nachfrage der Ermittler bei ICE.
Der Fall zeigt nach Ansicht unserer Redaktion, warum Vorwürfe gegen Behörden überprüft werden müssen, bevor sie sich als Schlagzeile verbreiten. Eine Geschichte ist nicht deshalb wahr, weil sie ins eigene Weltbild passt.
Ein Kind ohne Mutter
Der Beschuldigte sitzt ohne Möglichkeit einer Freilassung auf Kaution im Gefängnis von Sacramento County. Sein nächster Gerichtstermin ist am 7. Dezember.
Die Familie der Toten hat eine Spendenaktion gestartet. Mit dem Geld will sie die sterblichen Überreste nach Indien überführen und den acht Monate alten Sohn unterstützen. Die Mutter des Opfers, ebenfalls Krankenschwester, lebt weiterhin in Indien.
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