
Moskau blockt ab: Getreide-Korridor im Schwarzen Meer bleibt Kriegszone

Kiew hat über einen Vermittler einen Teil-Waffenstillstand zur See angeboten – Moskau hat ihn innerhalb weniger Stunden kassiert. Am Freitag erklärte das russische Außenministerium, für "Halbmaßnahmen" gebe es keine Grundlage. Damit bleibt eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt das, was sie seit Monaten ist: ein Schießplatz.
Ein Angebot, das nie eine Chance hatte
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hatte die Ukraine über einen Drittstaat vorgeschlagen, die gegenseitigen Angriffe auf zivile Schiffe zu stoppen. Parallel dazu warb der türkische Außenminister Hakan Fidan Medienberichten zufolge für ein Moratorium militärischer Operationen im Schwarzen Meer – Ankara habe entsprechende Vorschläge an beide Seiten übermittelt.
Die russische Sprecherin Maria Sacharowa wies das zurĂĽck und warf Kiew "dreiste Akte des Terrorismus" gegen die Schifffahrt vor. Eine formelle tĂĽrkische Anfrage sei in Moskau nie eingegangen.
"Wir sehen keine Anzeichen fĂĽr eine Verbesserung der Lage und folglich keine Grundlage fĂĽr HalbmaĂźnahmen, die dem Kiewer Regime lediglich eine vorĂĽbergehende Atempause verschaffen."
Auch eine Neuauflage des von Türkei und UNO vermittelten Getreideabkommens von 2022/23 schloss sie aus. Jene Vereinbarung war geplatzt, nachdem Russland ausgestiegen war – mit der Begründung, westliche Zusagen für die eigenen Agrar- und Düngerexporte seien nie eingelöst worden.
76 Prozent weniger Getreide – und der Westen schaut zu
Die Zahlen sind brutal. Über 90 Prozent der ukrainischen Agrarausfuhren laufen über die drei Tiefwasserhäfen Odessa, Tschornomorsk und Piwdenne. Laut Reuters brachen die Getreideexporte im August um 76 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein – ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Weizenernte.
Doch der Druck ist längst keine Einbahnstraße mehr. Am 12. August traf die Ukraine Berichten zufolge Noworossijsk, Russlands zentralen Marine- und Getreideumschlagplatz am Schwarzen Meer; die dortigen Getreideterminals stellten den Betrieb ein. Die russische Seite wiederum meldete über die Staatsagentur TASS, allein im Juli seien mehr als 80 Schiffe angegriffen worden, die angeblich das ukrainische Militär versorgten.
Der Preis dafĂĽr wird international bezahlt: Bei Angriffen auf Frachter unter den Flaggen von Togo, Tansania und Liberia kamen Berichten zufolge Besatzungsmitglieder ums Leben.
Warum das auch an deutschen Ladenkassen ankommt
Wer glaubt, ein Korridor am anderen Ende Europas sei ein exotisches Randthema, irrt. Die Weltmarktpreise für Getreide ziehen laut Reuters bereits an. Weizen ist die Basis der globalen Nahrungsmittelkette – von Brot über Futtermittel bis zum Fleischpreis.
Trifft steigende Rohstoffnotierungen auf eine deutsche Wirtschaft, die ohnehin unter Energiekosten, Bürokratie und einer Rekordverschuldung ächzt, wird aus einem geopolitischen Konflikt schnell ein Inflationsproblem im Supermarktregal. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt sich hier erneut, wie verwundbar ein Kontinent ist, der Versorgungssicherheit jahrelang für selbstverständlich hielt.
Krieg als Zermürbungsökonomie
Beide Seiten führen längst einen Wirtschaftskrieg mit militärischen Mitteln. Wer den Gegner am Export hindert, trocknet seine Devisenquellen aus. Moskau hat wiederholt deutlich gemacht, dass es kurze Feuerpausen für eine Gelegenheit zur Aufrüstung des Gegners hält und nur eine politische Gesamtlösung akzeptiert.
Für Anleger bleibt die Lektion unbequem: Lieferketten, Währungen und Papierversprechen sind so stabil wie die Geopolitik, die sie trägt. Physische Edelmetalle können in einem breit gestreuten Vermögen genau deshalb als Stabilitätsanker dienen – unabhängig davon, wer gerade welchen Hafen beschießt.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.
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