
Nach 182 Jahren ist Schluss: Kahla-Porzellan brennt zum letzten Mal!

Ein Stück deutscher Industriegeschichte ist erloschen. Am Freitag, dem 23. Oktober 2026, verließ in der thüringischen Kleinstadt Kahla die letzte Charge Porzellan den großen Brennofen. Danach wurde er abgeschaltet, nach heutigem Stand für immer. Genau 182 Jahre nach dem ersten erfolgreichen Brand am 23. Oktober 1844 endet damit die Produktion der insolventen Traditionsmanufaktur.
Der letzte Brand: 170 Teller, 400 Tassen, 1400 Grad
Zum Abschied zwei Wagen mit sogenannter Weißware: 170 Teller und 400 Tassen. Sie lagen rund fünf Stunden bei knapp 1400 Grad im Ofen. Dann war es vorbei.
Fertigungsleiter Frank Meinhardt-Ruppin sprach Medienberichten zufolge von einem der traurigsten Tage seines Berufslebens. Der 68-Jährige hatte 1981, noch zu DDR-Zeiten, als Schichtleiter in dem Werk angefangen. Nach Jahren bei einem anderen Hersteller kam er im Sommer zurück, um die Werkleitung in der bitteren Schlussphase zu unterstützen. Eine Rückkehr, die zum Abschied wurde.
200.000 Euro Energiekosten im Monat
Im März 2026 hatte das Unternehmen erneut Insolvenz angemeldet. Schon 2020 war Kahla zahlungsunfähig, damals fand sich noch ein Retter. Diesmal nicht. Monatelang wurde mit möglichen Investoren gesprochen, zuletzt mit einem Interessenten aus der Türkei. Laut Insolvenzverwalter Rolf Rombach kam aber keine wirtschaftlich tragfähige Übernahme zustande. Als wichtigsten Grund nannte er die hohen Energiekosten.
Die Zahlen dazu sind brutal. Das Interimsmanagement bezifferte die gesamten Energiekosten zuletzt auf rund 200.000 Euro pro Monat. Der etwa 70 Meter lange Ofen hätte nur bei deutlich höherer Auslastung wirtschaftlich laufen können. Dazu kamen eine schwache Auftragslage, die Kaufzurückhaltung der Gastronomie und harte Konkurrenz aus dem Ausland. Berichten zufolge sollen auch versäumte Investitionen die Lage verschärft haben.
Allein den Gaspreis verantwortlich zu machen, wäre also zu einfach. Trotzdem stellt sich eine unbequeme Frage: Wie soll energieintensive Industrie in Deutschland überleben, wenn schon die Stromrechnung einen Betrieb in die Knie zwingt? Kahla ist kein Einzelfall. Laut Berichten droht in jedem dritten Thüringer Unternehmen Stellenabbau. Die Debatte über Industriestrompreise und Entlastungen läuft in Berlin seit Jahren. Für Kahla kommt sie zu spät.
Ansturm auf den Werksverkauf
Die Kunden haben schneller reagiert. Seit die Schließung bekannt ist, stürmen die Menschen den Werksverkauf. Nach Angaben der Verkaufsleitung kamen in den ersten vier Tagen etwa 6500 Besucher, rund 30.000 Artikel mussten nachgeräumt werden. An manchen Tagen standen schon vor der Öffnung 150 Menschen an. In knapp drei Wochen soll der Werksverkauf ungefähr so viel umgesetzt haben wie sonst in einem ganzen Jahr.
Ganz zu Ende ist es aber noch nicht. Bis Ende 2026 will die Insolvenzverwaltung den Betrieb schrittweise herunterfahren. Bis dahin werden Bestellungen abgearbeitet, Produkte veredelt und Restbestände verkauft. Der Werksverkauf mit der sogenannten Kilo-Halle hat von Donnerstag bis Samstag geöffnet. Der Onlineshop nimmt wegen der vielen Bestellungen nur zeitweise Aufträge an.
Mehr als Geschirr
Für viele Familien in Thüringen und im ganzen Osten gehören Kahla-Tassen seit Jahrzehnten auf den Frühstückstisch. Im Werk arbeiteten in manchen Familien schon Eltern und Großeltern als Porzelliner. Betroffen sind 96 Beschäftigte, viele haben ihre Kündigung bereits erhalten. Trotzdem arbeitet ein Teil der Belegschaft bis zum Schluss weiter.
Was bleibt von Kahla?
Was aus Marke, Designs und Maschinen wird, ist offen. Berichten zufolge soll der große Brennofen ins außereuropäische Ausland verkauft werden, einen bestätigten Käufer gibt es nicht. Ob die Veredelung erhalten bleibt oder ein anderer Hersteller die Marke weiterführt, ist ebenfalls unklar.
Dass ausgerechnet der Ofen, in dem 182 Jahre lang deutsches Porzellan gebrannt wurde, bald woanders arbeiten könnte, sagt viel über den Industriestandort Deutschland. Hier wird abgeschaltet, im Ausland weiterproduziert. Für Kahla bedeutet das nicht nur den Verlust von Arbeitsplätzen, sondern auch eines großen Teils der eigenen Identität.
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Prof. Dr.Polleit
ErnstWolff
MichaelMross
Dr.Brandenburg
FlorianHomm
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