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19.10.2026
08:52 Uhr
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Nach Chaos-Wochenende: Bukele traut Frankreich Wende „in einer Woche“ zu

Nach Chaos-Wochenende: Bukele traut Frankreich Wende „in einer Woche“ zu
Symbolbild: KI-generiert

Plünderungen, Barrikaden, brennende Gebäude: Nach dem Gewaltwochenende vom 17. und 18. Oktober bekommt Frankreich Ratschläge von unerwarteter Seite. El Salvadors Präsident Nayib Bukele schrieb am Sonntag auf X, die „Grande Nation“ könne ihr Sicherheitsproblem „in einer Woche“ in den Griff bekommen. In Paris dürfte das wie eine Ohrfeige wirken.

Ein Satz, sechs Millionen Aufrufe

Bukele schrieb auf Französisch, er habe gehört, Frankreich sei „am Ende“ und nicht mehr zu retten. Das Land sei aber noch immer schön, sogar beneidenswert, seine Größe warte nur darauf, wiedergeboren zu werden. Dann kam die Pointe, in deutscher Übersetzung:

„Wir haben in einem Jahr ein hundertmal ernsteres Problem überwunden, ohne die Mittel zu haben, über die Frankreich verfügt. Frankreich könnte es in einer Woche schaffen.“

Der Beitrag erreichte binnen kurzer Zeit mehr als 6,4 Millionen Aufrufe und über 250.000 Likes. Schon in den Tagen davor hatte Bukele französische Beiträge geteilt. In einem davon hieß es, die Mordrate in El Salvador werde 2026 erstmals unter die französische fallen.

Was in Frankreich passiert ist

Eigentlich hatte es ein Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und steigende Spritpreise werden sollen. Am Ende stand ein Gewaltexzess, wie ihn das Land lange nicht gesehen hatte. Medienberichten zufolge nahm die Polizei landesweit knapp 2.400 Menschen fest. Fast 1.000 Polizisten und Gendarmen wurden verletzt, sieben davon schwer.

Nach Angaben ihres Branchenverbands waren rund 1.500 Geschäfte betroffen. In Paris, Lyon, Marseille, Bordeaux und Nizza kam es zu Ausschreitungen, auch am Sonntag wurde weiter geplündert, etwa rund um Châtelet-les-Halles und am Kaufhaus BHV Marais. Pariser Lokalmedien berichten außerdem von einem Todesopfer.

Macron räumt „Versäumnisse“ ein

Emmanuel Macron sprach in einer Fernsehansprache von „Scham und Wut“. Wer zerstört habe, müsse dafür bezahlen. Am Montag gab der Élysée-Palast „Versäumnisse bei Vorausplanung und Aufklärung“ zu. Innenminister Laurent Nuñez soll von einem „Kontrollverlust“ der Polizei in einigen Städten gesprochen und seinen Rücktritt angeboten haben. Macron lehnte ab.

Das Modell Bukele: Erfolg mit hohem Preis

Bukeles Spott hat einen ernsten Hintergrund. Seit März 2022 gilt in El Salvador ein Ausnahmezustand. Zehntausende mutmaßliche Bandenmitglieder sitzen seitdem in Haft, viele davon im Hochsicherheitsgefängnis CECOT. Das Land galt einst als eine der Mordhauptstädte der Welt, heute meldet die Regierung historisch niedrige Mordraten.

Der Preis dafür ist hoch, und das gehört zur Wahrheit dazu. Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung willkürliche Festnahmen, ausgesetzte Grundrechte und unmenschliche Haftbedingungen vor. Im April 2026 wurde zudem lebenslange Haft für Jugendliche ab zwölf Jahren möglich. Eins zu eins auf eine europäische Demokratie übertragen lässt sich dieses Modell kaum.

Eine Botschaft, die auch nach Berlin passt

Bukeles eigentliche Pointe zielt aber nicht auf Gefängnisse. Sie zielt auf den politischen Willen. Ein Kleinstaat in Mittelamerika setzt sein Recht durch. Eine Atommacht mit einem der größten Polizeiapparate Europas sieht dagegen zu, wie Kaufhäuser in ihrer Hauptstadt ausgeräumt werden. Viele Bürger halten das für ein Armutszeugnis.

Auch für Deutschland ist das keine ferne Debatte. Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt hierzulande ein Rekordniveau, Messerangriffe nehmen deutlich zu. Aus Sicht unserer Redaktion sind das die Folgen jahrelanger politischer Fehlentscheidungen. Ein Staat, der seine Bürger nicht mehr schützt, verliert ihr Vertrauen. Paris erlebt gerade, wie schnell das gehen kann.

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