
Nur 60 Anfragen: Rückkehr in die Ukraine? Für die meisten kein Thema!

Seit April gibt es in Berlin eine eigene Anlaufstelle für Ukrainer, die in ihre Heimat zurückkehren wollen. Die Bilanz ist ernüchternd: Laut einem Medienbericht hat das Beratungszentrum Unity Hub Berlin bis heute nur rund 60 Anfragen zur Rückkehr registriert. Gleichzeitig leben fast 1,3 Millionen Menschen aus der Ukraine mit Schutzstatus in Deutschland.
Rechnerisch kommt damit eine Anfrage auf mehr als 21.000 Schutzsuchende. Nach Angaben, die von der ukrainischen Botschaft übermittelt wurden, ging es dabei vor allem um Informationen und Beratung, also noch lange nicht um gepackte Koffer.
Rentner fragen nach, junge Männer kaum
Besonders auffällig ist, wer sich überhaupt meldet. Nur drei der Anfragen kamen von Männern im wehrfähigen Alter. Am größten sei das Interesse bei Bürgern im Rentenalter gewesen, heißt es aus dem Zentrum.
Das überrascht wenig. Wer in die Ukraine zurückkehrt, muss als Mann im kampffähigen Alter mit der Einberufung rechnen. Laut dem Zentrum denkt die große Mehrheit der Ratsuchenden ohnehin erst an eine Heimkehr, wenn die Kämpfe endgültig vorbei sind und sich die Sicherheitslage stabilisiert hat.
EU-Zahlen zeigen dasselbe Bild
Neu ist die Zurückhaltung nicht. Die Europäische Asylagentur EUAA hat sie in einem Bericht vom März 2026 schwarz auf weiß festgehalten. Demnach wollten 2025/26 nur rund 20 Prozent der befragten Ukrainer in Deutschland sicher oder eher zurückkehren.
- Über 65-Jährige: 40 Prozent rückkehrbereit
- 18- bis 44-Jährige: nur 17 Prozent
- Ukrainer mit Job in Deutschland: gerade einmal 13 Prozent
Hier zeigt sich das eigentliche Dilemma. Gerade die Jungen und Berufstätigen, also genau die Menschen, die die Ukraine für den Wiederaufbau bräuchte, wollen am seltensten zurück. Für die Betroffenen zählt neben der militärischen Lage auch, ob es in der Heimat Wohnungen, verlässlichen Strom und Arbeit gibt. Nach Jahren voller Angriffe auf Kraftwerke und Städte ist das in vielen Regionen alles andere als sicher.
Schutzstatus bis 2028 und danach?
Deutschland bleibt eines der wichtigsten Aufnahmeländer in Europa. Laut Eurostat standen Ende August 2026 EU-weit etwa 4,43 Millionen Ukrainer unter vorübergehendem Schutz. 1.294.555 davon lebten in Deutschland, so viele wie in kaum einem anderen Land.
Brüssel hat den Schutzstatus inzwischen bis zum 4. März 2028 verlängert. Die EU-Staaten haben sich außerdem auf einen gemeinsamen Kurs für die Zeit danach geeinigt. Vorgesehen sind der Wechsel in längerfristige Aufenthaltstitel, aber auch Vorbereitungen für eine sichere Rückkehr. Was als vorübergehend begann, wird für viele zum Dauerzustand.
Bürgergeld-Reform steckt fest
Damit ist die Politik in Berlin gefordert, und die Große Koalition liefert bisher wenig. CDU/CSU und SPD hatten vereinbart, dass Ukrainer, die ab dem 1. April 2025 eingereist sind, kein Bürgergeld mehr bekommen, sondern die niedrigeren Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Das Kabinett hat den Gesetzentwurf im November 2025 beschlossen.
Seitdem kommt das Vorhaben nicht voran. Medienberichten zufolge hängt es im parlamentarischen Verfahren fest. Der Bundesrat hat kritisch Stellung genommen, und die Kommunen streiten mit dem Bund über die Kosten. Kritiker sehen darin ein typisches Beispiel für Ankündigungen der Regierung Merz, denen keine Taten folgen.
Zeit für ehrliche Antworten
Dass Menschen nicht in ein Land zurückwollen, in dem weiter Raketen einschlagen, ist verständlich. Die Politik sollte aber offen sagen, was daraus folgt: Ein großer Teil der Geflüchteten wird wohl dauerhaft bleiben.
Dann muss der Weg in Arbeit absoluten Vorrang haben, nicht der Verbleib in den Sozialsystemen. Das sind die Regierenden den Steuerzahlern schuldig, die das alles finanzieren. Und letztlich auch der Ukraine, der für den Wiederaufbau jede Arbeitskraft fehlen wird.
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