
Öl fließt wieder – doch am Golf tickt weiter eine Zeitbombe!

Mitten im Krieg strömt aus dem Nahen Osten fast wieder so viel Rohöl wie vor dem Konflikt. Die US-Großbank JPMorgan kommt in einer Analyse vom 29. September auf 98 Prozent des Vorkriegsniveaus. Wer jetzt aufatmet, übersieht allerdings, wie wacklig diese Erholung ist.
Rohöl fließt, Diesel und Benzin fehlen
Medienberichten zufolge beziffern die Analysten um Natasha Kaneva die Rohölexporte der Region auf 17,5 Millionen Barrel pro Tag, gemessen am Zehn-Tage-Durchschnitt. Für eine Region, die weiterhin im Krieg stehe, sei das eine bemerkenswerte Erholung, heißt es sinngemäß. Der Konflikt zwischen den USA und Iran dauert inzwischen acht Monate.
Bei Diesel, Benzin und anderen Ölprodukten sieht es dagegen schlecht aus. Hier fließen nur drei Millionen Barrel täglich, also 58 Prozent des Vorkriegsniveaus. Rohöl und Produkte zusammen erreichen laut JPMorgan 89 Prozent des Niveaus von 2025.
Für Pendler, Spediteure und Landwirte in Deutschland ist genau das die entscheidende Zahl. An der Zapfsäule zählt nicht das Rohöl, sondern das, was die Raffinerien daraus machen.
Hormus und der Umweg über Saudi-Arabien
Durch die Straße von Hormus fließen nach JPMorgan-Angaben wieder fast so viele Barrel wie zu den Höchstständen Ende Juni: knapp 13 Millionen täglich. Den größten Anteil daran hat Saudi-Arabien. Das Riad hat zudem seine Ost-West-Pipeline, die Anfang September beschädigt worden war, zur Hälfte wieder in Betrieb genommen. Berichten zufolge sind es mindestens 3,5 Millionen Barrel am Tag. Die Leitung bringt das Öl zu den Häfen am Roten Meer, vorbei an Hormus.
Am Dienstag gab der Ölpreis deshalb nach. Brent fiel von rund 107 Dollar am Morgen auf 102,59 Dollar zum Handelsschluss, ein Minus von 2,6 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt Brent laut Medienberichten aber immer noch fast 70 Prozent im Plus. Von Entwarnung kann also keine Rede sein.
Tanker mit abgeschaltetem Signal
Ein Grund für die Erholung ist ein neues Transportmodell. Der Datenanbieter Windward beschreibt einen Pendelverkehr: Tanker laden im Persischen Golf und fahren durch Hormus, teils mit abgeschaltetem AIS-Transponder. Im Golf von Oman pumpen sie ihre Ladung auf andere Schiffe um und kehren dann zurück. Geschützt werden die Fahrten durch Konvois sowie durch Luftabwehr und Marine der USA.
Weil viele Schiffe ihr Signal abschalten, sind die Daten lückenhaft. Der Analysedienst Kpler prüft die Fahrten deshalb anhand von Satellitenbildern und Hafendaten und korrigiert seine Zahlen teils nachträglich. Nach Einschätzung von Kpler kann das System kaum noch wachsen, weil die Umladestellen im Golf von Oman fast ausgelastet sind.
Mehr Verkehr, aber nicht mehr Sicherheit
Laut Kpler- und MarineTraffic-Daten fuhren vom 21. bis 27. September 132 Schiffe durch Hormus, 13,8 Prozent mehr als in der Vorwoche. Durch die Meerenge Bab al-Mandab waren es 271 Schiffe, ein Plus von 16,8 Prozent. In derselben Woche wurden drei Handelsschiffe angegriffen: die AL MARYAH, die LR STEPHANIE und die CAPE DAO. JPMorgan warnt denn auch, mehr Durchfahrten bedeuteten nicht mehr Sicherheit. Die Branche habe nur gelernt, trotz dauerhafter Gefahr zu fahren.
Auch am Roten Meer droht Gefahr
Die US-Schifffahrtsbehörde MARAD warnt vor neuen Angriffen der Huthi. Besonders gefährdet seien Schiffe mit Verbindungen zu Israel, den USA, Großbritannien oder Saudi-Arabien. Ausgerechnet über das Rote Meer soll aber das saudische Öl aus der Pipeline laufen. Die Behörde rät US-Schiffen, AIS abzuschalten, räumt aber ein, dass Schiffe mit und ohne Signal angegriffen wurden.
Was das für deutsche Sparer bedeutet
Deutschland hängt stark von Importen ab und leidet besonders unter teurer Energie. Neben den geopolitischen Risiken verteuert auch die nationale CO2-Abgabe den Kraftstoff. Solange Diesel knapp bleibt, dürften Transportkosten und Inflation hoch bleiben. Und das zehrt am Ersparten.
Gold und Silber gelten seit jeher als Schutz in Krisen, weil sie von keiner Lieferkette und keinem Versprechen der Politik abhängen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können physische Edelmetalle helfen, sich gegen solche Schocks abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung, Wertpapiere, Rohstoffe oder Edelmetalle zu kaufen oder zu verkaufen. Jeder Anleger muss sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.
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